Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie steht vor neuen Herausforderungen

Dr. Heinz-Jürgen Prokop,
Vorsitzender des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), Frankfurt am Main

Gastkommentar dima 3.2016

 

 

Das 70-jährige Jubiläum der dima fällt in eine Zeit des grundlegenden gesellschaftlichen und technischen Wandels. Viele Gewissheiten stehen in Frage:

Wie geht es weiter mit Europa? Wird China zu zweistelligen Wachstumsraten im Werkzeugmaschinenverbrauch zurückkehren? Welche Märkte schließen die Lücke der chinesischen Nachfrage bis dahin? Was bringen Digitalisierung und Vernetzung in der Produktion für Kunden und Hersteller?


Oberstes Ziel unserer Branche ist es, auch künftig führend im Weltmarkt zu bleiben. Eine der großen Herausforderungen für die kommenden Jahre ist sicherlich die Frage nach den Wachstumsmärkten. In den vergangenen Jahren hat China großes Gewicht bekommen, das derzeit hinter den Erwartungen liegt. Die Hoffnung auf die Reindustrialisierung der USA mit hohen Investitionen in die Produktionstechnik blieb bisher in der Breite unerfüllt. Auch Russland, über viele Jahre drittstärkster Markt, wird diese Rolle in absehbarer Zeit nicht wieder einnehmen. Der Rubel schwächelt, die Wirtschaft kämpft mit großen Schwierigkeiten, die westlichen Sanktionen wurden verlängert. Deshalb rückt Europa wieder verstärkt in den Blickwinkel.


Asean ist ebenfalls eine vielversprechende Region mit großem Potenzial für die Werkzeugmaschinenbranche. Hier gilt es, die Kunden mit besseren Angeboten zu überzeugen und dem dort führenden Wettbewerber Japan konsequent Marktanteile abzuringen.


Im technischen Bereich stehen Themen wie Energieeffizienz, additive Fertigung und vor allem Industrie 4.0 im Fokus. Industrie 4.0 stellt insbesondere für die mittelständischen Firmen eine Herausforderung, aber vor allem auch eine große Chance dar. Einerseits können mit IT-Unterstützung mehr Informationen aus einer Maschine herausgeholt, analysiert und durch Vernetzung Abläufe durchgängig gesteuert werden. So lässt sich die Produktivität erheblich steigern. Dazu ist jedoch ein Perspektivwechsel erforderlich. Die Maschine darf nicht mehr allein im Fokus stehen, vielmehr müssen wir daran arbeiten, sie optimal in die Intralogistik eines Unternehmens einzubetten. Dies führt zu neuen Fragestellungen: Wie kommen die Werkstücke zum Beispiel optimal in die Maschine? Wie geben die Maschinen den Werkstücken eine Identität, und wie reichern sie die weiter an? Wie werden Werkstücke Aufträgen zugeordnet, verfolgt und jederzeit auffindbar? Über diese Fragen nachzudenken lohnt sich, wenn die Antworten zu Angeboten und Dienstleistungen führen, die neuen Kundennutzen schaffen. Und wer könnte das besser realisieren als die Werkzeugmaschinenhersteller, die mitten im Produktionsprozess zu Hause sind? Die großen Herausforderungen bei der Realisierung der neuen Lösungen sind die Schnittstellenharmonisierung, vor allem aber die Gewährleistung der Datensicherheit.


Die neuen Perspektiven schaffen in der Werkzeugmaschinenindustrie frische Kreativität und bedeuten eine große Chance im Wettbewerb.

 

Dr. Heinz-Jürgen Prokop


Gastkommentar dima 3.2016 

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