Bilder: Murrplastik
Alles hinterfragen und einfach Dinge anders machen

In der Murrplastik-Unternehmensgruppe verbinden sich seit über 50 Jahren schwäbische Grundtugenden wie Tüfteln und Erfinden, das Gespür für erfolgversprechende Märkte und ertragreiche Nischenplätze.

Darüber sprachen wir mit Cornelia Hölzl, Tochter des Unternehmensgründers und Geschäftsführerin der Murrplastik Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH, und Hans-Peter Wittek, Geschäftsführer Murrplastik Systemtechnik.

Murrplastik ist seit Mitte der 60er Jahre am Markt. Wo liegen die Wurzeln, und wie lässt sich die Erfolgsgeschichte in wenigen Sätzen darstellen?


Hans-Peter Wittek: 16_3_IV_murrplastik2_150.jpgUnser Unternehmensgründer ist für mich der klassische schwäbische Tüftler. Und dieser zeichnet sich ja nicht dadurch aus, dass er nur Ideen hat, sondern dass er diese auch vermarktet. Denn Innovationen sind nur dann erfolgreich, wenn sie der Markt annimmt. Das lässt sich an vielen Meilensteinen in der Geschichte der Murrplastik nachzeichnen. Begonnen hat sie 1963 - mehr oder weniger zufällig. Horst Hölzl leitete damals den Numerik-Bereich bei Hüller-Hille in Ludwigsburg. Als dieser Werkzeugmaschinenbauer von Thyssen übernommen wurde, wollte er nicht mit ins Ruhrgebiet gehen und machte sich mit mehreren Partnern selbstständig. Aber nicht wie der normale Unternehmer, der sich auf eine Firma konzentriert; er hat drei Unternehmen gegründet: die Murrelektronik, die Teamtechnik und die Murrplastik.


Cornelia Hölzl: 16_3_IV_murrplastik1_150.jpgDas war tatsächlich so, er war der Impulsgeber für alle drei Unternehmen und hatte in der Zeit in jedem Unternehmen seinen Schreibtisch. Aber der Erfolg wäre auch da wieder nicht möglich gewesen, wenn er nicht die Fähigkeit gehabt hätte, sich mit den richtigen Leuten zusammenzutun. Die Kooperationsfähigkeit und Partner zu finden, die zum einen seine genialen Ideen vermarkten, wie der Herr Hafner in der Murrelektronik, oder die seine genialen Ideen in strukturierte Abläufe, in saubere Pläne und in Maschinen umsetzen, wie der Herr Rosskopf in der Teamtechnik.

 

Was waren die ersten entscheidenden Produkte bei der Murrplastik?


Cornelia Hölzl: Die Kernkompetenz der damaligen Murrplastik war das Umspritzen von Metall, aus einem Werkzeug heraus und mit einer Automation. Da wurden Millionen von Steckern und Adaptern produziert, an einen bedeutenden Automobilzulieferer aus der Region geliefert und letztlich das Geld verdient, um andere Geschäftsfelder aufzubauen. Bei den eigenen Produktentwicklungen möchte ich die Schlauchhalter und dann das weite Feld der industriellen Kennzeichnung nennen, mit denen wir früh in den Markt gegangen sind. Die von uns entwickelten Produkte sind immer darauf ausgerichtet, für den Schaltschrankmonteur, den Installateur oder den Elektriker das Arbeiten leichter und effektiver zu machen. Und hier liegt aus meiner Sicht die Basis für unseren Erfolg.

 

Und welche Produkte bestimmen heute die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens?


Hans-Peter Wittek: Die Murrplastik Systemtechnik bezeichnet sich selbst als der Experte von Lösungen für das Kennzeichnen, das Führen (auch Durchführen), das Schützen und das Bewegen von Kabeln. Rund um das Kabel liegt unsere Kernkompetenz. Das machen wir mit vier Produktlinien: der Produktlinie Kennzeichnungssysteme, der Produktlinie Kabeldurchführungssysteme, der Produktlinie Schlauch- und Verschraubungssysteme und der Produktlinie Energieführungskettensysteme. Den größten Anteil am Unternehmensergebnis hat die Kennzeichnung. Bei Schlauch- und Verschraubungssystemen sehen wir bei der Robotik einen stark wachsenden Bereich. In den USA sind wir zum Beispiel mit unseren kompletten Schlauchpaketen vielfach Erstausrüster. Hier in Deutschland konzentrieren wir uns auf unsere Komponenten. Hier geht es um Mehrwert für den Kunden, denn mit unserem intelligenten Zubehör können wir die Standzeit von Robotern verlängern.

 

Was ist da bei Ihnen intelligentes Zubehör?


Hans-Peter Wittek: Das Rückholsystem zum Beispiel, Protektoren, Halter, aber auch Know-how von der Anordnung und von der Auslegung von diesen Systemen.

 

Wie Sie wissen, ist der Maschinenbau ziemlich stark im Wandel. Wie reagieren Sie als Unternehmen darauf?


Hans-Peter Wittek: Wir stellen uns dem Prozess. Wir haben schon vor sechs, sieben Jahren die Grundsatzentscheidung, getroffen, Wertschöpfung wieder ins Haus zu holen. Sie ist wichtig, weil einerseits unser Know-how darin steckt. Andererseits können wir unter dem Gesichtspunkt der Individualisierung der Produkte bis hin zur Losgröße 1 flexibler auf Kundenwünsche reagieren.


