Plattenbandsäge LPS (Foto: Behringer)
Effizientes Sägen von Schwerzerspanbarem

Standardmaschinen stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn schwer zerspanbare Teile, etwa für die luftfahrttechnische Industrie, bearbeitet werden müssen.

So erfordert die Konfektionierung von Spezialstahl leistungsfähigere, teilweise extra angepasste Maschinen und setzt ein großes Fachwissen seitens der Bediener voraus.

KERSTIN BESEMER, KIRCHARDT 

 

Seit vielen Jahren schon arbeitet der Sägemaschinenhersteller Behringer GmbH mit Kunden zusammen, die auf dem Gebiet der Schwerzerspanung tätig sind oder von wissenschaftlicher Seite das Zerspanungsverhalten von Sonderlegierungen erforschen. Materialien mit wenig Eisen, viel Nickel und Chrom werden in vielen Branchen aufgrund ihrer hohen Widerstandsfähigkeit und Verschleißfestigkeit geschätzt. Im Säge- und Logistikzentrum eines Flugzeugbaukonzerns in Donauwörth laufen gleich mehr als zwei Dutzend Band- und Kreissägemaschinen des Sägemaschinenherstellers aus dem baden-württembergischen Kirchardt. Sie eignen sich für Einzel- und Serienschnitte und fassen Rund-, Flach- und Vierkantmaterial sowie Profile. Wegen ihrer umfangreichen Automatisierungsmöglichkeiten mit Flachmagazin, Querförderer, Sortiereinrichtung, Kipptisch und vielem mehr bietet sie eine Menge Potenzial für zahlreiche Aufgaben. „Immer wieder werden wir mit Material konfrontiert, an dessen Zerspanung wir uns selbst erst herantasten müssen“, bestätigen die Verantwortlichen in der dortigen Sägerei.

 

Sonderwerkstoffe im Alltag


Die Mitarbeiter einer süddeutschen Materialprüfungsanstalt halten häufig als erste Instanz Proben aus Werkstoffen in den Händen, die in Produkten verbaut werden, die in irgendeiner Form Teil des Alltag sind: Teile für Kohlekraftwerke, die immer höheren Belastungen standhalten müssen oder Motorblöcke von Fahrzeugen, die auch nach Jahrzehnten noch keine Ermüdungserscheinungen zeigen dürfen. Abschnitte, die später in der Luftfahrt Verwendung finden, sind ebenfalls dabei. Pumpen- und Werkzeugbauer nutzen Teile aus Spezialstahl, ebenso wie die Medizintechnik und die Chemiebranche. „Immer öfter haben wir es mit Metallzusammensetzungen zu tun, die sich für die Prüfungszwecke nicht problemlos bohren, drehen oder eben auch sägen lassen“, heißt es vom zuständigen Werkstattmeister Bernhard Lis. Sie sind hochfest, säure-, hitze- und korrosionsbeständig. Aus ihnen werden chirurgische Instrumente wie Knochenfräsen hergestellt, bei denen die Härte des Materials entscheidend ist. Kommen die Teile mit ätzenden Flüssigkeiten in Berührung, sind die Anforderungen an das Material anders, als wenn sie hohem Druck, Hitze oder Kälte standhalten müssen, wie im Flugzeugbau. Schnitt- und Stanzwerkzeuge für den Maschinenbau wiederum sollten härter sein, als die zu bearbeitenden Bleche. Interessant ist auch der Materialmix, der in der Kraftmesstechnik Verwendung findet, etwa an großen Baukränen. Eine Wiegefunktion am Ausleger verhindert das Kippen des Krans bei zu großer Last. „Eine solche Kraftmessdose besteht aus 1.4542er Stahl“, weiß man etwa beim Spezialisten für Sonderstähle, der Früchtl + Kronos GmbH in Esslingen.

