Von Prozenten und Milliarden

Editorial dima 6.2015

In den letzten Wochen liefen in vielen Unternehmen, Industrieverbänden und Vereinigungen die Fetischisten der Statistik zur Hochform auf. Die Arbeiten am Jahresabschluss 2015 standen oder stehen noch auf der Tagesordnung und damit verbunden auch wichtige strategische Aussagen zu den Erwartungen für die kommende Geschäftsentwicklung. Zahlen sind nun mal unbestechlich.

Sie lügen nicht und sind faktisch wertneutrale Tatsachen. Erst in ihrer Bewertung, im Aufdecken ihrer gegenseitigen Beziehungen erwecken sie zum Leben und bestimmen unsere Handlungen. Nehmen wir zum Beispiel das Resümee des Fachverbandes Präzisionswerkzeuge im VDMA von Anfang Januar. Im Statement seines Vorsitzenden Lothar Horn zum letzten Jahr fanden sich eine Produktionssteigerung von 3 Prozent auf nunmehr 9,6 Milliarden Euro wieder. Von dieser Rekordproduktion profitierten die Teilbranchen des Fachverbandes jedoch unterschiedlich. Bei den Zerspanwerkzeugen stieg der Umsatz um etwa 1 Prozent, während die Spannzeuge und der Werkzeugbau jeweils um rund 5 Prozent zulegten. Und auch im Ausblick auf 2016 macht sich eine Differenzierung deutlich. Während die Aussichten im Werkzeugbau für dieses Jahr gut seien, so Horn, gehen die Hersteller von Zerspanwerkzeugen und Spannzeugen nur von einer geringen Produktionssteigerung für 2016 aus.


Nun, diese Zurückhaltung ist sicher berechtigt, denn das Russlandgeschäft für die Präzisionswerkzeughersteller prällierte 2015 mit einer stark rückläufigen Tendenz, was nicht nur auf die Sanktionspolitik der Bundesregierung zurückzuführen ist. Und auch die chinesische Wirtschaft hält sich mit Wachstumserwartungen für dieses Jahr stark zurück. Nach der starken Überhitzung in den letzten Jahren kann man durchaus von einem Kälteeinbruch sprechen.


Ein ähnliches Bild lieferte der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) in seiner Einschätzung zum Auftragseingang im vierten Quartal 2015. Im Vergleich zum Schlussquartal 2014 verzeichnet der Branchenverband einen Zuwachs von drei Prozent. In der Gesamtbetrachtung des Jahres 2015 steht jedoch nur ein Plus von einem Prozent in den Büchern. Und dieses Wachstum wird maßgeblich vom starken Auftragsplus aus dem Euroraum getragen.


Dass sich die unterschiedlichsten Märkte und Regionen nicht immer im puren Gleichklang entwickeln, hat auch einen positiven Effekt – Konjunkturwellen werden geglättet. Allerdings sollte man stets auf der Lauer liegen und die richtigen Marktsignale hören. Der Iran sendet jedenfalls nach dem Wegfall der weltweiten Sanktionen vielversprechende aus, die bei Insider-Kreisen aus der Investitionsgüterindustrie leuchtende Augen hervorzaubern.


Zahlbares hat der 1648195 Quadratkilometer große Iran (Quelle: Wikipedia) zu bieten – über 75 Millionen Einwohner. Dr. Rüdiger Kapitza von DMG Mori hat mit Blick auf die einst im Iran installierte Kapazität an Fräsmaschinen der einstigen Deckel AG bereits seine Marschrichtung für den international aufgestellten Werkzeugmaschinenhersteller ausgegeben: Iran ist (bleibt) Deckel-Land!

 



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