Fachartikel: KI in der Produktion

In der maschinellen Fertigung des deutschen Mittelstands liegt die mittlere Anlagenverfügbarkeit (OEE) bei unter 40 Prozent. Warum ist dieser Wert so gering und welches sind die 'richtigen' Hebel zur Steigerung? Wie kann Technologie helfen, mit künstlicher Intelligenz (KI) diese Hebel zu identifizieren? Lösungen liefert oee.ai aus Aachen.
Bild: IFP Software GmbH

In den meisten Unternehmen geschieht die Rückmeldung zu den produzierten Stückzahlen nach Abschluss des Fertigungsauftrags. Während der Produktion erfolgte Ausfälle und Störungen werden in Papierlisten aufgeschrieben und wöchentlich zusammengefasst. Die Daten stehen oft in aggregierter Form und mit nur geringem Detailgrad zur Verfügung. Die eigentlichen Ursachen der Anlagenverluste bleiben so unerkannt – oder wie soll ein Mitarbeiter zwei Wochen nach dem Auftreten noch ermitteln, warum die Anlage 16 Prozent langsamer gelaufen ist? Wenn jedoch die Ursachen für mögliche Verluste nicht bekannt sind, lassen sich auch keine strukturierten Optimierungen vornehmen.

Echtzeitdaten auswerten

Die Produktion bewegt sich in Richtung laufende Erfassung und Auswertung der zugehörigen Daten. Das Konzept besteht darin, mit Algorithmen Echtzeitdaten der Produktion auszuwerten, um Ursachen für Störungen zu erkennen. Die Kunst liegt dabei darin, das Domänenwissen – die Erfahrung der Mitarbeiter vor Ort – in den Prozess zu integrieren. Anlagen können meist nur das Resultat ‚kein Werkstück‘ erkennen; dass das Werkstück jedoch aufgrund eines fehlenden Logistikmitarbeiters oder einer zu langen Qualitätskontrolle gefehlt hat, kann die Anlage nicht wissen.

Minimalinvasive KI-Anwendungen

Minimalinvasive Technologien sind Plug&Play und in unter 20 Minuten installiert. Software-as-a-Service (SaaS) ist investitionsarm und kostengünstig. In Rechenzentren in Deutschland werden die Daten berechnet und in Echtzeit über den Browser beim Anwender angezeigt. Aufwändige Programminstallationen und Rechneranforderungen gehören hierbei der Vergangenheit an. Auf dieser Basis lassen sich Produktionsinformationen in Echtzeit anzeigen, die Verantortliche dann direkt zur Bewertung der Situation verwenden: die Ausbringung, Produktionsgeschwindigkeiten, aktuelle Störungen und vieles mehr.

Mit KI-Algorithmen lassen sich ganz neue Handlungsvorschläge erstellen: Beispielsweise ist vorhersagbar, mit welcher Wahrscheinlichkeit in den nächsten 30 Minuten eine Anlagenstörung erwartet wird („besser, wir senden gleich schon mal den Instandhalter hin“). Letztlich dienen die Auswertungen dazu, den Mitarbeitern relevante Informationen zu geben. So werden die Mitarbeiter unterstützt, aufgewertet und in ihrer Rolle gestärkt – und nicht entmündigt.

Zu den Leistungen von oee.ai gehört alles von der Anlagenverbindung, Datenübertragung, Auswertung und KI-Bewertung bis zum Bereitstellen der Informationen für die Mitarbeiter. Das Startup aus Aachen wurde 2016 gegründet und die Lösungen kommen bereits weltweit in deutlich mehr als 100 Installationen zur Anwendung.

www.oee.ai

Autor: Dr. Markus Focke ist Co-Founder von oee.ai (IFP Software) und Professor für Produktionsmanagement an der FH Aachen (E-Mail: info@oee.ai).

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: Wittenstein SE
Bild: Wittenstein SE
Digitale Services im IIoT

Digitale Services im IIoT

Ausfallrisiken antizipieren, Wartungsbedarf erkennen, Verfügbarkeit vorhersagen, Ausschuss vermeiden, bevor er entsteht: Intelligente Getriebe beispielsweise von Wittenstein sind in Verbindung mit smarten Services in der Lage, dies und vieles mehr zu leisten. Im Industrial Internet of Things (IIoT)-Ökosystem bieten sich Umsetzungskonzepte etwa über ein Edge-Device oder die SPS an.

