75 Jahre Mapal

Zukunftsweisend für den langfristigen Erfolg des Unternehmens: Der Kauf des Patents für eine neuartige Reibahle im Jahr 1952.
Zukunftsweisend für den langfristigen Erfolg des Unternehmens: Der Kauf des Patents für eine neuartige Reibahle im Jahr 1952. Bild: Mapal Dr. Kress SE & Co. KG

Die Gründung im Jahr 1950 verlief durchaus ungewöhnlich. Der promovierte Volkswirt Dr. Georg Kress war als Steuerberater tätig, als er eine in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommene Firma eines seiner Mandanten übernahm. Obwohl er von Technik oder Gewindeschneidwerkzeugen nichts verstand, kaufte er die ‚OBA Präzisionswerkzeugbau‘ – und veräußerte dafür seine gut laufende Steuerberaterkanzlei. Der neue Name Mapal steht für ‚Maschinen- und Präzisionswerkzeugfabrik Aalen‘, denn zu Beginn wurden auch Holzbearbeitungsmaschinen hergestellt. Mapal beendete diese Sparte aber wieder u.a. wegen begrenzter Räumlichkeiten. Fortan konzentrierte sich der Betrieb auf Gewindebohrer, -schneideisen und -walzrollen – der Beginn des heutigen Werkzeugprogramms.

Reibahle als Erfolgsstory

Als zukunftsweisend für den Erfolg sollte sich 1952 der Kauf eines Patents für eine neuartige Reibahle erweisen. Anders als bisherige Konstruktionen arbeitet sie nicht mit vier oder sechs Schneiden, sondern nur mit einer einzigen, die in einen Schlitz eingeklemmt wird und einstellbar ist. Der italienische Erfinder versprach damit geringere Herstellungskosten und mehr Flexibilität. Als Dr. Georg Kress das Patent erwarb, stellte er sich gegen die Techniker aus eigenem Hause, die das Werkzeug für untauglich hielten – und damit zunächst auch Recht hatten.

Um die anfänglichen Probleme zu überwinden, setzte Dr. Kress auf Forschung und Entwicklung. In mühsamer Tüftelei wurde die Reibahle verbessert. Die erste von Mapal entwickelte Einschneiden-Reibahle mit Führungsleisten aus Hartmetall wurde 1954 patentiert, 1962 folgte das Patent für die Reibahle mit Wendeschneidplatten (WSP) aus Hartmetall. Beide Innovationen bildeten die Basis für kommende Erfolge: mit der Bohrungsfeinbearbeitung als Aushängeschild. Als Dr. Dieter Kress 1969 in das Unternehmen eintrat, war der Sohn des Gründers – anders als sein Vater – bereits bestens auf seine Aufgaben vorbereitet und in der Technik zuhause. Schon am ersten Arbeitstag konstruierte er eine neue Klemmung für WSP, die später patentiert wurde.

Dr. Jochen Kress hat die Transformation von Mapal hin zu einer prozessgesteuerten, global agierenden Organisation angestoßen.
Dr. Jochen Kress hat die Transformation von Mapal hin zu einer prozessgesteuerten, global agierenden Organisation angestoßen. Bild: Mapal Dr. Kress SE & Co. KG / ©marchmeena29/gettyimages.de

Weitsichtige Entscheidungen

Als er 1974 die Geschäftsführung übernahm, machte sich Dr. Dieter Kress zügig an die Umgestaltung des Portfolios. Gewindebohrer und -walzrollen wurden aufgegeben, um sich ausschließlich auf Reibahlen zu konzentrieren – zu einem Zeitpunkt, als Mapal zwei Drittel seines Umsatzes mit Gewindewerkzeugen erwirtschaftete. Dahinter steckte unternehmerische Weitsicht: Bei den älteren Produkten gab es kaum Potenzial, sich von zumeist größeren Herstellern zu differenzieren. Die Einschneiden-Reibahle hingegen war etwas Spezielles, für das es keinen direkten Wettbewerb gab. Nach und nach wurden die Reibahlen derart weiterentwickelt, dass sie sich für die industrielle Großserienfertigung eigneten. Die Beschichtung von WSP spielte dabei ebenso eine Rolle wie die Verwendung des Werkstoffs PKD für die Führungsleisten.

