Bild: Autor
Die Erodierer von Müncheberg

Strategie eines Lohnfertigers, über den systematischen Ausbau seines Maschinenparkes neue Kundensegmente zu erschließen und welche Rolle dabei GF Machinig Solutions spielt.

GERD FAHRY

 

Die Geburtsstunde der Erocontur GmbH in Müncheberg schlug am 11. Juni 1990. Noch gab es keine D-Mark in der ehemaligen DDR und um die Vereinigung von Deutschland wurde auch noch gerungen.


Die heutigen alleinigen geschäftsführenden Gesellschafter Hans-Jürgen Pilz und Jens Fessel haben sich davon nicht schrecken lassen, sich mit weiteren drei Gesellschaftern zusammengetan und mit der Firma Contura aus Iserlohn ein Joint Venture gegründet. „Angefangen haben wir in einer selbst gebauten Halle mit 180 m² Produktionsfläche mit drei Drahterodiermaschinen als reiner Lohnerodierer“, erinnert sich Hans-Jürgen Pilz. Und mit dem Drahterodieren sei man stetig gewachsen, trotz der unsicheren Zeiten in der Wendeperiode. Immer, wenn die dreischichtige Auslastung der Maschinen an Kapazitätsgrenzen stieß, wurden neue Maschinen gekauft, dazu weitere Mitarbeiter eingestellt. Auch der Firmenstandort hat sich verändert, ist jetzt unter der Adresse „Am Gewerbering 10“ in Müncheberg zu finden.


Die Bilanz der Brandenburger kann sich jedenfalls sehen lassen: Nach nunmehr 26 Jahren zählt das Unternehmen 42 Beschäftigte und kann auf 11 Drahterodiermaschinen, vier Senkerodiermaschinen, vier Fräsmaschinen, davon drei HSC-Typen, zwei Schleifmaschinen und diverse Messmaschinen für ein umfassendes Angebot in Sachen Lohnbearbeitung und Dienstleistungen zurückgreifen. 

 

Breit gefächerter Kundenkreis


„Als wir den Plan fassten, die Firma zu errichten, sind wir in unserem Gebiet auf großes Interesse gestoßen“, rekapituliert Hans-Jürgen Pilz und ergänzt: „Allerdings, nach der Installation der ersten Maschine im Dezember, gab es diese Firmen teilweise gar nicht mehr. Also haben wir unseren Fokus für die Kundenakquise auf Berlin gelegt.“  Erfolge bleiben dabei nicht aus. Heute gehören neben den deutschen Automobilherstellern Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt genauso zum breitgefächerten Kundenkreis, wie Firmen aus der Medizintechnik oder der Verpackungsindustrie. „Unsere Kunden sind ja normalerweise Werkzeugbaufirmen, die ihre Werkzeuge nicht selber erodieren können oder sich in einer kritischen Terminlage befinden. Hier in der Region fällt dann meist unser Name. Vielleicht auch, weil wir einen ausgefeilten Hol-und Bringservice besitzen“, meint der Geschäftsführer und stellt nicht ohne Stolz heraus, dass man der größte Lohn-Erodierer nördlich der Elbe sei. Nachgefragt werde das Erodier-Know-how der Brandenburger vom Erzgebirge bis an die Ostsee, aber auch in den alten Bundesländern, in Luxemburg, Frankreich und gegenwärtig verstärkt in Österreich stehe man hoch im Kurs.

 

Drahterodieren von Anfang an


1992 stand bereits die vierte Drahterodiermaschine von Fanuc in ihrer „Garage“, wie sie ihre erste, selbstgebaute Fertigungshalle nennen. Das Geschäft lief gut, bis zur ersten größeren Konjunkturdelle mit dem Lopez-Effekt. Neue Investitionsüberlegungen standen danach im Raum, denn die Kundenanforderungen veränderten sich. Sie wollten noch feinere Oberflächen, so Hans-Jürgen Pilz. Deshalb entschieden sich die Müncheberger gleich für zwei neue Maschinen, eine davon von Charmilles, die Jens Fessel insbesondere von der Maschinenbauseite überzeugte. Das war 1995 und der Beginn einer intensiven Zusammenarbeit mit Unternehmen der heutigen GF Machining Solutions-Gruppe. Agie kam dann 1998 mit seiner „Evolution“ zum Zug. „Das war die Maschine, die uns vor allem wegen dem 3D-Setup und den vielen Softwaremöglichkeiten überzeugt hat“, so Fessel. Und drei Jahre später folgte eine „Excellenz“ dieses Herstellers als nunmehr 11. Drahterodiermaschine.

