
Vor einigen Monaten übernahm Swacrit eine Gehäusefamilie in die Fertigung am Standort Wildermieming, die über Jahre extern gefertigt wurde. Nun aber stiegen die Stückzahlen so deutlich, dass die Eigenfertigung interessant wurde. Während der externe Zulieferer derzeit etwa 3.000 Gehäuse pro Monat herstellt, sind es bei Swacrit ca. 1.000 Stück. Die Gehäusefamilie aus Chrom-Nickel-Stahl 1.4301 umfasst mehrere Größen, an die jeweils zwei Ringe mit einer größeren Anzahl von Bohrungen befestigt werden. Diese Bohrungen werden außerdem zu Gewinden mit Senkungen erweitert. Mit dem Gehäuse verbunden, fungieren die Ringe schließlich als Dichtflansche.
Das ist unser Verständnis von Partnerschaft
Die Fertigung der Ringe wurde in Wildermieming mit einem Dreh-Fräszentrum ohne spezielle Anpassungen aufgenommen. Das betraf auch den Werkzeugsatz. Bei einem seiner ersten Besuche sprach Mario Bliem von OSG, der im technischen Vertrieb gerade neu für Swacrit zuständig geworden war, auch über diese Anwendung. Mit einem alternativen Bohrer als Initial, begann nun eine Zusammenarbeit im ganz neuen Umfang.
Schneller und sicherer
Bei dem Werkzeug handelt es sich um den innengekühlten VHM-Bohrer Ado-Sus für rostfreie Stähle – Werkstoffe, die oft eine niedrige Wärmeleitfähigkeit besitzen und beim Zerspanen zu Materialverhärtungen, Aufschweißungen und langen Spänen neigen. Der Ado-Sus begegnet diesen Herausforderungen mit einer besonders scharfen Schneidkante, die Materialverhärtungen reduziert und Folgebearbeitungen erleichtert. Aufgrund der neuartigen Nutgeometrie des Werkzeugs entstehen kurze, kompakte Späne, die sich sicher abführen lassen. Zugleich verhindert der geringe Widerstand an der Führungsfase das Entstehen hoher Reibung und übermäßige Wärmeentwicklung. Ein neues Design der Kühlkanäle erlaubt zudem größere Durchflussmengen des Kühlmittels und ein besseres Umspülen der Bohrerspitze, sodass sich weniger Wärme im Material staut. Nicht zuletzt mindern die hohen Adhäsionskräfte der ‚WXL‘-Beschichtung das Risiko von Abplatzungen.

Wie der Ado-Sus war auch das ursprünglich eingesetzte Werkzeug ein VHM-Bohrer. Während seine Schnittgeschwindigkeit mit 50m/min noch das gleiche Niveau hatte, lag der Vorschub mit 0,11mm/U deutlich darunter. Vor allem jedoch traten mit dem Werkzeug immer wieder Schwankungen bei der Standmenge auf, sodass der Wechsel auf den Ado-Sus letztlich zwei Hauptgründe hatte: Swacrit suchte ein Werkzeug, mit dem sich Bearbeitungszeit sparen ließ; vor allem aber war die beabsichtigte Prozesssicherheit alternativlos. „Heute haben wir beides“, weiß Dietmar Raffl, Teamlead Mechanische Fertigung, zu schätzen.
Sechs statt eins
Die Zusammenarbeit mit OSG ist maßgeblich auf die Impulse von Mario Bliem als neuem Ansprechpartner zurückzuführen. „Er hat nicht nur den Service und die Beratung intensiviert, er hat auch gleich zwei Kollegen zum Workshop ‚Späne Profiler‘ nach Göppingen eingeladen“, erinnert sich Raffl. Darüber hinaus wurden in Wildermieming inzwischen Mitarbeiter auf Werkzeuge und Prozesse geschult. In die Bohrversuche mit dem Ado-Sus war Swacrit zunächst mit einem 6,9er Bohrer gestartet – als Kernlochbohrer für M8-Gewinde. Später kamen weitere Durchmesser und Längen hinzu wie Durchmesser 8,5mm 5xD und Durchmesser 11mm 3xD, die ebenso überzeugten. Swacrit sucht bei solchen Anwendungen grundsätzlich nach dem Optimum von Prozesssicherheit und Standzeit/ Standmenge.

„Unter dieser Prämisse fahren wir heute mit dem Ado-Sus Durchmesser 6,9mm 3xD bei 50m/min einen Vorschub von 0,2mm/U, also 90 Prozent mehr“, berichtet Raffl. „Zugleich ist die Standmenge um 40 Prozent höher, sodass wir mit einem Bohrer ein Los sicher abdecken. Mehr noch: Die über 2.000 Teile, die wir bisher mit dem Ado-Sus gefertigt haben, entsprechen circa sechs Losen.“
Immer universeller
Um solche Ergebnisse zu generieren, verringert eine schmalere Führungsphase des Bohrers die Reibung an der Bohrungswand. Weil das VHM-Werkzeug konischer als herkömmliche Bohrer ausgelegt ist, neigt es auch weniger zum Klemmen. Und während konventionelle Bohrer oft eine gerade Schneide nutzen, arbeitet der Ado-Sus mit einer ‚Wave‘-Schneide. Darüber hinaus lässt das komplexe Nutdesign dem Span mehr Platz, und die WXS-Beschichtung ist besonders glatt, was die Späneabfuhr nochmals verbessert. Mit diesen Werkzeugeigenschaften hat Swacrit neben der Prozesssicherheit auch den Durchsatz der Ringe erhöht. So werden mittlerweile pro Schicht zwei Teile mehr gefertigt.
Hale Machining neu im Blick
Dass die Zusammenarbeit von Swacrit und OSG immer breiter angelegt wird, zeigt die aktuelle Diskussion über ein ganz anderes Verfahren. Ausgangspunkt ist einmal mehr die Vakuumtechnik, wo die Anforderungen an die Dichtheit von Flächen regelmäßig steigen. Oft werden solche Dichtflächen heute noch manuell geschabt; Swacrit will den Prozess jedoch auf die Maschine bekommen. Hale Machining ist das Stichwort, bei dem der Halter eines nicht rotierenden Werkzeugs so gesteuert wird, dass das Werkzeug senkrecht zur bearbeiteten Werkstückoberfläche und die Spanfläche senkrecht zur Werkzeugmittelpunktbahn ausgerichtet ist. „In der Zusammenarbeit mit OSG haben wir mittlerweile den Grundstein für diese Technologie gelegt“, betont Raffl. Und Bliem ergänzt: „Obwohl die Technologie nicht zu unserer Kernkompetenz gehört, wollen wir auch dafür gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Das ist unser Verständnis von Partnerschaft.“
„Wesentlich ist jedoch: Wir bearbeiten heute Bauteile prozesssicher, die schon eine gewisse Wertschöpfung beinhalten“, unterstreicht Raffl. „Für weitere Einsätze des Ado-Sus denken wir daher an zwei, drei Anwendungen, bei denen wir ebenfalls Probleme mit der Prozesssicherheit haben – z.B. beim Bohren von 1.4435.“

















