Fachartikel: Automationslösung für Schlosskerne

Relativ unscheinbar am Ende einer Straße befindet sich die Firma Aumat Maschinenbau am Rande von Solingen. Doch das Unternehmen hat es in sich - steht der Name doch seit rund 50 Jahren für hochwertige Räum- und Sondermaschinen. In einem anspruchsvollen Projekt setzen die Spezialisten aus Nordrhein-Westfalen auf Hybrid-Greifer der Zimmer Group.
Die neuentwickelten Schlosskerne der Firma Iseo warten auf ihre Bearbeitung.
Die neuentwickelten Schlosskerne der Firma Iseo warten auf ihre Bearbeitung.Bild: Zimmer GmbH

Die Kunden der Aumat Maschinenbau GmbH kommen aus dem Automobilsektor und der Zylinderschlossindustrie. Dass dort auch viele findige Köpfe arbeiten, belegen die zahlreichen Patente des Unternehmens, die bereits umgesetzt worden sind. Ob Interessenten von dem hochentwickelten Lieferprogramm ausgereifter Maschinen profitieren möchten oder der Kunde eine spezielle flexible Lösung für seine komplexe Aufgabenstellung sucht: Aumat verspricht, den Kunden hochkompetent zu beraten und ihm die passende Technologie zu liefern. So geschah es auch beim Unternehmen Iseo, einem Schlosssystemhersteller aus Gera, der Aumat um eine passende Lösung für die Bearbeitung und Prüfung seiner neuentwickelten Schlosskerne bat.

Nach einigen Monaten Entwicklungszeit war es den Solinger Spezialisten mit einem eigens für den Kunden konzipierten Bearbeitungszentrum gelungen, diesen kompletten Prozess zu automatisieren. Die circa 20qm große Anlage besteht aus insgesamt zehn variablen Stationen, in denen der Schlosskern mit Bohrungen versehen, gerieben, entgratet, mit Stiften befüllt und verpresst wird. Zum Transport der Kerne kommen sowohl ein Förderband als auch ein Sechsachs-Roboter der Firma Kawasaki Robotics zur Anwendung.

An der Prüfstation werden die unterschiedlichen Schlosskerne vom Hybrid-Greifer GPP5000IL der Zimmer Group auf verschiedene Parameter hin überprüft.
An der Prüfstation werden die unterschiedlichen Schlosskerne vom Hybrid-Greifer GPP5000IL der Zimmer Group auf verschiedene Parameter hin überprüft.Bild: Zimmer GmbH

All-in-one-Lösung

Herzstück und Highlight der Anlage ist die Prüf- und Messstation der Schlosskerne mithilfe des Roboters. Zu Projektbeginn standen beim Aumat-Entwicklerteam um Dipl.-Ing. Achim Ihlefeld Gedanken an, den aufwendigen Prüfprozess mittels einer Spannvorrichtung für den prozesssicheren Halt des Schlosskerns und Mikrotastern für die Toleranzauswertung zu lösen. Bei Recherchen stießen die Experten jedoch auf eine völlig neue Idee und Möglichkeit, die den gesamten Prozess entscheidend vereinfachen sollte: Ein spezieller Greifer könnte die zwei Prüfschritte als bequemes All-in-one-System erfüllen. Neben der kompakteren Lösung gäbe es zudem auch weniger Störquellen.

Passend zugegriffen

Auf der Suche nach einem Greifer, der nun genau diese geforderten Eigenschaften besaß, wurden die Verantwortlichen bei der Zimmer Group fündig. Das Technologieunternehmen aus Rheinau entwickelt seit 40 Jahren unter anderem Handhabungslösungen bzw. Greifsysteme für die unterschiedlichsten Branchen. Überzeugen konnte die Zimmer Group die Solinger Entwickler dabei mit ihrem Hybrid-Greifer GPP5000IL. Dieser besitzt einen pneumatischen Antrieb kombiniert mit moderner IO-Link-Technologie. Ventiltechnik, Sensorik, Statusanzeige, Druck- und Temperaturüberwachung sind im Greifer integriert.