Bild: Schunk GmbH & Co. KG
Bild: Schunk GmbH & Co. KG
Roboterbearbeitung: Expertenrunde im Oktober 2022

Roboterbearbeitung: Expertenrunde im Oktober 2022

Die Schunk Expert Days leben wieder auf. Vom 26. bis 27. Oktober 2022 lädt der Automatisierungsspezialist erneut zu einer internationalen Expertenplattform nach Brackenheim-Hausen ein.. Im Fokus steht künftig die automatisierte Oberflächenbearbeitung. Mit Robotik und modernen Werkzeugen lassen sich viele Bearbeitungsschritte automatisieren und schneller, besser sowie kostengünstiger durchführen als bisher.

Bild: Audi AG
Bild: Audi AG
Großauftrag für 1.300 Roboter

Großauftrag für 1.300 Roboter

Fanuc sichert sich erneut einen Großauftrag des Volkswagen Konzerns. Der Automatisierungsspezialist und Industrieroboterhersteller wird 2022 und 2023 insgesamt rund 1.300 Roboter an vier Werke des Konzerns liefern, um dort die Fertigung zu unterstützen. Der Großteil dieser Roboter soll künftig im slowakischen Bratislava genutzt werden.

Bild: MicroStep Europa GmbH
Bild: MicroStep Europa GmbH
Autonome Digital-Infrastruktur

Autonome Digital-Infrastruktur

Mithilfe der Open-Source-Vernetzungslösung IndustryFusion können Fertigungsbetreiber ihre Produktion und Maschinen- sowie Anlagenbauer ihre Produkte auf ein neues Effizienzlevel heben. Auf der Messe Euroblech 2022 vom 25. bis zum 28. Oktober in Hannover demonstriert die Foundation in Kooperation mit Intel und Suse, wie IndustryFusion die großen Potentiale der Industrie 4.0 für möglichst viele Anwender nutzbar machen kann.

Bild: TeDo Verlag GmbH
Bild: TeDo Verlag GmbH
Fachmesse AMB 2022 mit ausgezeichnetem Ergebnis (inkl. dima-Videos)

Fachmesse AMB 2022 mit ausgezeichnetem Ergebnis (inkl. dima-Videos)

Restart geglückt: Die 20. Ausgabe der AMB – Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung – brachte eine ausgezeichnete Stimmung in die Stuttgarter Messehallen und die Branche. Auch das dima Team war ‚vor Ort‘ und zeigte sich begeistert: Zwei Videos bei Youtube (Stichwort: dima – digitale maschinelle Fertigung) präsentieren einen Ausschnitt aus zahlreichen Highlights.

Bild: TeDo Verlag GmbH
Bild: TeDo Verlag GmbH
dima-Interview: Diversity beim Global Player

dima-Interview: Diversity beim Global Player

Der Hersteller Walter mit Sitz in Tübingen gehört zu den ganz Großen in Sachen Präzisionswerkzeuge. Bei einem weltweit tätigen Anbieter, aber auch bei Klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) spielen neben den technischen und monetären Aspekten insbesondere die personellen Ressourcen sowie deren bestmöglicher Einsatz eine entscheidende Rolle. Im exklusiven dima-Interview stellt sich Anette Skau Fischer, Vice President Global Human Resources, unseren fünf Fragen zum Thema Diversity.

Bild: By Richdsu - Own work
Bild: By Richdsu - Own work
Mit gratis Tools und Apps rasch zur Lösung

Mit gratis Tools und Apps rasch zur Lösung

Die Digitalisierung und der Lean-Management-Ansatz gelten in vielen Betrieben als willkommene ‚Schlankmacher‘. Wie der digitale Fortschritt die Prozesse in der Planung und Konstruktion vereinfacht, zeigen vor allem vom Nutzer aus gedachte Lösungen. Konfigurations- und Berechnungsprogramme sowie zwei Fälle aus der Praxis des Herstellers von Maschinenelementen ACE Stoßdämpfer dienen als Beispiel.

Geschäftsführer Justus Perschmann - Bild: Hch. Perschmann GmbH/Jörg Schebe
Geschäftsführer Justus Perschmann - Bild: Hch. Perschmann GmbH/Jörg Schebe
Allianz Maschinenraum begrüßt prominente Unternehmensgruppe

Allianz Maschinenraum begrüßt prominente Unternehmensgruppe

Die Perschmann Gruppe wird Teil des ‚Maschinenraums‘ (www.maschinenraum.io/impact). Diese Allianz aus rund 60 Mittelständlern sowie Hochschulpartnern und anderen Innovatoren arbeitet gemeinsam an der digitalen Transformation des deutschen Mittelstands. Als strategischer Partner der Hoffmann Group – Europas Marktführer für Qualitätswerkzeuge – ist Perschmann einerseits Werkzeugspezialist und andererseits in Deutschland führend im Segment der Mess- und Prüfmittel-Kalibrierung.