Bettina Schall, P.E. Schall GmbH
Kontinuität und Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor

Nachgefragt bei Bettina Schall, Geschäftsführerin der P.E. Schall GmbH & Co. KG aus Frickenhausen, zu den Herausforderungen, vor denen ein Fachmesseveranstalter heute steht.

GERD FAHRY, HERMSDORF

 


Frau Schall, Sie führen das Messeunternehmen Schall nach dem Tod Ihres Mannes weiter. Vor welchen Herausforderungen steht heute Ihrer Meinung nach ein ‚Messemacher‘?


Ein privater Messeveranstalter wird, genauso wie alle anderen auch, mit der Tatsache konfrontiert, dass der Messemarkt von den Themen her sehr gut bestückt ist.  Neue Themen zu platzieren, gestaltet sich schwierig. Das heißt, man kann zwar gewisse thematische Weiterentwicklungen immer wieder mit einbinden oder Themen integrieren, die innerhalb einer Prozesskette einen anderen Stellenwert einnehmen. Aber wirklich neue Themen, das wird es aus meiner Sicht immer weniger geben. Insofern, denke ich, wird sich die Anzahl der Messen nicht mehr sehr weit nach oben katapultieren. Das macht natürlich den Wettbewerb immer intensiver. Was sich nach wie vor im Markt positionieren wird, sind von ihrem Profil her klar ausgerichtete Fachmessen.

 

Zum Messeportfolio Ihres Unternehmens gehören Weltleitmessen wie die Motek und die Control. Aber auch andere Veranstaltungen wie die Blechexpo und die Fakuma spielen im Messeranking vorn mit. Aus Ihrer Sicht, was muss ein Messeveranstalter den Ausstellern und den Besuchern bieten, um einen solchen Status überhaupt erhalten zu können?


Für mich steht an oberster Stelle die Qualität. Das ist das Allerwichtigste, weil nur dann das Messethema nachhaltig stabilisiert und auch in bestimmten Bereichen weiter ausgebaut werden kann. Dann muss man natürlich permanent auch das Dienstleistungsangebot soweit ausdehnen, dass es für den Aussteller und für den Besucher eine komfortable Lösung bietet. In Zukunft, denke ich, müssen wir noch stärker auf digitalisierte Angebote setzen, bequemere Tools anbieten und uns in diese Richtung weiterentwickeln. Kurz gesagt, für mich ist Dienstleistung das oberste Gebot. Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

 

Und wie definieren Sie Ihren Erfolg im Fachmessegeschäft?


Ich denke, Schall wäre nie so weit gekommen, wenn wir nicht auf ein striktes, organisches Wachstum gesetzt hätten. Und dies lässt sich wiederum nur aus der Entwicklung heraus beurteilen. Wir haben ja schon viel, viel mehr Themen aufgegriffen, die heute auch wieder vom Markt verschwunden sind. Das wird es aber immer wieder geben. Im Endeffekt konnten wir uns nur deshalb so entwickeln, weil wir organisch gewachsen sind. Das heißt, nicht von null auf hundert innerhalb von kurzer Zeit, sondern im Zusammenspiel mit der Aussteller- und Besucherseite kontinuierlich und nachhaltig.  Ich denke, hier liegt der Erfolg für die Marktpositionen, die unsere Veranstaltungen innehaben. Noch kurz ein Gedanke dazu:  Die Motek begann beispielsweise ganz klein in Sindelfingen mit 39 Aussteller, eine sehr beschauliche Zahl. Aber die Kontinuität ihrer Entwicklung in den 30 Jahren kann sich sehen lassen, über die Zeit in Sinsheim und jetzt in Stuttgart.

 

Welche Rolle spielt der Veranstaltungsort als solches, um eine Messe zu platzieren?


Ich denke schon, dass der Standort für eine erfolgreiche Platzierung einer Fachmesse eine Rolle spielt – gar keine Frage. Stuttgart hat den großen Vorteil, um dies als Beispiel zu nennen, dass er mitten im Markt liegt. Es gibt gewisse Schlüsseltechnologien, die in Baden-Württemberg ihre Heimat haben. Diese sind hier supertoll aufgehoben, wie zum Beispiel die AMB, heute Deutschlands größte Veranstaltung für die Metallbearbeitung, oder unsere Blechexpo für die Umformtechnik. Mein Mann hatte ja das Messe-Thema „Metallbearbeitung“ schon Ende der 70er Jahre hier in Stuttgart auf dem Killesberg mit der früheren Fameta erfolgreich platzieren können und gleich mal das ganze Messegelände gefüllt. Daran wird ersichtlich, welche Rolle die Marktnähe spielt.

 

Greifen wir diesen Stichpunkt auf.  Ihr Mann verfocht immer den Grundsatz: „Wir machen Messen für Märkte“. Sehen Sie als Messeunternehmen aktuell neue „Märkte“ für ein Messe-Thema?


Die Philosophie unseres Hauses ist momentan, dass wir die Messe-Themen, die wir jetzt haben, nachhaltig stabilisieren und entsprechend qualitativ ausbauen. Sollte sich daraus ein neues Thema ergeben, das sich an einer Prozesskette mit abbilden lässt, dann werden wir natürlich versuchen, so ein Thema auch mit zu integrieren. Aber was ganz speziell Neues werden wir im Moment nicht tun. Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenzen für ein nachhaltigeres Geschäft.

 

Wie geht nun ein Messemacher mit dem Thema Digitalisierung um? Was muss er seinen Kunden, Besuchern wie Ausstellern heute anbieten?


Diesen Herausforderungen müssen wir uns natürlich auch stellen, denn wir sind ja Dienstleister in einer Welt, in der sich die Ansprüche an Kommunikationsmöglichkeiten und Inhalte verändern. Wir haben beispielsweise seit einem Jahr eine mobile Website für den Besucher, damit er sich die für ihn wichtigen Dinge vorher auf sein Handy herunterladen und seinen Messebesuch organisieren kann. Andere haben da eine App, wir die mobile Website mit den immer aktuellen Ausstellerinformationen. Auch gegenüber dem Aussteller ist man in der Pflicht, immer komfortablere Dinge anzubieten. Diese müssen nutzerfreundlicher, schneller und mehr miteinander vernetzt sein. Aber bei aller Digitalisierungs-Euphorie, solange es noch erklärungsbedürftige Produkte gibt, wird das Gespräch bleiben. Und das ist gut so.

 

Wie würden Sie ganz kurz und knapp eine Fachmesse aus dem Hause Schall charakterisieren?


Sie repräsentieren den kompletten Markt des Messethemas, sind durch eine hohe Kontinuität gekennzeichnet, besitzen ein klar ausgerichtetes Profil sowohl für Aussteller als auch für Besucher, bieten eine familiäre Atmosphäre und sind kompakte Veranstaltungen mit einer guten Organisation.

www.schall-messen.de

 

Beitrag aus dima 3/2016:

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