Jens Thing, Geschäftsführer von Haas Automation Europe  
Der Kunde wünscht sich Zuverlässigkeit

Mit Leistung und Service überzeugt Haas immer mehr Kunden. Allein im vergangenen Jahr hat der amerikanische Werkzeugmaschinenhersteller weltweit 14 000 Maschinen verkauft.

Die dima sprach auf der Intec in Leipzig mit Jens Thing, Geschäftsführer von Haas Automation Europe, über die Europa Strategie des Unternehmens und die weiteren Zielstellungen.

GERD FAHRY  

 


Herr Thing, die jüngsten Haas Meldungen aus den USA offerieren, Ihrem Unternehmen geht es wirklich prächtig. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe, dass gerade im letzten halben Jahr so eine rasante Entwicklung zustande kam?


Grundsätzlich denke ich, diese Unternehmensentwicklung ist dem kontinuierlichen Ausbau von Dingen geschuldet, die bei Haas schon über viele Jahre gemacht werden. Das heißt, man baut auf solide Maschinen, arbeitet an der Qualität und kümmert sich darum, den Kunden zufrieden zu stellen, indem man einen bezahlbaren Service einschließlich der Ersatzteilversorgung zur Verfügung stellt. Um dies zu verdeutlichen, vielleicht folgendes Beispiel: Ich habe erst vor kurzem ein kleines, noch sehr junges Unternehmen besucht. Diese Firma hat insgesamt drei Haas-Maschinen. Einer der beiden Eigentümern sagte, er sei neun Jahre lang Betriebsleiter in einem Unternehmen gewesen, das auf chinesischen, japanischen, deutschen und auch Haas Maschinen produziert habe. Dem Kunden sei es egal, so seine Feststellung, auf welcher sein Teil produziert wurde, es musste nur o.k. sein. Für Ihn habe sich jedoch der niedrigere Maschinenstundensatz einer Haas und die geringen Unterhalts- und Ersatzteilkosten ausgezahlt. Dies sei der Grund für die Entscheidung pro Haas in seinem eigenen Unternehmen gewesen. Und er steht damit nicht allein. Im letzten Jahr hat sich weltweit mehr als 14 000 mal ein Kunde entschieden – ich kaufe eine Haas. Für uns ist das eine gute Bestätigung, dass das Produkt und das Umfeld stimmen.

 

Sie sind nun gut ein Jahr für Haas Europa verantwortlich. Wie hat sich der europäische Markt aus Ihrer Sicht entwickelt?


Sehr, sehr erfreulich. Wir hatten die Zielstellung formuliert, in 2014 20 Prozent zu wachsen. Und dank des Vertrauens von bestehenden und neuen Kunden sind wir mehr als 20 Prozent gewachsen. Das macht uns optimistisch, auch in diesem Jahr ein derartiges Wachstum stemmen zu können. In USA haben wir einen Marktanteil von zwischen 35 und 50 Prozent. In Europa sind wir noch weit entfernt davon – aber das sind natürlich riesige Möglichkeiten und wir sehen Europa definitiv als einen der großen Wachstumsmärkte für uns.

 

Welche Maschinengattungen werden in Europa besonders nachgefragt?


In Europa sind es vor allem Drehmaschinen und vertikale Bearbeitungszentren, die geordert werden. Mit diesen generieren wir den stärksten Umsatz. Unser Portfolio ist aber viel breiter. Es umfasst auch horizontale Maschinen, eine Gantry-Lösung für das Bearbeiten von großen, flachen Teilen oder die sogenannten Office-Maschinen. Letztere lassen sich mit 220 Volt betreiben, bieten bis zu 50 000 Umdrehungen und sind für die Feinmechanik und andere Bereiche sehr interessant.

 

Sie waren schon für andere Werkzeugmaschinenhersteller tätig. Was macht aus Ihrer Sicht das Spezifische einer Haas-Maschine aus?


Das sind mehrere Momente. Zu den Besonderheiten zählt sicherlich der durchorganisierte, industrielle Fertigungsablauf mit seinen großen Stückzahlen. Wir haben mittlerweile 170 000 Maschinen im Markt installiert. Ein Kunde, der eine unserer Maschinen kauft, kauft also ein erprobtes Produkt mit hoher Zuverlässigkeit. Bei dem Preis, welchen wir für die Maschine verlangen, können wir es uns nicht leisten, große Serviceprobleme zu haben. Servicekosten würden sehr schnell unsere Marge aufbrauchen. Nicht zu vergessen, in Haas-Maschine steckt sehr gute Technologie. Wir greifen in vielen Fällen auf deutsches und europäisches Kow-how zurück, auf INA Kugelgewindetriebe-Führungen zum Beispiel oder bei der Spindellagerung. Unter diesem Gesichtspunkt möchte ich behaupten, eine Haas-Maschine ist zum Teil deutscher als eine Werkzeugmaschine eines deutschen Hersteller.

 

Welche Bedeutung hat für Haas der deutsche Markt? Wie sehen Sie sich hier aufgehoben und wo sehen Sie noch Nachholbedarf in Richtung der Anwender beziehungsweise Branchen?


