Kasto Variospeed C 15 (Foto: Kasto)
Effizienter Anarbeiten mit Robotertechnik

Die Anforderungen im Stahlhandel werden immer komplexer: Kunden wollen nicht nur ein größeres Spektrum an Werkstoffen, Abmessungen und Güten, sondern auch exakte Liefermengen und -termine.

Der Stahlhändler wird zunehmend zum Produktionsversorger, der auch die Anarbeitung übernehmen muss. Um diesen wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden, setzt die Erich Hagelauer GmbH auf die Automatisierung ihrer Prozesse.

EDGAR GRUNDLER, ALLENSBACH

 

 
Kaum ein Werkstoff ist so vielseitig wie Stahl. Das gilt nicht nur für seine unzähligen Einsatzmöglichkeiten, sondern auch für seinen Variantenreichtum: Es gibt ihn bekanntlich als Rund-, Flach- oder Vierkantmaterial sowie in vielen verschiedenen Güten und Legierungen. Hinzu kommt, dass Unternehmen Stahl in den unterschiedlichsten Abmessungen benötigen – von winzigen Kleinteilen, etwa für die Fertigung von Uhrwerken, bis zu meterlangen Trägern oder Blechen für den Stahl-, Maschinen- und Anlagenbau. Dies macht den Handel mit Stahl zu einer äußerst herausfordernden Aufgabe, welcher sich die Erich Hagelauer GmbH mit Sitz in Stuttgart mit großem Engagement widmet.


Deren erklärtes Ziel ist es, Fertigungsbetriebe zuverlässig und schnell mit individuell angepassten Stahlprodukten zu versorgen. Das 1921 gegründete Unternehmen gehört zu den führenden Stahlgroßhändlern in Baden- Württemberg und beliefert langfristig und regelmäßig hunderte von Kunden – die meisten davon in der Region, aber auch in angrenzenden Ländern. Dazu pflegt Hagelauer enge Kontakte zu zahlreichen Stahlwerken in aller Welt.

 

Vom Lieferant zum Allround-Dienstleister


„Die Anforderungen im Stahlhandel haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt“, beschreibt Jürgen Hagelauer, der das Familienunternehmen als geschäftsführender Gesellschafter bereits in der dritten Generation leitet. „Wir sind längst nicht mehr nur Lieferant, sondern arbeiten als Dienstleister Hand in Hand mit unseren Kunden.“ Hagelauer versorgt hauptsächlich Unternehmen aus dem Maschinen-, Werkzeug- und Vorrichtungsbau. „Dabei übernehmen wir immer mehr Aufgaben, die die Firmen früher noch selbst erledigt haben“ schildert Jürgen Hagelauer. „Egal ob Anarbeitung, Einlagerung oder termingenaue Lieferung – wir bieten unseren Kunden ein echtes Rundum-Sorglos-Paket an.“


Gerade die Vorfertigung nach den Anforderungen des Kunden nimmt eine immer wichtigere Rolle ein. „Früher hat ein Unternehmen zum Beispiel in eigene Sägetechnik investiert – heute steht die eigene Kernkompetenz im Fokus; nachrangige Prozesse werden fremd vergeben“, erklärt Günther Glasbrenner, Geschäftsführer der Erich Hagelauer GmbH. Solche Arbeitsschritte übernimmt inzwischen der Stahlhändler. „Unsere Kunden bekommen das Material von uns bereits nach ihren Bedürfnissen zugeschnitten und bearbeitet – fertig für die Weiterbearbeitung in ihrer Produktion“, schildert Glasbrenner. Um Produktions- und Versorgungskonzepte wie Kanban oder just-in-time zu unterstützen, liefert Hagelauer seine Produkte mengen- und termingenau. „Für viele unserer Kunden sind wir dadurch eher eine ausgelagerte Abteilung als ein Fremdunternehmen.“

 

Eine Partnerschaft mit Tradition


Um möglichst viele kundenspezifische Anforderungen zuverlässig zu erfüllen, investiert Hagelauer kontinuierlich in einen eigenen, breit aufgestellten Maschinenpark. Insgesamt zwölf Sägemaschinen füllen die Halle des Stahlhändlers in Stuttgart-Feuerbach – fast alle stammen von der Kasto Maschinenbau GmbH & Co. KG, einem führenden Anbieter von Metallsäge- und Lagertechnik mit Sitz im badischen Achern. „Schon mein Großvater, der das Unternehmen 1921 gegründet hat, hat mit Kasto zusammengearbeitet“, erinnert sich Jürgen Hagelauer. „Kasto ist uns als kompetenter und zuverlässiger Partner also schon sehr lange bekannt. Die Qualität der Produkte ist einfach unschlagbar: Eine Kasto-Bandsäge aus den 1970er Jahren ist bei uns bis heute in Betrieb.“


Neuestes Schmuckstück im Maschinenpark von Hagelauer ist die vollautomatische Kreissäge „Kasto Variospeed C 15“. Der CNC-gesteuerte Sägeautomat kann flexibel unterschiedliche Werkstoffe bearbeiten, auch schwer zerspanbare, und eignet sich perfekt für den mannlosen Betrieb. Die robuste Bauart und der leistungsstarke, frequenzgeregelte Antrieb sorgen für kurze Schnittzeiten, besonders dünne Hartmetall-Sägeblätter für hohe Präzision und einen geringen Materialverlust. Der große Schnittbereich von zehn bis 150 Millimeter bei Rundmaterial und die stufenlos verstellbare Schnittgeschwindigkeit von acht bis 150 Meter pro Minute machen die „Kasto Variospeed C 15“ zu einem echten Allrounder für die Stahlbearbeitung.