>>Die Zimmer Group konnte rasch eine Antwort für eine Lösung geben<<

Zudem verfügt er über eine Teileerkennung im Bereich von +/-0,05mm bei frei teachbarem Toleranzbereich. Dies war für die Entwickler bei Aumat ein entscheidender Faktor, da in der Prüfstation der Schlosskerne diese auf ihre Maßhaltigkeit (Durchmesser, Position und Länge) hin geprüft werden sollten. Aufgrund der Vielzahl der verschiedenen Schlosskerntypen war es zudem hilfreich, dass im GPP5000IL-Greifer 32 Werkstückdatensätze einprogrammierbar sind. In der SPS lässt sich darüber hinaus eine unbegrenzte Anzahl von Rezepturen ablegen, die der Greifer bei Bedarf kontinuierlich abrufen kann. Angenehmer ‚Nebeneffekt‘ für Aumat ist die bis zu 30 Millionen Zyklen garantierte Wartungsfreiheit des Zimmer-Greifers.

Automatisiertes Bearbeitungszentrum für Schlosskerne von Aumat aus Solingen mit Hybrid-Greifer der Zimmer Group
Automatisiertes Bearbeitungszentrum für Schlosskerne von Aumat aus Solingen mit Hybrid-Greifer der Zimmer Group Bild: Zimmer GmbH

An der Prüfstation werden die vom Band in Kisten zugeführten Schlosskerne vom Roboter in den Hybrid-Greifer GPP5000IL eingelegt und auf den richtigen Durchmesser hin überprüft. Danach wird der Kern für die weitere Bearbeitung ausgerichtet und mittels gefederter Metallstifte, die mit Laserlichttastern abgefragt werden, überprüft, ob die Bohrungen vorhanden und an der richtigen Stelle sind. Anschließend wird das Werkstück durch ein Wegmesssystem vermessen und auf das Vorhandensein einer Kupplungsbohrung inspiziert. Mit dieser ausführlichen Prüfung wird der Schlosskern für die weitere Produktion freigegeben oder als NIO (nicht in Ordnung) vermerkt und aussortiert.

Seiten: 1 2Auf einer Seite lesen

Das könnte Sie auch Interessieren

Anzeige

Anzeige

Bild: EVO Informationssysteme GmbH
Bild: EVO Informationssysteme GmbH
Produktion und Logistik gemeinsam digitalisieren

Produktion und Logistik gemeinsam digitalisieren

EVO Informationssysteme kooperiert mit Keyence Deutschland: Nach umfangreichen Tests und dem praktischen Einsatz bei Kunden hat die Kombination der intuitiven EVO-Apps mit den leistungsfähigen Industrie-Scannern von Keyence überzeugt. Der Einsatz der nutzerfreundlichen EVO Apps und die Scanleistung unter widrigen Industriebedingungen gewährleisten die zuverlässige Identifizierung und Prozessdokumentation in Wareneingang, Produktion und Lager.

Bild: Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH – Nico Sauermann
Bild: Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH – Nico Sauermann
Aluminium prozesssicher zerspanen

Aluminium prozesssicher zerspanen

Bohren, Reiben, Stechen und Fräsen: Der Werkzeugspezialist Paul Horn aus Tübingen bietet ein breites Portfolio an optimierten Werkzeugen für die wirtschaftliche Zerspanung des Leichtmetalls Aluminium. Nach Stahlwerkstoffen ist Aluminium das meist verwendete Metall. In der zerspanenden Industrie zählen die Al-Legierungen zu den leicht zu bearbeitenden Werkstoffen. Nichtsdestotrotz ist es möglich, dass bei der Bearbeitung des weichen Metalls schnell ein ‚harter Brocken‘ entsteht: Verklebungen, Aufbauschneiden und Spänestau bis zum Werkzeugbruch kommen vor. Mit den richtigen Werkzeugen, Schneidstoffen, Schnittdaten sowie der passenden Menge und Art des Kühlschmierstoffes lassen sich Al-Legierungen prozesssicher zerspanen.

