
Herr Seiler, während zahlreiche Unternehmen in Deutschland stöhnen, ist Sedotec besonders erfolgreich. Sind Sie in einer anderen Welt unterwegs?
Dirk Seiler (lacht) Ja, der Gedanke könnte sich aufdrängen. Aber Spaß beiseite: Unser Markt ist Deutschland, Österreich, die Schweiz und Luxemburg. Und ja: Wir haben 2024 nahezu auf dem Rekordniveau von 2023 abgeschlossen. Dazu haben wir etwa 4,5 Millionen Euro in eine moderne, hochautomatisierte Anlage für die Blechfertigung sowie in Software investiert, haben 30 neue Kunden gewonnen und 20 neue Mitarbeiter eingestellt. Dass wir so signifikant anders unterwegs sind, ist gewollt. Deshalb heißt unser internes Motto auch ‚be different‘, ‚Sei anders‘. Und das füllen wir mit Leben, weil wir frei, offen und innovativ denken.
Und die Geschichte geht 2025 weiter, denn im März haben wir in Ladenburg ein Innovation-Center eröffnet. Hochmoderne Empfangs-, Schulungs- und Arbeitsräume betonen unseren New-Work Stil. Das ist auch ein Bekenntnis zum Standort und eine Wertschätzung gegenüber unseren tollen Mitarbeitern. Denn bei uns gilt auch: Erst kommt der Mensch, dann die Aufgabe. So gewinnen wir die besten Köpfe und wurden 2025 zum sechsten Mal in Folge als ‚Top Arbeitgeber Mittelstand‘ ausgezeichnet. Wir haben uns konsequent der Kundenzentrierung verschrieben. Nicht nur Marketing und Vertrieb, auch Fertigung und Produktentwicklung denken an Kunden und Anwender, anstatt dem technisch Machbaren Over-Engineering zu huldigen. Alle wissen, dass wir nur erfolgreich sind, wenn wir die Sichtweise des Kunden annehmen, ihm ein Problem lösen oder die tägliche Arbeit leichter machen.
Das haben sich doch viele Unternehmen auf die Fahnen geschrieben…
Das mag schon sein, aber leben die diesen Gedanken auch wirklich? Sehen Sie, alle unsere wichtigen Wettbewerber sind viel, viel größer als wir – bis hin zu großen Konzernen. Aber was ist deren wirkliche Antriebsfeder? Da stehen immer noch Rendite, Aktienkurs und Dividende im Vordergrund. Mit der Globalisierung wird die ‚Rosinenpickerei‘ eingeführt und Fertigungen in Billiglohnländer verlagert. Die Werker sind dann zwar billiger, aber so weit von Kunden entfernt, dass sie überhaupt nicht mehr wissen, wofür sie welchen Arbeitsschritt machen. Als nächstes leidet die Qualität, weil zum Beispiel Millimeter in der Blechdicke eingespart werden, was erneut Kosten senkt. Aber niemand fragt sich später, warum der Schaltschrank nicht stabil ist.
„Wir verbiegen zwar Blech, aber nicht uns.“
Hinzu kommt das Machtgehabe gegenüber den Zulieferern, die wie Zitronen ausgepresst werden. Wir haben das 19 Jahre lang erlebt, als wir für den Konzern Lohnaufträge ausgeführt haben, dessen Blechfertigung wir einst übernommen haben. Da werden beispielsweise Zahlungsziele einseitig verlängert von 30 über 90 bis zu 120 Tagen und keiner wehrt sich. Wir sagen inzwischen: „Wenn Sie Geld brauchen, dann gehen Sie bitte zu einer Bank. Wir sind keine Bank. Wir verbiegen zwar Blech, aber nicht uns.“ Der Erfolg mit unserem eigenen Produkt Vamocon, das wir 2008 eingeführt haben, gibt uns das nötige Selbstvertrauen. So konnten wir diese Lohnfertigung Ende 2023 aufgeben. Wir sehen uns als Vordenker, der mit redlicher Arbeit und großer Transparenz in Deutschland fertigt und keinen Renditefetisch mit Machtgehabe, Rosinenpickerei und Billigstandorten betreibt. Daraus entstehen anwenderfreundliche, langlebige und preisfaire Produkte in höchster Qualität – und ebensolche Kundenbeziehungen. Nach dem Erfolg 2024 haben wir 2025 richtig durchgestartet auf dem Weg zu unserem großen Ziel: Wir wollen 2030 im Bereich der Niederspannungs-Schaltanlagen in unserem Markt die Nummer eins sein.
Wie wollen Sie das machen? Sind Ihre Wettbewerber nicht alle viel größer?
Naja, eben genau deshalb. Wir sind klein, flexibel und schnell. Unser Marktanteil ist noch gewaltig ausbaubar. Hinter unserem bisherigen Erfolg steckt ein langfristiger Plan mit kontinuierlichen Verbesserungen. So haben wir in den letzten Jahren sehr hart an unserem Business Excellence Status gearbeitet und können heute mit Stolz sagen, dass wir in allen Säulen, die dieses Qualitätsmanagement-Programm kennzeichnen, Top-Status erreicht haben. Wir leben eine ausgeprägte Kundenzentrierung, verhalten uns achtsam gegenüber Partnern, Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden sowie gegenüber Umwelt und Gesellschaft und achten auf Ausgewogenheit bei den Ergebnissen, die nicht nur renditeorientiert sind.

Innnovativ sein und Veränderungen aktiv angehen – Erfolgsrezepte des baden-württembergischen Mittelständlers Sedotec, die sich auch auf klassische Metallbearbeiter übertragen lassen. – Bild: Sedotec GmbH & Co. KG
Zugleich wächst der für uns relevante Markt immens. Experten prognostizieren 500 Millionen Euro, und dass sich der Anteil der Elektrizität am Endenergiebedarf bis 2050 von heute 20 auf 70 Prozent steigern wird. Verantwortlich dafür sind die großen Megatrends: Dekarbonisierung, Urbanisierung sowie die allgemeine Elektrifizierung mit der E-Mobilität im Speziellen. Aufgrund wachsender Cloud-Lösungen, Streamingdiensten und dem Unabhängigkeitsstreben gegenüber den USA entsteht ein riesiger Bedarf an Rechenzentren. Und KI mit ihrem Rechenbedarf kommt noch on top.
Und was zeichnet Sedotec noch aus?
Es gibt einen unschlagbaren Vorteil bei unseren Produkten: Weil unsere Felder teilausgebaut geliefert werden, lassen sie sich viel schneller ausbauen, als andere. Hinzu kommt unser Online-Konfigurator, den Anwender und Wettbewerber als den besten Konfigurator am Markt beurteilen, weil er einfach, schnell und anwenderorientiert ist.
So liefern wir schon lange Produkte für die ‚Generation Next‘, wie ich die Jungen gerne respektvoll nenne. Zum Teilausbau der Felder gehört auch das Kupfer für die Stromführung. Wir haben eines der europaweit modernsten Bearbeitungszentren für Kupfer und können schnell und passgenau fertigen. Zu guter Letzt schotten wir uns nicht ab, sondern vernetzen uns mit vertikal durchgängiger Transparenz. Nur so entstehen anwendungsfreundliche Produkte.
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