Wir fühlen uns in Deutschland als Haas sehr gut aufgehoben. Der Vorteil ist, dass die Kunden hier wirklich kritisch sind und Wert auf die Tugenden von Haas legen. Ein Kunde in Deutschland ist nicht bereit, lange auf ein Teil zu warten, ein Kunde in Deutschland wünscht sich einen schnellen, bezahlbaren Service und der Kunde wünscht sich vor allem Zuverlässigkeit. Die Maschinen müssen laufen und eben nicht durch einen Servicefall blockiert sein. Wenn uns die Kunden in Deutschland bestätigen, dass wir einen guten Job machen, dann haben wir es leichter in anderen Märkten.

 

Können Sie noch etwas zu den Anwenderbranchen sagen? Auf welche werden Sie sich in den nächsten Jahren verstärkt fokussieren?


Rund 80 Prozent unserer Werkzeugmaschinen gehen in Poduktionsbetriebe, die sich mit Teilefertigung beschäftigen, und etwa 20 Prozent in den Werkzeug- und Formenbau. Letzterer Bereich mit seinen spezifischen Anforderungen bietet für unser Maschinenangebot noch viel Potenzial, gerade in Deutschland. In der Luft-und Raumfahrt sind wir schon sehr stark, auch in der Medizintechnik, im Apparatebau, im allgemeinen Maschinenbau und überhaupt in Job-Shops. Das heißt, sehr, sehr häufig werden Haas-Maschinen für viele verschiedene Aufgaben eingesetzt. Und auch in der Breite ist es so, dass wir alle Arten von Materialien bearbeiten können, von Kunststoff über gehärtete Stähle bis zu Guss oder Aluminium.

 

Ihr Vertrieb ist – gehen wir jetzt mal von Deutschland aus – über Factory Outlets strukturiert. Wie ist der derzeitige Stand und wo sehen Sie noch Nachholbedarf?


Grundsätzlich haben wir eine gute Flächendeckung in Deutschland erreicht. Was wir natürlich machen, wir analysieren kontinuierlich mit unseren Partnern die jeweiligen Gebiete und schauen, was und wo können wir entsprechend verbessern. Dazu gehören auch die Themen Ausbildung des Personals, Aufgreifen von spezifischen Kundensegmenten und so weiter. Der Vorteil unseres Vertriebssystems ist, dass wir weltweit 170 Factory-Outlets haben. Diese arbeiten im Hintergrund mit der gleichen Logistik, mit der gleichen zur Verfügung gestellten Struktur für Ersatzteilversorgung. Die Sprache spielt für den direkten Zugang zum Markt eine große Rolle. Sehen Sie, in Deutschland wird nun mal deutsch und in Italien italienisch gesprochen. Mit den Factory-Outlets haben wir Möglichkeiten, wirklich auf die lokalen Bedürfnisse einzugehen und das ist ein sehr starkes Argument für viele Kunden.

 

Lokale Bedürfnisse – Sie sind einer der großen Aussteller auf der Intec – wo sehen Sie da die Knackpunkte dieses regionalen Marktes, sprich Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt?


Wir stellen hier relativ groß aus. Das tun wir, weil wir ein großes Vertrauen in diesen Markt haben. In dieser Gegend ist der Ursprung des deutschen Werkzeugmaschinenbaus. Auch der Feinmechanikbereich ist hier stark. Wir sind daher überzeugt, dass wir als Haas Automation über Jahre hier einen Platz haben. Wir möchten mit unserer Präsenz auf dieser Messe ein klares Signal senden, wir sind hier, investieren in diesem Raum, um die Kunden zufrieden zu stellen.

 

Stichwort EMO in Mailand: Was wird man von Haas technisch erwarten können?


Wir werden in Mailand verschiedene technische Neuerungen und Erweiterungen zeigen, neue Produkte ausstellen, zum Beispiel Maschinen mit Spindeldrehzahl von 20 000 Umdrehungen. Konkret werden wir neue Drehmaschinen zeigen und auch im Vertikalmaschinenbereich einige Neuerungen präsentieren. Details möchte ich jedoch noch nicht sagen. Auf alle Fälle wird es neue Produkte zu sehen geben.

 

Sie haben 92 unterschiedlichen Maschinentypen im Portfolio. Um ein kostengünstiges Produkt zu erzeugen, steht dahinter sicherlich eine Plattformstrategie?


Definitiv. Wenn sich im letztes Jahr 14 000 Kunden weltweit für eine Maschine von uns entschieden haben, bedeutet dies, täglich mehr als 60 Maschinen zu produzieren. Dies geht nur, wenn man auf entsprechende Plattformen zurückgreifen kann. Ein Beispiel ist unsere Steuerung. Sie wird auf allen unserer CNC-Maschinen eingesetzt, ob das eine horizontale, eine vertikale oder eine Drehmaschine ist. Gleichzeitig basieren Dreh- und Fräsmaschinen auf einem Baukastensystem, welches uns im Servicebereich stark hilft. Die wichtigsten Ersatzteile haben in einem VAN Platz und können in 90 Prozent aller Servicefälle sofort eingesetzt werden.

 

Wenn sich jetzt ein Kunde für eine Haas- Maschine entscheidet; wie lange muss er darauf warten?


Wenn er sehr schnell ist, dann kann er sie innerhalb von zwei Tagen abholen. Haas bevorratet sehr viele Maschinen in Europa, weil wir den Kunden schnell bedienen wollen. Gehen Sie aber davon aus, dass bei den meisten Kunden von der Kaufentscheidung bis zur Lieferung zwischen ein und zwei Wochen vergehen. Aber die Maschinen sind sofort abrufbereit.

www.HaasCNC.com

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Beitrag aus dima 2/2015:

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