Fachbericht: CAQ aus Sicht eines Werkers

Hans Müller ist Anfang 50 und arbeitet seit vielen Jahren in einer Fabrik für Metallteile verschiedenster Art. Er bedient mehrere Maschinen, die über die Jahre immer moderner und auch komplexer geworden sind. Mit Qualitätssicherung hatte er anfangs kaum etwas zu tun. Vor einiger Zeit führte das Unternehmen ein integriertes CAQ-System von MPDV ein - seitdem ist er ein wichtiges Rad im QS-Uhrwerk und zieht viel Motivation aus seiner neuen Verantwortung.
Werkerselbstprüfung mit MES Hydra von MPDV
Werkerselbstprüfung mit MES Hydra von MPDVBild: ©nd3000/stock.adobe.com / MPDV Mikrolab GmbH

„Früher kam immer Herr Huber von der QS, schnappte sich ein Teil aus einer meiner Maschinen und verschwand damit in sein Qualitätslabor. In den meisten Fällen habe ich dann nichts mehr von diesem Teil bzw. von Herrn Huber gehört“, erinnert sich Müller. „Dann führte unser Betrieb dieses integrierte CAQ (computer-aided quality)-System ein. Ein MES hatten wir ja schon seit ein paar Jahren, aber mit Qualität hatte ich bis dahin immer noch nichts am Hut.“

Integration bringt Motivation

Die Integration der QS in das Manufacturing Execution System (MES) brachte für Hans Müller einige Veränderungen mit sich. „Ab diesem Zeitpunkt war ich mit für die Qualitätssicherung zuständig“, berichtet er stolz. „Ich hatte eine wichtige Aufgabe, die über das reine Produzieren von Metallteilen hinausgeht.“ Mit dieser „Werkerselbstprüfung“ wird der eigentliche Prüfprozess zum großen Teil in den Produktionsablauf integriert und der Werker selbst führt einfache Prüfungen an seinen Werkstücken durch. Dazu bekommt er an seinem Shopfloor Terminal alle relevanten Prüfschritte angezeigt. „Das MES stellt Dokumente aller Art zur Verfügung, die ich mir bei Bedarf aufrufen kann“, beschreibt Müller. „Papier haben wir seitdem kaum mehr in der Fertigung.“

Automatisierte Übernahme von Prüfmerkmalen aus CAD-Zeichnungen direkt in die Prüfplanung mit MES Hydra
Automatisierte Übernahme von Prüfmerkmalen aus CAD-Zeichnungen direkt in die Prüfplanung mit MES HydraBild: ©lucadp/stock.adobe.com / MPDV Mikrolab GmbH

Soll beispielsweise der Innendurchmesser einer Bohrung überprüft werden, stellt der Anwendungsdialog dar, an welcher Stelle zu messen ist und welches Prüfmittel er dafür verwenden soll. „Hierbei Fehler zu machen ist ziemlich schwer“, witzelt Müller, „insbesondere, seitdem wir diese digitalen Messmittel benutzen. Da drücke ich nur noch auf einen Knopf und schon wird das Messergebnis ganz automatisch ins System übertragen. Tippfehler und Zahlendreher gibt es da nicht – das ist schon toll.“

>>Tippfehler gibt es da nicht – das ist schon toll<<

Mit der Umstellung auf Werkerselbstprüfung intensivierte sich auch der Kontakt von Hans Müller zu den Kollegen im Qualitätsmanagement. Insbesondere mit dem neuen Qualitätsbeauftragten Herbert Schmitt versteht sich Müller hervorragend. „Vor ein paar Wochen erklärte mir Herbert mal, wie das mit der Prüfplanung funktioniert, also was er tun muss, damit ich an die regelmäßigen Prüfungen erinnert werde und das System die richtigen Prüfschritte anzeigt“, erzählt Müller begeistert. „Er legt für jeden Artikel sogenannte Merkmale an und spezifiziert einerseits, in welchen Grenzen die erfassten Werte liegen müssen und andererseits, in welchen zeitlichen Abständen die Prüfung stattfinden soll.“

Insbesondere bei großen Werkstücken kann eine mobile Qualitätsprüfung von Vorteil sein.
Insbesondere bei großen Werkstücken kann eine mobile Qualitätsprüfung von Vorteil sein.

Mit dem besseren Verständnis für die Materie hat Hans Müller noch mehr Spaß an seiner Arbeit und ist motiviert, die Qualität seiner Produkte möglichst hochzuhalten. In einem gewissen Rahmen hat er bei der Einstellung der Maschine sogar einen echten Einfluss darauf. Zudem erkennt er sich ankündigende Fehler nun sogar schon bevor sie überhaupt auftreten. Damit spart die Metallteilefabrik viel Geld.

Ausblick auf Kommendes

Bald steht eine weitere Neuerung ins Haus: Die Qualitätsprüfungen sollen mobil werden, denn mittlerweile produziert die Fabrik auch so große Metallteile, dass sich diese nicht mehr an den zentralen Prüfplatz transportieren lassen. Vielmehr soll der Prüfplatz nun zum Werkstück gebracht werden. Dazu kommen Apps auf mobilen Geräten zum Einsatz, um die Daten für die einzelnen Prüfmerkmale zu erfassen. „Das wird sicher spannend mit diesen neuen Tablets und der mobilen Qualitätsprüfung“, sinniert Müller, „hoffentlich ist die Bedienung so einfach wie die Apps auf dem Tablett, dass ich zu Hause zum Surfen und fürs Homebanking habe.“

Seiten: 1 2Auf einer Seite lesen

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: Ingersoll Werkzeuge GmbH
Bild: Ingersoll Werkzeuge GmbH
Modulares Wechselkopfsystem

Modulares Wechselkopfsystem

Ingersoll präsentiert die neue FlexTurn-Familie modularer Köpfe und Halter für Swiss-Type Maschinen. Mit dieser modularen Serie lassen sich Rüstzeiten verkürzen und Kosten sparen. Generell kostet es Zeit, die Halter aus dem Werkzeughalter der Swiss-Type Drehmaschinen auszubauen, um die Wendeschneidplatten zu wechseln. Mit der modularen FlexTurn-Serie können Wendeschneidplatten außerhalb der Maschine ausgetauscht werden, indem nur der modulare Kopf ausgebaut wird und der Schaft im Werkzeughalter bleibt.