 

Vom Senkerodieren zum Fräsen


Es war sicher nur eine Frage der Zeit oder des Wettbewerbes, dass sich das Unternehmen mit der Technologie des Senkerodierens auseinandersetzte. „In einer auftragsmäßig kritischen Periode“, so Geschäftsführer Pilz, „standen Überlegungen im Raum, ob wir mit Senkerodieren unser Portfolio erweitern sollten und mit diesem Verfahren auch Geld verdienen können.“ Da es den Brandenburgern aber nicht nur um die Technologie, sondern auch um Effektivität ging, packten sie das Fräsen der Elektroden gleich mit an. So fand neben der Senkerodier- auch eine 3-Achs-RXP 600 von Röders für das Fräsen der Graphitelektroden Eingang in den Maschinenpark. Mit dem Fräsen konnte zudem das Dienstleistungsangebot in Richtung komplettes Fertigen von Werkzeugkomponenten erweitert werden, was wenige Jahre später zur Investition in eine 5-Achs-Variante dieses Maschinenherstellers führte. Mittlerweile ergänzen zwei Mikron-Bearbeitungszentren von GF Machining Solutions, eine HPM1150U und, ganz neu, eine HSM 400, diesen Part.


Immer mehr Bearbeitungstechnologien haben sich die Brandenburger über die Jahre in ihr Haus geholt. So gehört nun auch das Rund- und Flachschleifen mit zum Know-how dieses Unternehmens. Auch in modernste Messtechnik wurde viel investiert, um die eigene Arbeit qualitätsseitig dem Kunden gegenüber sauber dokumentieren und entsprechende Dienstleistungen auf diesem Gebiet anbieten zu können.


Nicht umsonst stellt Hans-Jürgen Pilz heraus: „Diese Strategie hat sich durch unsere gesamte Firmengeschichte durchgezogen. Immer wenn ein Verfahren hinzugekommen ist, haben wir uns dieses sukzessive, learning by doing, beigebracht. Wir haben so manchen Euro Lehrgeld bezahlt, aber das, was wir wissen, ist alles unser geistiges Eigentum.“ Dazu kam der Umstand, dass sein Geschäftsführerkollege Jens Fessel Bedienungsanleitungen wie andere Leute Kriminalromane lese. Das habe bei der Entwicklung über die Jahre sehr geholfen. Immerhin müssen die Maschinen produzieren, von Montag bis Freitag rund um die Uhr, am Wochenende etwas eingebremst nur einschichtig, vielleicht auch bald durchgängig mannlos. Die Vorbereitungen dazu werden gegenwärtig getroffen, denn die Müncheberger wollen ihre neue Mikron HSM 400 über eine entsprechende Automatisierung von GF Machining Solutions mit einer Senkerodiermaschine verbinden.

 

Überzeugende Technik


Heute sind Maschinen und Systeme der GF Machining Solutions mit den Marken „Agie Charmilles“ und „Mikron“ aus dem Bild in der Fertigungshalle „Am Gewerbering 10“ nicht mehr wegzudenken. Das hat Gründe, so der für technische Angelegenheiten zuständige Geschäftsführer Jens Fessel: „Beim Drahterodieren überzeugte uns zum Beispiel das 3D-Setup. Es gab uns die Möglichkeiten, auch eine Platte, die nicht unbedingt eben liegt, über drei Punkte zu vermessen, die Schieflage zu ermitteln und dem entsprechend dann den Draht schräg zu stellen. Das spart Ausrichtarbeiten. Dann war es die Softwareversion ‚Visionsteuerung‘ mit ihren Möglichkeiten in der Prozessunterbrechung und am Ende auch die Energieverbrauchszahlen. Es ist ein Unterschied, ob 15 kW in der Stunde verbraucht werden oder nur 9,2 kW.“


Ein ähnliches Bild zeichnet er für das Senkerodieren und das Fräsen. Jeder Maschinentyp und jede Maschinengeneration habe seine Besonderheiten. „Wir wählen für das Bearbeiten der Teile die Maschine nach ihren speziellen Eigenheiten aus“, so sein Statement. Nicht zuletzt meint er: „Mit Volker Schmidt steht uns ein guter Berater zur Seite, mit dem man auch über den Prozess als solches reden kann.“ Und auch der Verkaufsingenieur von GF kann sich bei Hans-Jürgen Pilz und Jens Fessel immer wieder Input holen, denn die beiden Geschäftsführer sind kritisch, sowohl in Sachen Hardware als auch bezüglich Steuerung, Bedienkultur und Softwarekomponenten.

16_3_AA_gfms_KAST.jpg

www.erocontur.de
www.gfms.com

16_3_AA_gfms_SEI.jpg

Beitrag aus dima 3/2016:

16_3_dima_TS_188.jpg

 
Gerne können Sie dima 3/2016 mit diesem und weiteren interessanten Beiträgen bestellen:

agt_logo_200_60.png

agt verlag thum gmbh
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de      

Kontaktformular

 

spacer
Online Werbung @ dima
spacer