Wie cleverer Energieeinkauf hilft, Kosten einzusparen

Thilo Ottmann, Scholt Energy Geschäftsführer Deutschland & Österreich: "Der Fertigungsleiter muss nicht selbst zum Energie-Trader werden."
Thilo Ottmann, Scholt Energy Geschäftsführer Deutschland & Österreich: „Der Fertigungsleiter muss nicht selbst zum Energie-Trader werden.“ – Bild: Scholt Energy Control GmbH

dima Herr Ottmann, in der spanenden Metallbearbeitung gehören Werkzeugmaschinen zum energieintensiven Equipment. Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Hebel, um die Energiekosten in einer digitalisierten Fertigung zu senken?

Thilo Ottmann: Tatsächlich glüht in der Metallbearbeitung oft auch der Stromzähler – das gilt es zu verhindern. Der wichtigste Hebel dafür liegt heute im Monitoring. Daher Hebel eins: Transparenz über Maschinendaten schaffen. Wer die Verbrauchsdaten seiner CNC-Maschinen digital erfasst, hat Lastspitzen klar vor Augen. Wenn beispielsweise montags um 6 Uhr die gesamte Schicht gleichzeitig alle Anlagen und Kühlelemente hochfährt, schießt das Netzentgelt in die Höhe. Hebel zwei ist die automatisierte Lastverschiebung. Energieintensive Prozesse sollten idealerweise digital so eingetaktet werden, dass sie in Stunden mit niedrigen Börsenstrompreisen fallen.

Die Energieverbräuche lassen sich in Echtzeit darstellen.
Die Energieverbräuche lassen sich in Echtzeit darstellen. – Bild: Scholt Energy Control GmbH

Hebel drei: weg von starren Festpreisen. Eine moderne Fertigung reagiert flexibel auf den Markt – das muss auch der Energieeinkauf tun. Konkret bedeutet das: statt eines einzigen Festpreisvertrags eine Kombination aus langfristig abgesicherten Grundmengen über den Terminmarkt und flexibel eingekauften Bedarfen am Spotmarkt.

dima Viele Betriebsleiter in der Metallbearbeitung schwören aus Gründen der Kalkulationssicherheit aber nach wie vor auf klassische Festpreisverträge über zwei oder drei Jahre. Verspielen sie damit im Jahr 2026 digitale Wettbewerbsvorteile?

‚Verspielen‘ trifft es ziemlich gut. Natürlich ist Planungssicherheit wichtig – doch Starrheit ist im aktuellen Marktumfeld teuer. Wir sehen 2026 eine extrem hohe Volatilität an den Energiemärkten. Wer sich langfristig unflexibel bindet, zahlt im Grunde eine permanente Risikoprämie an den Versorger. Das passt nicht mehr zu einer agilen Fertigung.

Die Lösung ist ein hybrides Modell: Wir kombinieren für unsere Kunden die Sicherheit des Terminmarkts durch den gestaffelten Einkauf von Teilmengen mit der Dynamik des Spotmarkts. So nutzen Betriebe sinkende Preise an der Strombörse effizient aus – und profitieren gleichzeitig von langfristiger Sicherheit.

dima Stichwort Digitalisierung: Wie lässt sich eine automatisierte Energiebeschaffung so mit der Produktionsplanung verknüpfen, dass der Betrieb ohne manuellen Aufwand von günstigen Marktphasen profitiert?

Genau das ist der entscheidende Punkt: Der Fertigungsleiter muss nicht selbst zum Energie-Trader werden. Vielmehr läuft die Verknüpfung komplett automatisiert. Ein Partner wie Scholt Energy teilt den Stromeinkauf strategisch auf – eine Grundmenge wird langfristig abgesichert, während flexible Bedarfe gezielt und günstig am Spotmarkt eingekauft werden, etwa wenn viel Wind- oder Solarstrom im Netz ist.

Digitale Checkliste: Fünf Energiespar-Impulse für die Werkstatt


1. Spotmarkt-Potenziale nutzen: Betriebe sollten die vertraglichen Voraussetzungen schaffen, um von extrem günstigen (oder gar negativen) Strompreisen an der Börse flexibel zu profitieren.
2. Risikostreuung durch Chargen-Einkauf: Wichtig ist, Grundmengen über den Terminmarkt abzusichern. So lassen sich Preissprünge abfedern, während die Produktionsspitzen flexibel bleiben.
3. Digitales Peak-Shaving: Jede Lastspitze ist teuer; daher gilt es, diese zu vermeiden. Etwa, indem Betriebe das Hochfahren von Werkzeugmaschinen, Absauganlagen und Kompressoren digital nacheinander eintakten.
4. Peripherie-Audit im IoT-Zeitalter: Anzuraten ist, Standby-Zeiten etwa von Druckluftsystemen mit den tatsächlichen Produktionslaufzeiten zu verknüpfen, um Wochenend-Leerläufe zu stoppen.
5. Smarte Eigenstrom-Kopplung: Wichtig ist, eigene Photovoltaikanlagen mit dem Maschinenbelegungsplan zu kombinieren. Am besten produzieren Betriebe energieintensive Teile dann, wenn die Sonne direkt aufs Hallendach scheint.

Wer über Herkunftszertifikate dabei auf nachhaltige Stromproduktion setzt, hat noch einen anderen Vorteil: Denn dieser Punkt ist entscheidend für die ESG-Kriterien, die große Unternehmen heute von ihren Zulieferern in der Metallbranche einfordern.

dima Abseits der Hauptspindel: Wo verstecken sich in einer typischen Fertigungshalle für Metallbearbeitung die unentdeckten Energiefresser?

Häufig lohnt sich der Blick auf die Peripherie: In vielen Betrieben entstehen relevante Verbräuche auch durch Druckluft, Absaugung, Kühlung, Beleuchtung oder Geräte im Standby-Betrieb. Somit ist letztlich das Gesamtbild entscheidend: Wann wird Energie verbraucht und warum wird sie verbraucht?

Scholt Energy begleitet Unternehmenskunden neben der Beschaffung von Strom und Gas auch bei der Integration eigener erneuerbarer Erzeugungsquellen.
Scholt Energy begleitet Unternehmenskunden neben der Beschaffung von Strom und Gas auch bei der Integration eigener erneuerbarer Erzeugungsquellen. – Bild: ©Hryshchyshen Serhii/shutterstock.com

Besonders relevant sind übrigens Lastspitzen, denn viele Unternehmen zahlen hohe Netzentgelte, weil kurzfristig ein immenser Leistungswert auftritt – und bereits eine einzige Spitze kann den Leistungspreis spürbar nach oben treiben.

dima Gerade kleinere und mittlere Lohnfertiger haben weder die Zeit noch eine eigene Abteilung für ein spezialisiertes Energie-Sourcing. Wie holt Scholt Energy diese Betriebe ab?

Wir docken direkt beim Energie-Einkauf an: Zuerst analysieren wir das spezifische Lastprofil unserer Kunden, also etwa das von Metallbetrieben. Darauf aufbauend entwickeln wir eine maßgeschneiderte Einkaufsstrategie, die exakt zur Schichtarbeit und zum Maschinenpark des Kunden passt. Über unsere Software-Tools stellen wir die Verbräuche in Echtzeit dar.

Seiten: 1 2