Cornelia Hölzl: Mit unserer großen Variantenvielfalt haben wir uns schon immer von den Wettbewerbern abgehoben., eben nicht nur auf die „Renner“, sondern auch auf Nischenprodukte gesetzt. Wohlwissend, dass es nur ein marginales Ergänzungsprodukt ist. Unsere gesamte Prozesskette bis hin zur Logistik ist auf diese Variantenvielfalt abgestimmt. Das kommt uns jetzt zugute, und was Murrplastik ebenfalls auszeichnet: Technologietrends erkennen, sich das Know-how beschaffen, hier die entsprechenden Pfeiler einschlagen und langfristige Partnerschaften pflegen. Mit einem neuen Laserbeschriftungsgerät, die Markteinführung ist im vollen Gange, ergänzen wir zurzeit unser Technologieportfolio, denn wir meinen, der Markt für das Beschriften wird immer größer und vielfältiger, und wir sind nun mal die Spezialisten darin.

 

Frau Hölzl, Sie haben ein eigenes Unternehmen in der Murrplastik-Gruppe gegründet, das sich speziell mit Innovationen beschäftigt. Was waren die Beweggründe?


Cornelia Hölzl: Die Gründung der Murrplastik Innovationstechnik hatte folgenden Hintergrund: Wir haben gesehen, die langfristige Existenzsicherung hängt davon ab, dass wir weiter innovative, clevere Produkte entwickeln und uns auch mit Zukunftsthemen beschäftigen müssen. Ingenieurtechnische Kapazitäten waren häufig durch das Tagesgeschäft gebunden, so dass kaum Zeit blieb, um sich auch mal intensiver mit Anregungen aus dem Markt auseinanderzusetzen. Unsere Familie hat deshalb entschieden, eine spezielle Plattform dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen, um neuen Denkansätzen zu folgen und Produkte der Zukunft zu entwickeln. Die Innovationstechnik ist kein Tochterunternehmen, sondern in privater Hand der Gesellschafter. Themen sind hier zum Beispiel Ansatzpunkte mit Industrie 4.0, mit Elektromobilität, mit Smart-Polymers oder mit Leichtbauweise.

 

Sind damit auch Anwendungen oder Produkte für neue Marktsegmente vorgesehen?


Hans-Peter Wittek: Unsere Strategie ist, in drei Märkten tätig zu sein: Maschinenbau und Automationstechnik, Automotive sowie Medizintechnik. Medizintechnik deshalb, weil wir hier einen langfristigen Zukunftstrend sehen. Der Eintritt in die Medizintechnik gestaltet sich allerdings langwierig und ist mit hohen Anlaufkosten verbunden. Ich bin aber überzeugt, unser Unternehmen hat den notwendigen, langen Atem. Und erste Erfolge haben wir bereits.

 

Haben Sie für dieses Anwendungsfeld schon konkrete Produkte?


Cornelia Hölzl: Ja, zum Beispiel einen Y-Adapter. Das ist ein Adapter für ein Beatmungsgerät für Frühchen. Mit diesem kleinen Produkt lassen sich die Beatmungsschäden reduzieren. Die Markteinführung findet gerade mit einem Partner aus dem Bereich von Brutkästen statt.

 

Frau Hölzl, Sie verbinden mit Ihrer Philosophie Unternehmerisches mit sozialem Engagement. Was hat Sie dazu bewogen, auch in den Bereich Inklusion zu investieren?


Cornelia Hölzl: Wir arbeiten schon seit vielen Jahren mit der Paulinenpflege zusammen und lassen dort Veredelungen von unseren Produkten vornehmen und kleinere Montagearbeiten. Vor vier Jahren habe ich die Werkstatt besucht und mir davon ein Bild gemacht. Ich kam zum Schluss, es wäre für alle Beteiligten schöner und auch besser, wenn wir es schaffen, einige bei uns im Haus zu integrieren. So haben wir dann in Kooperation mit den Backnanger Werkstätten dieses Inklusionsprojekt geschmiedet. Das war herausfordernd, aber ich kann auf jeden Fall jedes Unternehmen ermuntern, es zu tun, Vorausgesetzt, man hat die nötige Arbeit dafür. In unserem Fall ist eine echte Win-Win-Situation herausgekommen. Eine Win-Situation für diese Mitarbeiter – bei uns sind es psychisch kranke Mitarbeiter. Sie haben die Chance, in ein Unternehmen zu kommen, aber auch dort trotz alledem noch in einem geschützten Bereich zu sein. Dann ist es ein Benefiz für die Werkstatt, weil sie Plätze frei bekommt, um wieder andere Leute beschäftigen zu können. Aber es ist auch ein Benefiz für das Unternehmen – also für Murrplastik. Behinderte Menschen sind in der Regel sehr angenehme Personen. Sie sind sehr lebensfreudig und ein Teil unserer Kultur geworden. Als Unternehmerin muss ich sagen, es rechnet sich. Wenn man es richtig organisiert, wenn es in enger Kooperation mit der Werkstatt läuft.


Vielleicht noch eine kleine Anmerkung: Wir sind ein Familienunternehmen, das den Generationswechsel vorbildlich hinbekommen hat. Wir sind heute ein Inhaberunternehmen, in Managementführung aber mit den Werten eines Familienunternehmens. Diese Kombination, so wird uns immer wieder bescheinigt, macht uns zu einem angenehmen Arbeitgeber. Uns wiederum hilft es, die notwendigen Fachkräfte an uns zu binden. Der Wettbewerb um die Fachkräfte in unserer Region ist groß. Aber wir können trotz alledem sagen, dass wir unsere Positionen aufgrund unseres Images bis dato mit tollen Leuten besetzen konnten.

 

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?


Hans-Peter Wittek: Wir wollen unsere Position weiter ausbauen als innovativer, sehr kundenorientierter Mittelständler, der mit schwäbisch-mittelständischen Werten weltweit agieren kann.

www.mp.de  

 

Beitrag aus dima 3/2016:

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