Flexibilität aus dem (Kran-) Baukasten 

 

Mit dem „Power Transmission Center“ (PTC) hat die KTR Kupplungstechnik GmbH ein hochmodernes Entwicklungs- und Montagezentrum für Antriebskomponenten in Betrieb genommen.

Für die gesamte, 8.800 m² große Nutzfläche wurde ein durchdachtes, sehr flexibles Konzept für die Handhabung der Komponenten entwickelt.

 

Die Prüf- und Montage-Arbeitsplätze sind durchgängig mit dem Demag KBK-System sowie mit Schwenkkranen ausgestattet. Eine wesentliche Anforderung war dabei, dass die Bekranung ohne zusätzliche Stützen auf der Bodenfläche auskommt.

KTR mit Hauptsitz in Rheine gehört zu den Weltmarktführern für Wellenkupplungen. Das Unternehmen fertigt ein extrem breites Kupplungsprogramm, das u.a. in Windkraftanlagen, Baumaschinen, Werkzeugmaschinen und Pumpen zum Einsatz kommt. Das gilt auch für die Bremsen – ein Produktbereich, der kürzlich durch einen Zukauf verstärkt wurde – und die Hydraulikkomponenten.

 

KTR-Antriebskomponenten:
Auch in der Hebe- und Fördertechnik


Auch in der Hebe- und Fördertechnik sind unterschiedliche KTR-Kupplungstypen im Einsatz. In den Antrieben stationärer Fördereinrichtungen findet man häufig die Rotex-Klauenkupplungen. In Flurförderzeugen sorgen u.a. drehelastische Kupplungen aus dem BoWex- Programm für die Verbindung zwischen Verbrennungsmotor und Hydraulikpumpe. Und Krane und Seilwinden sind ein zentraler Einsatzbereich für die hydraulischen und elektromechanischen Bremsen von KTR.

 

8 800 m²:
Viel Platz für Testfeld und Montage


Im Frühjahr 2015 hat KTR mit dem „Power Transmission Center“ (PTC) das größte Investitionsprojekt der inzwischen 56jährigen Firmengeschichte in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von 8 800 m2 sind Forschung & Entwicklung sowie die Montage größerer Kupplungen konzentriert.


Die 130 Meter lange Haupthalle ist dreischiffig aufgebaut, und der Materialfluss wurde sehr sorgfältig gemeinsam mit einem professionellen Consulting-Unternehmen geplant. Dipl.-Ing. Reinhard Wibbeling, Leiter Konstruktion/Forschung & Entwicklung bei KTR: „Das wichtigste Kriterium war für uns die Flexibilität. Wir haben für die ersten fünf Jahre geplant. Angesichts unseres Wachstums ist es aber gut möglich, dass wir das PTC danach anders nutzen. Die Materialflusstechnik muss somit multifunktional und anpassbar sein.“

 

Kein Arbeitsplatz ohne Hebezeug


Das Konzept, das auf dieser Grundlage erarbeitet wurde, sieht folgendermaßen aus: Zwei Hallenschiffe sind in Funktionseinheiten von jeweils 6 x 6 Meter aufgeteilt. Sie werden für die Montage genutzt, können zu einem späteren Zeitpunkt aber auch mit Werkzeugmaschinen bestückt und für die mechanische Fertigung von Kupplungselementen verwendet werden.


In dem mittleren Hallenschiff sind sämtliche Arbeitsplätze - im ersten Ausbauabschnitt 18 Stück – mit Einträger-Hängekranen aus dem KBK-System für den Materialtransport am Arbeitsplatz ausgerüstet worden. Die an den Kranen installierten Demag Kettenzüge DC-Com mit 1 t Tragfähigkeit sorgen für das Heben der Lasten.


