
Als Pioniere in der Herstellung von Funkenerosionsmaschinen ist das Unternehmen stolz auf seine reichhaltige Geschichte und die fortlaufenden Innovationen. Carlo Buck eröffnete die Veranstaltung mit einem historischen Rückblick: „Johann Georg Fischer gründete den Betrieb 1802 als Gießerei in Schaffhausen. 1864 gab es das erste Rohrleitungsprodukt und 1897 das erste Automobilteil.“ Heute arbeiten für die Unternehmensgruppe 19.824 Personen und erwirtschaften dabei einen Umsatz von etwa vier Milliarden Schweizer Franken.
Kernthema Nachhaltigkeit

„Wir legen sehr viel Wert darauf, dass wir uns persönlich austauschen und nicht als großer Konzern gesehen zu werden“, betont der Geschäftsführer von GF Machining Solutions am deutschen Standort in Schorndorf. „Wir sind ebenfalls führend im Bereich Nachhaltigkeit“, betont Buck. „Für dieses bedeutende Thema haben wir eigens eine ‚GF plus Strategie 2025‘ aufgesetzt.“
Darüber hinaus erachtet das Unternehmen die Weiterbildungs- und Nachwuchsförderung als besonders wichtig. Das Klostergut Paradies beispielsweise wird als Ausbildungsstätte sowie Schulungs- und Seminarstätte genutzt. Des Weiteren gibt es hier die ‚größte Eisenbibliothek‘ der Welt mit Büchern, Literatur und vielem mehr. GF sieht sich selbst als extrem wandlungs- und anpassungsfähig. „Wir stellten in den 1930er Jahren sogar Kochtöpfe und Ähnliches her, weil es der Markt zu dieser Zeit gefordert hat“, schmunzelte Buck. Heute produzieren rund 400 Mitarbeiter am Standort Losone jährlich mehr als 1.000 Hightech-Maschinen. „Eine unserer neuen absoluten Prioritäten beziehen sich auf die Nachhaltigkeit“, unterstrich auch Umang Maradia, Head of Technical Unit EDM, der die abwechslungsreiche Präsentation ergänzte. „Zudem sind Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit für uns seit jeher das A und O. Wir reizen die Grenzen der Mechanik aus, setzen KI für mehr Benutzerfreundlichkeit ein und erarbeiten mithilfe von Elektronik ‚feinere Dinge‘.“ Als Koryphäe auf seinem Gebiet lud Maradia und sein Team zum anschließenden Innovationsrundgang ’70 Jahre EDM‘ und zur Werksbesichtigung ein.
Electrical Discharge Machining
EDM verwendet elektrische Entladungen, um Material von einem Werkstück zu entfernen. Dieses nicht-traditionelle Bearbeitungsverfahren veränderte erheblich die Herstellungsmethoden für Formen und Stanzteile weltweit und bereitete den Weg hin zu neuen und preiswerteren Produkten zunächst vor allem in der Automobil- und Elektronikbranche.

Das Senkerodieren erlaubt die Herstellung komplexer Formen, die die Anzahl der Teile vieler Konsumgüter reduzierten und damit deren Preis senkten. Selbst bei komplexen Formen und komplizierten Geometrien gestattet die Drahterodiertechnik mit einem dünnen Draht eine bis zu 1µm genaue Bearbeitung.
Wer hat´s erfunden?

Während des Zweiten Weltkriegs forschte das russische Physikerpaar B.R. und N.I. Lazarenko daran, den Verschleiß von Stromkontakten zu minimieren. Anstatt den Kontaktverschleiß zu verringern, gelang es ihnen 1943, diesen negativen Effekt in etwas Nützliches umzuwandeln. Ein Verfahren mit dem sich jedes leitfähige Material bearbeiten lässt, egal wie hart es ist: Die Funkenerosion war geboren. In der Dissertation von B.R. Lazarenko aus dem Jahr 1943 wurde die „Umkehrung des Effekts der Abnutzung elektrischer Stromkontakte für Bearbeitungszwecke“ vorgeschlagen, um den negativen Effekt der Abnutzung elektrischer Kontakte in einen positiven Effekt für die Bearbeitung metallischer Werkstücke zu verwandeln.
Die Forschung war in den sozialistischen Ländern allerdings eher schwieriger, da sie nicht sofort über alle Technologien verfügten. Später in der Schweiz fielen diese Ideen auf fruchtbaren Boden und die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und Industrialisierung waren gegeben, als die Lazarenkos 1952 Charmilles und später Agie besuchten.
Charmilles wurde 1952 gegründet und konzentrierte sich ursprünglich auf andere Produkte wie hydraulische Turbinen, die Gründung von Agie erfolgte 1954. Auf der EMO in Mailand stellte 1955 Charmilles die erste DS-Maschine vor. 1969 startete Agie die erste Massenproduktion von Draht-EDM-Maschinen mit numerischer Steuerung. 1996 fusionierten Agie und Charmilles unter dem Dach von Georg Fischer und sind bis heute unter dem Namen GF Machining Solutions ein führender Hersteller von EDM-Maschinen.

















