Fred W. Gaegauf, Vorsitzender der Geschäftsführung der Studer AG
„Wir haben keine Angst vor dem Hartdrehen.“

Nachgefragt bei Fred W. Gaegauf, Vorsitzender der Geschäftsführung der Studer AG, zu den Perspektiven der Schleiftechnologie und wie sich die Schweizer Schleifspezialisten hier positionieren.


Die Fritz Studer AG hat eine lange Tradition im Werkzeugmaschinenbau. Mit welchen Entwicklungen wurden am Markt Impulse gesetzt?


Wir gelten seit rund 100 Jahren als der Trendsetter in der Schleifbearbeitung. Wesentliche Entwicklungen in Bezug auf Bearbeitungsgenauigkeit oder Qualitätsverbesserung des Schleifprozesses wurden in Steffisburg initialisiert. Definitiv der für die Branche bedeutendste Effizienzschritt war die Möglichkeit der „Bearbeitung in einer Aufspannung“. Dies bedeutet den Einsatz von mehreren Schleifscheiben in einer Operation. Uns geht es zuallererst bei all dem was wir tun immer um den Grundsatz, dass wir unsere Kunden erfolgreicher machen wollen.

 

Wie positioniert sich die Fritz Studer AG heute im Segment der Schleifbearbeitung? In welchen Märkten und Anwendungen ist das Unternehmen heute unterwegs?


Studer bearbeitet sowohl geografisch wie applikationstechnisch ein weltweites Feld. Wir sind der weltgrößte Rundschleifer und beliefern hauptsächlich die Automobil-, Luftfahrt-, Maschinen- und Werkzeugbauindustrie. Dies sind mengenmäßig die wohl wichtigsten Segmente.

 

Was sind die charakteristischen Merkmale von Studer-Schleifmaschinen? Welche technischen Besonderheiten bieten sie?


Das Erfolgskonzept von Studer liegt in der für die Applikation entsprechenden Genauigkeit und Zuverlässigkeit. Die technischen Details werden intensiv gepflegt und fortlaufend optimiert. Das Image des Trendsetters verpflichtet uns nach wie vor. Wir suchen nach effizienten Lösungen, funktionell sowie technologisch. Als beispielhaften Punkt darf ich daran erinnern, dass wir seit Jahren alle CNC-Maschinen standardmäßig mit „StuderTechnology“ ausrüsten. Dahinter verbirgt sich ein integriertes Software-Expertensystem zur Erstellung und Optimierung des Schleif-und Abrichtprozesses.

 

Welche Maschinentypen werden derzeit besonders nachgefragt?


Unser Maschinenportfolio ist sehr ausgewogen. Mengengewichtet sind wir momentan mit universal/hochflexiblen Maschinentypen sehr gut unterwegs. Unsere komplett neue Innenrundschleifmaschinenplattform, welche wir in den letzten Jahren entwickelt haben, verkauft sich wirklich gut. Hier gewinnen wir gerade tüchtig Marktanteile.

 

Über welche Fertigungs- und Montagekapazitäten verfügt die Fritz Studer AG heute? Welche Lieferzeiten können damit abgesichert werden?


Unsere weltweit einzigartige kontinuierliche Fließmontage ermöglicht den Bau von bis zu 1000 Maschinen pro Jahr. Mit unseren „PuLs“-Effizienz-Projekten, und damit nicht nur in der Fließmontage, konnten wesentlich verkürzte Durchlaufzeiten erreicht werden. Je nach Maschinentyp und Applikation sind wir in der Lage, standardmäßig in 3 Monaten zu liefern. Bei den einfacheren Universalrundschleifmaschinen vom Typ „favoritCNC“ liegen wir teilweise sogar bei sechs Wochen.

 

Wie werden allgemein die Trends und die Marktaussichten für das Schleifen aus dem Blickwinkel der Fritz Studer AG eingeschätzt?


Als „großer Angstmacher“ für uns Schleifer wird der Hartdrehprozess ins Feld geführt. Da wir auf bestimmten Maschinen, wie zum Beispiel der S242, auch selber drehen, sind wir in der Lage, diese Substitutionsgefahr sehr gut einzuschätzen. Es gibt Operationen, da macht Drehen oder Vordrehen Sinn, andere können auf Grund der Werkstückspezifikationen nur geschliffen werden. Spannend ist aber immer wieder zu sehen, wie der Vorteil der Kombinationstechnologie Drehen/Schleifen in der Praxis optimal eingesetzt werden kann.

 

Worauf liegen derzeit die Entwicklungsschwerpunkte bei der Fritz Studer AG? Mit welchen Neuheiten ist in diesem Jahr noch zu rechnen?


Wir haben, wie bereits erwähnt, gerade unsere gesamte Innenrundschleifplattform auf brandneue Beine gestellt, das war ein sehr großes Projekt – Ablösung von einem halben Dutzend überaus erfolgreichen Innenrundschleifmaschinen mit Erweiterung des Anwendungsspektrums. Die Linie hat sich am Markt super eingeführt. Mengenmässig sind wir nun auch im Innenrundschleifen die Nummer Eins am Markt.

 

Welche Chancen werden durch Industrie 4.0 im Werkzeugmaschinenbau, speziell unter dem Gesichtspunkt der Technologie Schleifen, gesehen?


Unsere Technologiegruppe United Grinding befasst sich schon einige Jahre mit dem Gedanken von „smart Machine“ und „smart Factory“. Wir arbeiten an Detailthemen, die dann schlussendlich im Gesamtkontext von Industrie 4.0 dem Kunden Nutzen bringen werden. Um die angedachten Elemente aber auch gewinnbringend einzusetzen, benötigt die Industrie aber auch eine Öffnung der Anwender. Es muss möglich werden, auf Maschinen- und Bearbeitungsdaten der Anlagen online zugreifen zu können. Dies bedingt eine Öffnung der Kunden, solche Zugriffe auch zuzulassen. Aus Datenschutz- oder proprietären Gründen ist diese Diskussionen aber noch zu führen. Im Übrigen ist „Schleifen“ im Thema Industrie 4.0 kein Exot. Im Gegenteil, die Vernetzung der Technologieprozesse innerhalb des Wertstromes ist anzugehen. In produktiven Systemen macht es aber auch endgültig keinen Sinn mehr, wenn jeder Technologieprozess für sich isoliert optimiert wird!

 

Welche Anforderungen werden kundenseitig an die Bedienführung heute gestellt, und welche Lösungen bietet die Fritz Studer AG?


Mit dem Einzug der iPhone Generation in die Fertigungsbereiche werden andere Bedienoberflächen notwendig werden. Die Maschinenbedienung muss intuitiver gestaltbar sein als der heutige Standard. Technologische Prozessunterstützung ist eines der Hauptthemen. Unser Expertentool „StuderTechnology“ hilft dem Anwender beispielhaft und praxisgerecht Bearbeitungs- und Abrichtprogramme zu erstellen. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen.

 

Intelligente Werkzeugmaschinen sind abhängig von vielerlei Komponenten. Worin besteht aus der Sicht von Studer derzeit noch Nachholbedarf? Welche Anforderungen werden hierbei an die Zulieferer gestellt?


Die bedeutenden Steuerungsbauer sind herausgefordert, mit neuen Architekturen aufzuwarten, welche uns Maschinenbauer ermöglichen, unsere Entwicklungen weiter voranzutreiben. Und als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: Speicherplatz darf auf einer Maschinensteuerung eigentlich auch „nichts“ mehr kosten.

www.studer.com

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Beitrag aus dima 3/2016:

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