 

Spezialstahl für Spezialisten


Instrumentenstähle (1.4021), Implantatstähle, Stähle aus Titan- und Titanlegierungen, Kolbenstangen oder Werkzeug- und Schnellstähle (CrNi 1.4305) aber auch Stähle für bestimmte Atmosphären konfektioniert die neue HBE411A-Dynamic aus der neuen Baureihe der Behringer GmbH. Ausgerüstet mit einem stärkeren Antrieb schafft die Maschine auch Spezialstahl, der sich unter der Säge völlig anders verhält als konventionelle Materialien. „In der Regel sind diese hochfesten Stähle sehr zäh und verformen sich beim Zerspanen. Entscheidend ist das Zusammenspiel der Parameter Schnittgeschwindigkeit, Sägevorschub und Kühlung“, erklärt Behringer-Vertriebsleiter Achim Müller. Der Maschinenbediener muss das Potenzial seiner Sägemaschine genau kennen, denn „natürlich achtet der Endkunde auch auf ein sauberes Schnittbild. Bei Grundfestigkeiten zwischen 1 200 und 1 400 Newton pro Quadratmillimeter ist eine leistungsstarke Sägemaschine deshalb das A und O“, ergänzt er. Maßgenauigkeiten von zwei bis drei Zehntel-Millimeter auf einen Meter Material sind mit Behringer-Sägen möglich. Optimal geschultes Personal trägt so maßgeblich zur Steigerung der Effizienz in Unternehmen bei, die mit Sonderwerkstoffen arbeiten. „Für unsere Kunden bieten wir Schulungen an, bei denen immer noch der eine oder andere Trick im Umgang mit den Maschinen vermittelt werden kann. Da ist uns der enge Kontakt mit den Anwendern an der Maschine sehr wichtig“, betont Achim Müller. Das Thema „minimale Reststücke aufsägen“ an den teuren Blöcken aus Sonderstahl sei zum Beispiel so ein Fall. „Da ist bei der Programmierung doch so einiges möglich, um Material zu sparen.“

 

Angepasste Maschinenfeatures


Um mit der Zähigkeit etwa von hochfestem Blockmaterial besser fertig zu werden, empfiehlt der Kirchardter Sägemaschinenhersteller in der Regel, ein stärkeres Getriebe einzubauen. Die höhere Leistung und das bessere Drehmoment im unteren Drehzahlbereich bewähren sich in der Praxis. Die vertikale Plattenbandsäge LPS60T hat ein stabileres Getriebe mit entsprechend günstigerem Übersetzungsverhältnis und einen Antrieb mit höherem Drehmoment im unteren Bereich der Schnittgeschwindigkeit. „Superlegierungen mit hohem Nickel- und Kobaltanteil verhalten sich sehr zäh unter der Säge, so dass wir hier einfach mehr Leistung beim Zerspanen brauchen“, ergänzt er. Mit der Tisch-LPS können Bauteile von bis zu sechs Tonnen gesägt werden. „Solche Gewichte konnten wir bei Vergleichsmodellen noch nicht mal zur Hälfte aufladen“, erzählt Bernhard Lis. Und weiter: „Was uns bei Behringer beeindruckt hat, war die enorme Fertigungstiefe bei der Herstellung der Sägemaschinen. Wenn man vom eigenen Gusseisen bis zur fertigen Maschine den Überblick hat, kann man auch auf Sonderwünsche des Kunden so flexibel reagieren, wie wir es für unsere Zwecke hier brauchen.“


Zukünftig erwarten Branchenkenner, dass es zwar nicht ständig komplett neue Werkstoffkombinationen geben wird. „Veränderungen innerhalb einer Werkstoffgruppe aber sind schon jetzt an der Tagesordnung“, so Achim Müller. Dem müsse man mit einem angepassten Zerspanungsprozess Rechnung tragen, um gleichbleibende Qualität liefern zu können, ergänzt er.

www.behringer.net

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Beitrag aus dima 1/2015:

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