Der KBK-Kranbaukasten erlaubt es dem Bediener an jedem Arbeitsplatz, eine Last an beliebiger Stelle im 6 x 6 m-Feld aufzunehmen und abzusetzen. Da die horizontale Bewegung der Lasten mit minimalem Kraftaufwand zu bewerkstelligen ist, kann die Last ganz einfach in die gewünschte Position gebracht und mit den Elektro-Kettenzügen angehoben bzw. abgesenkt werden. So entsteht ein „Workflow“ im wahren Wortsinn: eine echte Arbeitserleichterung beim Handling der Kupplungskomponenten. Die Kranbrücken von jeweils 6 m Länge verfahren an 4 Kranbahnen, die Längen zwischen 18,5 und 54,5 m aufweisen.


Die Anforderung von KTR hieß, die Bodenfläche zur Befestigung der Hängekrananlagen nicht durch zusätzliche Stützen zu beanspruchen. Um diese Vorgabe zu erfüllen, kam für die Krananlagen das Demag Stahlprofi KBK II-H zum Einsatz. Dieses ermöglicht die Aufhängung der Kranbahnen mit Aufhängeabständen von 6 m bei einer Profilbelastung von bis zu 1400 kg. Auch die Eigenschaft von KBK II-H, Schienenverbindungen an jeder beliebigen Stelle der Kranbahn zwischen zwei Aufhängungen realisieren zu können, hat die Ausarbeitung der Anlagen für die Materialflussplaner im PTC erheblich erleichtert.


Das spart nicht nur Kosten und Montageaufwand, es sorgt auch für eine großzügige und übersichtliche Optik im Hallenschiff. Dank der innenliegenden Schleifleitung in den Bahnprofilen konnte zudem der Verdrahtungsaufwand minimiert werden, zusätzliche Störkonturen durch Kabeldurchhänge entlang der Kranbahnen sind damit nicht vorhanden.

 

Für schwerere Lasten:
Schwenkkrane und Brückenkran


Das zweite Hallenschiff ist für die Montage größerer Kupplungen vorgesehen. Hier übernehmen vier Wandschwenkkrane das Handling der Bauteile. Neben zwei manuell schwenkbaren 1-t-Kranen verfügen zwei größere Wandschwenkkrane mit 2 t Tragfähigkeit über einen elektrischen Schwenkantrieb. Allen Wandschwenkkranen ist gemeinsam, dass sie dank ihrer Ausladung von 6 m und ihres Schwenkbereichs von 180 Grad nahezu jeden Punkt eines Arbeitsplatzes erreichen. In diesem Hallenschiff überspannt außerdem ein Zweiträger-Laufkran Typ ZKKE mit 19 m Spurmittenmaß und 10 Tonnen Tragfähigkeit die gesamte Arbeitsfläche. Reinhard Wibbeling: „Die anderen beiden Hallenschiffe können bei Bedarf leicht mit Brückenkranen nachgerüstet werden. Dazu ist bis hin zur Schleifleitung bauseitig bereits alles vorbereitet.“

 

Stützenfrei dank „Abspannung“ der Tragkonstruktion


Für die Montage des weltweit bewährten Demag Kranbaukastens haben die Fabrikplaner gemeinsam mit KTR eine unkonventionelle Lösung erarbeitet. Reinhard Wibbeling: „Aus Gründen der Flexibilität war uns wichtig, dass die Hallenschiffe stützenfrei bleiben. Da die Arbeitsplätze aber nur kopfseitig mit Werkbank, Werkzeugschrank und Medienanschlüssen ausgestattet sind, stand nur an einer von vier Seiten eine Montagemöglichkeit zur Verfügung. Deshalb haben wir uns für eine quasi freitragende Profillösung entschieden.“ An den tragenden Säulen der Halle wurden Profilträger mit einer Auskragung von über 6 m angebracht. An diesen Trägern werden die KBK-Kranbahnen und an der Gegenseite Wandschwenkkrane montiert. Reinhard Wibbeling: „Möglich war die Umsetzung dieser Lösung, weil wir den Materialfluss schon vor dem Hallenbau geplant haben. Die Statik konnte also darauf ausgerichtet werden.“

 

Uneingeschränkte Freiheiten


In der Tat sorgt diese Lösung für uneingeschränkte Freiheiten im Hallenschiff und für ein „luftiges“ Raumgefühl. Zum perfekten Erscheinungsbild trägt auch die Tatsache bei, dass durchweg alle Arbeitsplätze der 60 x 130 Meter großen Halle – auch die noch nicht belegten – mit einem KBK-System plus Kettenzug ausgerüstet wurden.