Bild: Zentralverband Oberflächentechnik e.V.
Bild: Zentralverband Oberflächentechnik e.V.
ZVO-Jahresbericht 2021

ZVO-Jahresbericht 2021

Der Zentralverband Oberflächentechnik e.V. bringt seinen Jahresbericht 2021 heraus. Mit der aktuellen Publikation berichtet der ZVO erneut über seine Arbeit und die Entwicklung im abgelaufenen Kalenderjahr. Der Bericht dokumentiert die vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten des ZVO und der Branche, insbesondere der wirtschafts-, umwelt-, energie- und bildungspolitischen Interessenvertretung sowie die Branchenentwicklung. 

Bild: Sodick Deutschland GmbH
Bild: Sodick Deutschland GmbH
Metav 2022 als Heimspiel für EDM-Spezialist

Metav 2022 als Heimspiel für EDM-Spezialist

EDM-Spezialist Sodick ist vom 21. bis zum 24. Juni auf der Metav 2022 in Düsseldorf mit von der Partie. In Halle 16 am Stand F38 kann mit drei Maschinen ein kleiner Ausschnitt aus dem breiten Sortiment an Erodiermaschinen präsentiert werden: eine Drahterodiermaschine VL400Q, eine Senkerodiermaschine AD35L (im Bild ist eine AD55L zu sehen) und eine K1C für das Hochgeschwindigkeits-Startlochbohren

Bild: Klingelnberg GmbH
Bild: Klingelnberg GmbH
Fachbericht: Modified Crowning

Fachbericht: Modified Crowning

Was soll sich schon bei einem Achsgetriebe ändern, wenn statt eines Verbrennungsmotors ein elektrischer Antrieb mit gleicher Nennleistung eingebaut ist? Auf den ersten Blick sind keine Änderung im Lastenheft des Achsgetriebes zu vermuten – wäre da nicht das Energiemanagement eines elektrischen Antriebsstranges. Klingelnberg kennt sich mit dem Thema bestens aus.

Bild: Laserhub GmbH
Bild: Laserhub GmbH
Beschaffungsplattform für industrielle Metallteile

Beschaffungsplattform für industrielle Metallteile

Die Firma Laserhub, Betreiber der gleichnamigen Online-Plattform für die Beschaffung maßgeschneiderter Blech- und Drehteile, gibt den erfolgreichen Abschluss ihrer Series-B-Finanzierungsrunde bekannt. Als erster internationaler Investor führt Evli Growth Partners aus Finnland die Runde an. Als Co-Investoren schlossen sich mit Fuse Venture Partners aus dem Vereinigten Königreich und FJ Labs aus den USA zwei weitere internationale Fonds an.

Bild: ACE Stoßdämpfer GmbH
Bild: ACE Stoßdämpfer GmbH
Selbsteinstellende Industriestoßdämpfer in Edelstahl

Selbsteinstellende Industriestoßdämpfer in Edelstahl

ACE Stoßdämpfer erweitert die erfolgreiche Magnum-Serie und präsentiert damit eine konstruktionstechnische Besonderheit: Das Unternehmen aus Langenfeld im Rheinland bietet jetzt erstmals selbsteinstellende Industriestoßdämpfer mit Gewinde M64 und einem Hub von 150mm serienmäßig in einer Edelstahlausführung an, deren Hauptkomponenten komplett in Deutschland entwickelt und gefertigt werden.

Bild: Schaeffler Technologies AG & Co. KG
Bild: Schaeffler Technologies AG & Co. KG
Geschäftsfeld wegen Neuausrichtung umbenannt

Geschäftsfeld wegen Neuausrichtung umbenannt

Aus Industrie 4.0 wird Schaeffler Lifetime Solutions: Die Umbenennung erfolgt aufgrund der Neuausrichtung des Leistungsportfolios, das in den vergangenen Jahren sukzessive von reinen Produktlösungen hin zu ganzheitlichen Dienstleistungen erweitert wurde. Der neue Name ‚Schaeffler Lifetime Solutions‘ sowie der Subclaim ‚Keep your machines rolling‘ symbolisiert dabei den Anspruch, Wünsche und Bedürfnisse von Instandhaltungs- und Werksleitern über die gesamte Lebensdauer einer Maschine hinweg zu bedienen.

Anzeige

Anzeige

Anzeige