Echtzeitüberwachung leicht gemacht

Der Nutzer kann beliebig Objekte im Bildmodell anklicken und Informationen über vorangegangene Arbeitsvorgänge abrufen.
Der Nutzer kann beliebig Objekte im Bildmodell anklicken und Informationen über vorangegangene Arbeitsvorgänge abrufen.Bild: Framence GmbH

Digitale Zwillinge bieten z.B. Automobilzulieferern die Plattform, ihre Werke von einem zentralen Ort aus zu überwachen und dabei in Echtzeit Einblicke in den Zustand ihrer Anlagen und Produktion zu erhalten, ohne sich vor Ort begeben zu müssen.

Was ist ein fotorealistischer digitaler Zwilling?

Die Abbildung der Realität in fotorealistischen digitalen Zwillingen ähnelt den aus Street View bekannten Abläufen. Die Anfertigung ist schnell und kostengünstig: Hierzu werden einfache Fotos benötigt, die selbst Laien mittels einer Digitalkamera erstellen können. Eine KI-basierte Software justiert die einzelnen Fotos zu einem großen Abbild der Umgebung und es entsteht ein maßhaltiger, digitaler Zwilling. 3D-Modellierungen sind nicht mehr notwendig.

Im fotorealistischen digitalen Zwilling lassen sich Anleitungen oder andere Informationen zu den dort vorhandenen Anlagen hinterlegen.
Im fotorealistischen digitalen Zwilling lassen sich Anleitungen oder andere Informationen zu den dort vorhandenen Anlagen hinterlegen. – Bild: Framence GmbH

Aufgrund des Einsatzes einer hersteller-agnostischen Software lassen sich jegliche Informationen aus Fremdsystemen wie Dashboards, Anleitungen oder Videos in den Zwilling einbinden und präzise an der jeweiligen Anlage anzeigen. Diese Informationen sind für Techniker auch in Augmented oder Virtual Reality (AR bzw. VR) abruf- und betrachtbar. Ist die Digitale-Zwillings-Software zudem hardwareunabhängig, wird für ihre Verwendung nur ein Endgerät mit Internetverbindung und Kamerafunktion (etwa ein PC oder Smartphone) benötigt.

Informationen in Echtzeit von jeglichem Standort

Durch die Integration von Echtzeitdaten über IoT-Sensoren in den fotorealistischen digitalen Zwilling lassen sich die Produktionsumgebungen virtuell erkunden. Die Mitarbeiter erhalten somit eine intuitive Visualisierung der Produktionsabläufe und können Probleme an den Anlagen oder Engpässe in der Stückzahlfertigung frühzeitig erkennen. Mithilfe der Echtzeitüberwachung sind Abweichungen vom Soll-Zustand sofort erkennbar. Das führt zu schnelleren Reaktionszeiten und einer effizienteren Fehlerbehebung bei den Anlagen.

Knowhow sichern
In Anbetracht der exponentiell wachsenden Menge an Informationen im Automobilbau einerseits sowie des Verlusts langjähriger Mitarbeiter durch den Ruhestand andererseits, gewinnen neue Formen des Wissensmanagements in der Produktion zunehmend an Bedeutung. Um das Knowhow der Mitarbeiter bezüglich der Anlagen im Betrieb zu halten, kommen Unternehmen an einer Digitalisierung dieses Wissens kaum vorbei.

Darüber hinaus gestatten Digital Twins eine detaillierte Analyse der Produktionsprozesse – und das von einer zentralen Plattform aus. Mit der Einbindung von Daten aus Fremdsystemen in den digitalen Zwilling können Techniker auf einen Blick Schwachstellen in der Produktion identifizieren sowie Optimierungspotenziale aufdecken. Automobilzulieferer und Fertigungsbetriebe verbessern so kontinuierlich ihre Produktionsprozesse, indem sie fundierte Daten und Erkenntnisse nutzen. Diese aus Fremdsystemen stammenden Daten werden auf einer übergreifenden Digitalen-Zwillings-Plattform dargestellt, die den Zugriff auf alle bestehenden Unternehmenssysteme bietet.

Dem Fachkräftemangel trotzen

Die Automobilindustrie und zahlreiche Industriezweige steht vor großen Herausforderungen: Unter anderem gestaltet sich die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften zunehmend schwierig, während gleichzeitig erfahrene Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Da alle Informationen zu den Anlagen eines Werks über den digitalen Zwilling abrufbar sind, kann ein einziger Spezialist oder Techniker mehrere Anlagen gleichzeitig aus der Ferne überwachen. Dabei spielt der Standort der Anlagen keine Rolle.

Sensorwerte werden in Echtzeit an den fotorelistischen Digital Twin übermittelt und dort angezeigt.
Sensorwerte werden in Echtzeit an den fotorelistischen Digital Twin übermittelt und dort angezeigt. – Bild: Framence GmbH

Des Weiteren erübrigen sich die meisten zeit- und kostenintensiven Begehungen der jeweiligen Werke, da die Daten in Echtzeit auf der Plattform zur Verfügung stehen. Sollte anhand der Daten ein Fehler auffallen, kann der Verantwortliche zunächst einen Mitarbeiter, der sich vor Ort befindet, zur Inspektion an die jeweilige Anlage schicken – und gegebenenfalls bei der Problembehebung ‚remote‘ über den Digital Twin unterstützen. So lassen sich Maßnahmen schneller, kosteneffizienter und mit weniger Personal umsetzen. Dies führt zu verbesserten Produktionsabläufen sowie zu einer Abfederung des Fachpersonalmangels.

Digital Twin als ‚Knowledge Hub‘

Die fotorealistische Umgebung holt die Realität auf den Monitor und erlaubt es den Spezialisten, ihr über die Jahre erlangtes Knowhow in Form von Notizen, Dokumenten, Anleitungen oder sogar Videos an der jeweiligen Anlage präzise zu verorten und für Kollegen zur Verfügung zu stellen. Alle Informationen sind im digitalen Zwilling für die nächste Generation von Mitarbeitern jederzeit abrufbar. So können Industriebetriebe nachhaltig die Folgen des demografischen Wandels abfedern und sich resilienter auf dem Markt positionieren.

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