 

Greifen, bearbeiten, stapeln – alles automatisch


Die Säge verarbeitet hauptsächlich Stabmaterial, das in Abschnitten von drei oder sechs Metern Länge über ein Vorlagemagazin zugeführt wird. Für den vollautomatischen Betrieb hat Kasto die Anlage zudem mit einem automatischen Sortiersystem des Typs „Kasto Sort“ mit zwei Robotern kombiniert. Diese können die Sägeabschnitte nicht nur entnehmen und auf Paletten oder Behälter stapeln, sondern auch bearbeiten: „Viele unserer Kunden möchten ihre Werkstücke zum Beispiel bereits entgratet geliefert bekommen. Das Robotersystem erledigt diesen Arbeitsschritt komplett selbstständig“, freut sich Günther Glasbrenner.


Nach dem Sägevorgang entnimmt der erste der beiden Roboter den Abschnitt mithilfe eines Vakuumgreifers aus der Sägemaschine und transportiert ihn zu einer Spannvorrichtung. Der Roboter kann Werkstücke mittels Sauger bis zu einem Gewicht von 27,4 Kilogramm aufnehmen. Um Platz zu sparen, ist er hängend am Grundgestell installiert. Für das Handling der Sägeabschnitte stehen verschiedene Vakuumgreifer zur Verfügung, zwischen denen der Roboter automatisch wechseln kann. „Das macht das ‚Kasto Sort‘-System extrem flexibel“, erklärt Bernd Wölfl, der das Projekt von Seiten Kasto‘s betreute. „Falls Hagelauer einmal schwerere Abschnitte bearbeiten muss, kommt der mechanische Greifer zum Einsatz, der Teile bis 110 Kilogramm aufnehmen kann.“


Befindet sich der Sägeabschnitt in der Spannvorrichtung, übernimmt der zweite Roboter. Dieser kann verschiedene Bearbeitungsaufgaben ausführen, zum Beispiel Entgraten. Dafür verfügt er über einen pneumatisch vorgespannten Fräskopf, der alle Grate gleichmäßig entfernt. Dies zu realisieren war jedoch kein einfaches Unterfangen, erinnert sich Jürgen Hagelauer: „Durch das Eigengewicht des Roboters und des Fräskopfs waren die gefrästen Fasen zunächst unterschiedlich – je nachdem, ob der Roboter von oben oder von unten gefräst hat. Gemeinsam mit Kasto haben wir das Problem jedoch über die Steuerung in den Griff bekommen.“


Je nach Beschaffenheit der Sägeabschnitte liegt die Taktzeit des Bearbeitungsroboters über oder unter jener der Säge. Um den Ablauf weiter zu optimieren, ist die Anlage mit zwei Spannvorrichtungen ausgerüstet. Während das erste Werkstück noch bearbeitet wird, kann der Roboter bereits ein zweites aus der Säge nehmen und einspannen. Sind die Abschnitte fertig bearbeitet, stapelt sie der Roboter auf einem Ablageplatz auf Paletten oder in Behälter. Diese werden durch ein Umlaufsortiersystem bereitgestellt, das Platz für acht Paletten oder 16 Behälter bietet. Ist ein Ladungsträger voll oder die in einem Auftrag definierte Stückzahl erreicht, wird automatisch ein Signal an das Steuerungssystem übermittelt und der Behälter gewechselt. Mit einem Gabelstapler kann ein Mitarbeiter die vollen Behälter oder Paletten aus dem Umlaufsystem entnehmen und Leerbehälter einsetzen.

 

Mehr Effizienz und Liefertreue


Dank der automatisierten Abschnittsbearbeitung und -entnahme durch dieses Sortiersystem kann Hagelauer die Sägeanlage nun rund um die Uhr betreiben – einen Großteil davon im mannlosen Betrieb. „Dadurch können wir wesentlich effizienter, schneller und termingenauer arbeiten“, erklärt Jürgen Hagelauer. „Ist die Anlage einmal eingerichtet, läuft sie vollkommen selbstständig, und unsere Mitarbeiter können sich weiteren Aufgaben widmen.“ Zudem ist die Robotertechnik zuverlässiger und weniger fehleranfällig: „War früher zum Beispiel ein Kollege einmal krank, gerieten wir schnell in Gefahr, unsere Liefertermine nicht mehr einhalten zu können“, erinnert sich Hagelauer. Bereits seit eineinhalb Jahren arbeitet die neue Sägeanlage bei Hagelauer problemlos. „Und sollte doch einmal etwas nicht stimmen, können sich die Experten von Kasto jederzeit per Fernwartung in das System einschalten und Störungen beheben“, schildert Hagelauer.


Das neue Robotersystem hilft Hagelauer bei der Bewältigung des immer größeren Anarbeitungsaufwands enorm. „Wir sind damit in der Lage, auftragsindividuell angepasste Stahlprodukte zu liefern – und zwar genau in der Menge und genau zu dem Zeitpunkt, an dem sie gebraucht werden“, resümiert Jürgen Hagelauer. „Und das wissen unsere Kunden sehr zu schätzen.“

www.kasto.de  
www.hagelauer.com


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Beitrag aus dima 1/2015:

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