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18 Werkzeuge + Spannmittel Schwerzerspanung leicht gemacht Große Windkraftanlagen errichten ist eine Sache, die erforderlichen XXL-Bauteile zu zerspanen eine andere. Die Robert Nyblad GmbH aus Papenburg hat bei Rotorwellen inzwischen den Dreh raus. Mit Pramet fand der Maschinenbauer einen Werkzeugspezialisten für die Schwerzerspanung, der extrem robuste Wendeschneidplatten für das Drehen von Guss im Programm hat. Die mechanische Fertigung bei dem Papier- und Sondermaschinenbauer Nyblad übernimmt Lohn- und Auftragsfertigung unter anderem für die Windkraftindustrie. Auf einer Fläche von 4.200 Quadratmeter stehen acht CNC Fräs- und fünf Dreh-Bearbeitungszentren. Helmer Schoolmann, Leiter mechanische Fertigung bei Nyblad, präzisiert: „Wir können Großteile mit einem Stückgewicht bis zu 120 Tonnen sowie einen Umlaufdurchmesser bis 6 900 Millimeter auf unseren Dreh- und Verschiebetischen in nur einer Aufspannung bearbeiten – dagegen ist die 20-Tonnen-Rotorwelle noch ein Leichtgewicht.“ Dementsprechend robust sind die Maschinen ausgelegt. Das Rohteil wird auf einer 4-Bettbahnmaschine von Crawford Typ Swift aufgespannt und abgedreht. Die Spitzendrehmaschine verfügt über vier Lünetten und weist einen Verfahrweg (längs) von sechs Meter auf. Sie ist speziell für große Werkstücke mit bis zu 2,5 Meter Durchmesser ausgelegt und kann Werkstücke bis zu 40 Tonnen aufnehmen. Neben Bauteilen für Windkraftanlagen werden auf solchen Maschinen beispielsweise Walzenkörper, Schiffsschrauben oder Laufrollen gefertigt. „Unsere Maschinen genügen höchsten Ansprüchen für die Schwerzerspanung“, weiß Helmer Schoolmann. Wichtig sei es jedoch, die Temperatur an den Schneidplat- dima  6.2017 ten in den Griff zu bekommen, die optimale Plattengeometrie mit Spanbrecher und einem zähen Schneidstoff zu finden. Wenn die Halle bebt „Nicht ganz geräuschlos, aber deutlich reduziert“, zeigt sich Helmer Schoolmann sichtlich zufrieden. Doch das war nicht von Anfang an der Fall. Nachdem die mechanische Fertigung bei dem Zulieferer von Windkraftanlagen bereits einige Schneidplatten ausprobiert hatte, kristallisierte sich die enorme Geräuschentwicklung beim Abdrehen der Rotorhohlwellen aus Grauguss (GJS 400) als kaum erträglich heraus, zumal der Hohlraum der Welle zusätzlich als Resonanzkörper wirkte. In der gesamten Halle stieg der Lärmpegel derart an, dass auch die Maschinenbediener der angrenzenden Bearbeitungszentren davon betroffen waren – die Halle bebte förmlich. Ein Knackpunkt der getesteten Werkzeuge war zudem die Kurzlebigkeit der Wendeschneidplatten. „Bei unseren bisherigen Versuchen hatten wir stets unterbrechen müssen, es war kein kompletter Durchlauf ohne Plattenwechsel möglich – die hohen Rüstzeiten schlugen sich auf die Bearbeitungszeit nieder, wir mussten eine praktikable Lösung finden“, erklärt Helmer Schoolmann. Aufgrund einer wirtschaftlichen Bearbeitung der 20-Tonnen-Welle sollte die Kontur möglichst in einer Schicht fertig vorgedreht werden, eine Reduzierung der Schnittparameter war deshalb keine Option. Letztere waren bereits als Richtwert vorgegeben, denn gerade die Windkraftindustrie ist heute ein hart umkämpfter Markt. Wurden mit den bisherigen Testwerkzeugen akzeptable Standzeiten und Schnittwerte erreicht, war die Geräuschentwicklung zu hoch, und umgekehrt waren bei Reduzierung des Lärmpegels die Bearbeitungszeiten zu lang. Auf der Suche nach einer wirtschaftlichen und prozesssicheren Lösung ging der Fertigungsleiter auf seinen langjährigen Lieferanten Wocken Industriepartner zu. „Keine leichte Aufgabe für einen Schneidstoff“, war sich auch Heinz von der Aa vom Wocken-Kundendienst bewusst. Neuer Werkzeuglieferant für schwere Brocken Der Kundendienstberater bewies jedoch aufgrund seiner langjährigen Industrieerfahrung eine glückliche Hand und wählte mit der „CNMM 250924E-OR“ gleich auf Anhieb eine besonders robuste Platte. „Obwohl bei uns in Deutschland der Werkzeughersteller Pramet noch relativ unbekannt ist, hatte ich schon von der Robustheit der Schneidstoffe und Platten in der Schwerzerspanung gehört“, so Heinz von der Aa. „Nyblad war zwar anfangs skeptisch der unbekannten Werkzeugmarke gegenüber,


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