Success-Story: Highspeed-Erodieren

Die Produktivität der neuen Erodieranlagen Form X 600 (Senkerodieren, rechts) sowie Cut E 600 (Drahterodieren) von Agie Charmilles 
liegt im Vergleich zur früher verwendeten Ausrüstung um etwa den Faktor 2,5 höher.
Die Produktivität der neuen Erodieranlagen Form X 600 (Senkerodieren, rechts) sowie Cut E 600 (Drahterodieren) von Agie Charmilles liegt im Vergleich zur früher verwendeten Ausrüstung um etwa den Faktor 2,5 höher. – Bild: ©Klaus Vollrath

„Wenn bei uns das Telefon klingelt, ist beim Auftraggeber oft bereits Feuer unter’m Dach“, erklärt Dr.-Ing. Frank Breitinger, Geschäftsführer von Apppex Product Development Prototypes Parts in München (www.apppex.com). Dann müsse alles ganz schnell gehen. Das bedinge bei ihm eine andere Philosophie als bei üblichen Formenbauern. Seine Lieferzeiten bewegten sich zwischen zwei bis sechs Wochen bei einem Bestellvorlauf von ca. ein bis zwei Wochen. Bei seiner Ausrüstung achte er deshalb auf besonders hohe Produktivität. So beispielsweise bei einem am 18. Dezember 2024 hereingekommenen Auftrag über die Herstellung von 16 Formeinsätzen, bei denen zahlreiche Konturbereiche durch Funkenerosion zu bearbeiten waren. Dank seiner neuen Ausrüstung von GF Machining Solutions – einer Senkerodieranlage von Agie Charmilles Form X 600, einer Drahterodieranlage Typ Cut E 600 sowie der Senkerodiersoftware Form eCAM – habe er es geschafft, alle benötigten Teile bereits am 7. Januar 2025 einsatzfertig abzuliefern. Mit seiner früheren Ausstattung hätte er für diesen Auftrag ein Mehrfaches an Zeit gebraucht.

„Als wir uns Mitte September 2023 bei GF Machining Solutions über deren Funkenerosionsmaschinen informierten, hatten wir uns eigentlich bereits für Anlagen eines Marktbegleiters entschieden“, verrät Werkzeugmacher Christian Borkmann, der bei Apppex die Funkenerosion betreut. Grund für diesen Vorentscheid war eine Testbearbeitung: Hierbei erledigte die angepeilte Senkerodiermaschine einen Job in 8,5 Stunden, für den die bisherige Apppex-Anlage 19,5 Stunden benötigte. Der Besuch bei GF in Schorndorf erfolgte deshalb eher aufgrund der über mehr als 20 Jahre aufgebauten guten Beziehungen. Als sich dabei jedoch herausstellte, dass die neue Form X Senkerodieranlage von Agie Charmilles den gleichen Job in 6,5 Stunden erledigen konnte, geriet der bisher gefasste Kaufbeschluss ins Wanken.

CAM-Programm überzeugt

„Endgültig über den Haufen geworfen wurde unser eigentlich bereits gefasster Kaufentschluss dann durch die Vorführung der neuen CAM-Software Form eCAM“, erinnert sich Dr. Breitinger. Es handele sich um das erste dezidiert für das Erodieren ausgelegte CAM-Programm, das er bisher gesehen habe. Damit könnten erstmals Probleme gelöst werden, die ihn schon seit Jahren gestört hätten.

Erfolg macht Freu(n)de: Apppex-Geschäftsführer Dr. Frank Breitinger (rechts) und GF-Vertriebsingenieur Björn Färber an der Steuerung der Senkerodieranlage Form X 600.
Erfolg macht Freu(n)de: Apppex-Geschäftsführer Dr. Frank Breitinger (rechts) und GF-Vertriebsingenieur Björn Färber an der Steuerung der Senkerodieranlage Form X 600. – Bild: ©Klaus Vollrath

In erster Linie ging es dabei um die Möglichkeit realistischer Zeitvorhersagen für langlaufende Jobs. Neben der massiv erhöhten Produktivität der Anlage bestand dank dieses neuen Programms jetzt die Möglichkeit, sich bei Terminplanungen auf verlässliche Angaben stützen zu können. Zudem ließen sich damit verschiedene Varianten und Parametereinstellungen durchspielen, um das Optimum zu ermitteln.

Fräsen + Erodieren

„Die Geschwindigkeitssteigerung beim Erodieren rührt nicht zuletzt daher, dass Form eCAM die Änderung der funken-erosiv aktiven Fläche der Elektrode bei fortschreitendem Eindringen in das Werkstück jeweils exakt berechnet und die Leistungseinheit entsprechend ansteuert“, erläutert Björn Färber, Vertriebsingenieur Region Süd bei GF Machining Solutions. Somit werde die elektrische Leistung in jedem Stadium des Prozesses exakt auf den optimalen Wert eingestellt. Weiterer Vorteil der Software ist die Optimierung des Zusammenspiels von Fräsen und Erodieren. Da das Fräsen häufig die schnellere und wirtschaftlichere Technologie ist, werden Bauteile für das Senkerodieren zunächst soweit wie möglich vorgefräst. Erst dann werden die restlichen Bereiche durch Senkerodieren bearbeitet.

Das Produktionsprogramm von Apppex umfasst Formen für die Herstellung von Prototypen aus Aluminium-Druckguss oder aus Kunststoff-Spritzguss.
Das Produktionsprogramm von Apppex umfasst Formen für die Herstellung von Prototypen aus Aluminium-Druckguss oder aus Kunststoff-Spritzguss. – Bild: Apppex Product Development Prototype Parts GmbH

„Die Bedienung der neuen Senkerodieranlage war einfach und leicht zu erlernen“, freut sich Borkmann. Zusätzlich zu den üblichen Standardsymbolen könnten an der Steuerung auch halbautomatische Bewegungen oder spezielle Messzyklen definiert und aufgerufen werden. Der von drei Seiten zugängliche Tisch der Form X 600 erleichtere Beladung und Bedienung, und umfassende Maßnahmen zur Kompensation von Temperaturänderungen erlaubten Genauigkeiten im µm-Bereich. Der neue Generator führe zu deutlich höheren Bearbeitungsgeschwindigkeiten bei besserer Oberflächenqualität und schone die Elektroden. Es könnten zudem Mikrobearbeitungen mit sehr feinen Elektroden durchgeführt werden.

Drahterodieren mit der Cut E 600

„Auch mit der Drahterodiermaschine von Agie Charmilles sind wir sehr zufrieden“, betont Dr. Breitinger. Obwohl es sich um eine günstige Allround-Maschine für breit gefächerte Einsatzgebiete handele, sei er mit der erzielten Genauigkeit sehr zufrieden.

Beim Drahten eines Rundlochs mit der Maßvorgabe 50mm Durchmesser lieferte das Messsystem einen Wert von exakt 50,00mm. Mit dieser Genauigkeit könne Apppex daher auch Wünsche von Kunden aus Bereichen wie Medizintechnik, Elektronik-Steckverbindern oder Feinmechanik erfüllen. Insgesamt liege die Produktivität bei beiden neuen Erodieranlagen um etwa den Faktor 2,5 höher als bei der früheren Ausrüstung.


Klaus Vollrath – b2dcomm.ch