Gezielte Investitionen
Um sein Angebot zu vergrößern, integrierte Mapal eine Reihe spezialisierter Firmen in Deutschland. Mit der Übernahme von WWS in Pforzheim erweiterte Mapal das Angebot um PKD-Werkzeuge mit gelöteten Schneiden für die Hochgeschwindigkeitsbearbeitung vor allem von Aluminium. Mit Miller in Altenstadt kamen VHM-Bohrer und -Fräswerkzeuge ins Programm. Weisskopf aus Meiningen verstärkte den Vollhartmetallbereich weiter. Der Kauf des Winterlinger Traditionsunternehmens August Beck sicherte die Position als führender Hersteller von Reibahlen. Robert Strom und Isotool (heute Mapal IST) ergänzten das Portfolio um ISO- und Aussteuerwerkzeuge. Vervollständigt wurde das Angebot mit Spannzeugen von WTE aus Ehrenfriedersdorf. Investitionen tätigte Mapal später auch im Ausland.

Parallel dazu baute Mapal sein Vertriebskonzept um und setzte auf maximale Kundennähe. Freie Handelsvertreter wurden durch eigene technische Berater ersetzt, deren Aufgabe es war, Kunden bei der Auslegung der Werkzeuge zu beraten und im Einsatz zu unterstützen. In der Automobilindustrie wurde die Zusammenarbeit so eng, dass die Berater sogar an der Entwicklung von neuen Motoren mitwirkten: Sie verkauften nicht einfach Werkzeuge, sondern Lösungen!

Maximale Kundennähe - insbesondere in der Automobilindustrie - wird zum erfolgreichen Vertriebskonzept.
Maximale Kundennähe – insbesondere in der Automobilindustrie – wird zum erfolgreichen Vertriebskonzept. Bild: Mapal Dr. Kress SE & Co. KG

Vom Mittelständler zum Global Player

In den USA eröffnete Mapal 1977 seine erste Tochtergesellschaft. Richtig Fahrt nahm die Globalisierung in den 1990er-Jahren auf. Die Internationalisierungsstrategie folgte den Wegen der Großkunden und zahlreiche Auslandsniederlassungen wurden etabliert.

Mit Dr. Jochen Kress, der ab 2000 als Entwicklungsingenieur bei Mapal arbeitete, trat 2008 die dritte Generation in die Geschäftsleitung ein. Als er zehn Jahre später die Verantwortung als Geschäftsführender Gesellschafter übernimmt, läuft die umfassende Transformation des Marktes bereits. Den Übergang der Automobilbranche hin zur E-Mobilität geht Mapal proaktiv mit.

Daneben erfolgt die strategische Ausweitung zusätzlich auf die Bereiche Aerospace, Fluid Power sowie Werkzeug- und Formenbau. Digitallösungen bietet die 2017 gegründete und inzwischen integrierte c-Com. Dr. Jochen Kress hat die Transformation hin zu einer prozessgesteuerten, global agierenden Organisation angestoßen. Strukturen und Prozesse werden der erreichten Unternehmensgröße angepasst, Entscheidungsprozesse verschlankt und beschleunigt – plus Neuorganisation der Führungsebene, die sich an Kernprozessen und Fokusthemen ausrichtet.

Das Unternehmen ist heute mit Produktions-, Vertriebsstandorten und Servicepartnern in 44 Ländern vertreten. Die Mapal Gruppe beschäftigt 4.850 Mitarbeiter, 2024 lag der Umsatz bei 551 Millionen Euro.