An dem Großprüfstand, der ebenfalls in der Halle untergebracht ist und das Testen von Antriebskomponenten mit bis zu 100000 Nm erlaubt, wurde ein weiterer Demag Wandschwenkkran mit 1 t Traglast installiert. Dieser Prüfstand lässt sich auch mit Hilfe des Brückenkrans auf neue Testreihen vorbereiten.

 

Prüffeld: Durchgängiges KBK-System


Im separaten Kopfbau der Halle ist das Prüffeld untergebracht. Hier wurde ein durchgängiges KBK-System installiert, wobei ein Kettenzug mit 1 t Hublast für mehrere Prüfstände vorgesehen ist. Reinhard Wibbeling: „Hier brauchen wir die Handhabungssysteme nur, wenn ein neuer Test gefahren werden soll.“ Und es kommen – anders als bei der Montage – die stufenlos drehzahlgeregelten DCS Pro-Kettenzüge zum Einsatz: „Im Prüffeld müssen wir teilweise sehr feinfühlig arbeiten, wenn wir zum Beispiel neue Testaufbauten installieren. In der Montage hingegen sind Kettenzüge mit zwei festen Hubgeschwindigkeiten völlig ausreichend.“

 

Sonderlösung für die Werkstatt


Dass die KTR-Planer die Leitlinie der durchgängig einheitlichen Handling-Systeme wirklich ernst nehmen, zeigt ein Blick in die angrenzende Werkstatt. Sie befindet sich im Erdgeschoss des Verwaltungs-Geschossbaus, entsprechend niedrig ist die Decke. Dennoch ist hier ein Demag KBK-System montiert, das kundenspezifisch an die geringe Deckenhöhe angepasst wurde: Zwar besteht auch hier die Anlage aus Standardbauteilen. Allerdings sind die Krane als Zweiträgerkrane ausgeführt, wodurch es möglich ist, den Elektrokettenzug zwischen den Kranträgern einzubauen. Außerdem kommen kurze Aufhängungen für die Kranbahn zum Einsatz. Beides zusammen führt zu einer deutlich minimierten Höhe der Krananlage und damit im Ergebnis zu einem maximal nutzbaren Hakenweg, trotz niedriger Raumhöhe.


Ernst macht KTR auch mit der Flexibilität: Wer genau hinschaut, der sieht, dass an jeder Betonsäule Bohrungen für weitere Schwenkkrane vorgesehen sind.

 

Den richtigen Partner gefunden


Bei der Auswahl des Lieferanten für die Kransysteme haben die Planer und KTR auch große Sorgfalt walten lassen, sind aber letztlich schnell zum Ziel gekommen. Reinhard Wibbeling: „Wir haben mit mehreren Anbietern gesprochen. Terex Material Handling konnte mit seiner Demag Produktpalette unsere Vorstellungen von Flexibilität bei gleichzeitig hoher Tragfähigkeit erfüllen. Im gesamten Baukomplex wurden dazu 540 m KBK-Profilschienen für Bahnen und Krane verbaut, mit denen wir ein zukunftssicheres Materialflusskonzept umgesetzt haben. Auch mit der Beratung im Vorfeld sind wir ebenfalls vollauf zufrieden.“ Zufrieden sind auch die Mitarbeiter, die an den neu eingerichteten Montageplätzen tätig sind. Sie nutzen den neuesten Stand der Handhabungs- und Hebetechnik bei ihrer Arbeit.

www.ktr.com  
www.demagcranes.de

15_5_TT_demag_SEI.jpg 

Beitrag aus dima 5/2015:

15_5_TS_188.jpg

 
Gerne können Sie dima 5/2015 mit diesem und weiteren interessanten Beiträgen bestellen:

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de      

Kontaktformular

 

AGT Verlag Thum GmbH
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

 

spacer
Online Werbung @ dima
spacer