Bild: Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH - Nico Sauermann
Bild: Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH - Nico Sauermann
Fachbericht: Königsdisziplin Stechdrehen

Fachbericht: Königsdisziplin Stechdrehen

Als Paul Horn im Jahr 1972 die Wendeschneidplatte des Typs 312 der Öffentlichkeit vorstellte, war das im Prozess des Stechdrehens eine kleine Revolution. Als erster Hersteller überhaupt präsentierten die Tübinger ein dreischneidiges Werkzeugsystem mit stehender Hartmetall-Wendeschneidplatte für das Stechdrehen. Heute ist der Prozess Stechdrehen mit Wendeschneidplatten in der modernen Fertigung nicht mehr wegzudenken.

Bild: Lehmann-UMT GmbH
Bild: Lehmann-UMT GmbH
Feinstfiltersystem auf der GrindTec und Intec

Feinstfiltersystem auf der GrindTec und Intec

Mit dem StingR Feinstfiltersystem schafft das vogtländische Unternehmen Lehmann-UMT eine universelle Lösung zur energieeffizienten und passgenauen Aufbereitung von Fluiden beim Werkzeugschleifen für verlängerte Standzeiten und hohe Werkzeugqualität. Erstmals im vergangenen Jahr vor großem Publikum auf der GrindTec präsentiert, wurde das Feinstfiltersystem mit automatischer pneumatischer Rückspülung erfolgreich am Markt platziert.

Bild: MPDV Mikrolab GmbH
Bild: MPDV Mikrolab GmbH
Optimistischer Start ins Jahr 2023

Optimistischer Start ins Jahr 2023

Viele Produktionsunternehmen erkannten im zurückliegenden Jahr, dass Investitionen in den Bereichen Digitalisierung und smarte Fabrik eine positive Auswirkung auf die gestiegene Komplexität und die vielfältigen Herausforderungen am Markt nehmen können. So konnte die MPDV Gruppe mit Sitz in Mosbach zahlreiche Projekte mit Bestandskunden realisieren und Neukunden von ihren markterprobten Lösungen überzeugen.

Bild: Schott Systeme GmbH
Bild: Schott Systeme GmbH
Vollautomatisierte Bearbeitung auf der Intec 2023

Vollautomatisierte Bearbeitung auf der Intec 2023

Auf der Intec 2023 in Leipzig vom 7. bis zum 10. März demonstriert der deutsche Softwarehersteller Schott Systeme die signifikanten Leistungserweiterungen der Version 3.10 seiner Pictures by PC-CAD/CAM-Software. Diese Version baut auf fast 40 Jahre Softwareentwicklung des Anbieters auf, der mit seiner universellen CAD/CAM-Software Pictures by PC (Preis unter 10.000€) eine kostengünstige Lösung für alle Aspekte der Konstruktion und Fertigung bereitstellt – von der Lohnfertigung, dem Sondermaschinenbau bis hin zum Werkzeug- und Formenbau.

Bild: Mahr GmbH
Bild: Mahr GmbH
Messdaten bequem sichern

Messdaten bequem sichern

Bedienung per Touch, ein ergonomisches Handling und vielfältige Auswertemöglichkeiten: Dafür steht das Höhenmessgerät Digimar 817 CLT, das in den drei Messbereichen 350, 600 und 1.000mm zur Verfügung steht. Ein schwenkbares Touchdisplay sorgt dafür, dass sich das Messgerät von Mahr aus Göttingen so komfortabel bedienen lässt wie ein Tablet: Große Schaltflächen, übersichtlich gegliederte Menüs und selbsterklärende Icons gestatten schnelle flüssige Abläufe und beschleunigen somit den Messablauf.

Bild: Airbus
Bild: Airbus
Success-Story: Rauch und Feinstaub weg

Success-Story: Rauch und Feinstaub weg

Die Bearbeitung von Grauguss auf spanenden Werkzeugmaschinen stellt besondere Anforderungen an die Luftreinhaltung. Der hohe Kohlenstoffgehalt des Materials lässt große Mengen an Feinstaub und Rauch entstehen – vor allem bei Großmaschinen und beim Schruppen mit großer Zustellung. Spezielle Abscheider beispielsweise von Rentschler Reven schützen Mensch und Maschine.

Bild: Schaeffler Technologies AG & Co. KG
Bild: Schaeffler Technologies AG & Co. KG
Neuer Leiter Industrial Europa

Neuer Leiter Industrial Europa

Christian Zeidlhack (45) hat die Leitung für das Industriegeschäft in Europa sowie die Gesamtleitung der Subregion Zentral- und Osteuropa beim global tätigen Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler übernommen. In dieser Position verantwortet er das Direktkunden- und Vertriebspartnergeschäft der Sparte Industrial in der gesamten Region Europa sowie das gesamte Geschäft des Unternehmens in der Subregion.