Wichtiger Schritt in eine spannende Zukunft

Bei dem Nullpunktspannmodul Vero-S NSE3-PH 138 IOL mit integrierter Elektronik können alle Spannzustände einfach abgefragt werden - gleichzeitig bietet es die vergleichbare Leistung wie pneumatische Module bei identischem Einbauraum.
Bei dem Nullpunktspannmodul Vero-S NSE3-PH 138 IOL mit integrierter Elektronik können alle Spannzustände einfach abgefragt werden – gleichzeitig bietet es die vergleichbare Leistung wie pneumatische Module bei identischem Einbauraum.Bild: SCHUNK SE & Co. KG

Mit den neuen akkubetriebenen Spannmitteln bietet Schunk eine zukunftsweisende Lösung für Unternehmen, die prozessrelevante Zustände in Echtzeit erfassen und effizient an die Maschinensteuerung übermitteln möchten. Besonders attraktiv ist diese Technologie für Branchen, die sich von kostenintensiven Druckluft- und Hydrauliksystemen lösen wollen.

Prozessüberwachung in Echtzeit – drahtlos

Schunk setzt bei dieser Neuentwicklung auf IO-Link Wireless. Erstmals wurden auf der EMO 2025 akkubetriebene Tandem-Kraftspannblöcke der KSE3-Serie sowie Vero-S Nullpunktspannmodule vorgestellt, die diese Technologie nutzen. Die Ansteuerung und Übermittlung der permanent erfassten Zustände der Spannmittel erfolgen über IO-Link Wireless und einen IO-Link Master, der diese Informationen an die Maschinensteuerung überträgt. Ein Highlight ist hierbei die Zusammenarbeit mit Blum-Novotest, einem Spezialisten für BRC-Funktechnologie. Falls sich ein Blum-Messsystem mit BRC-Funktechnologie bereits im Einsatz befindet, lassen sich die neuen Spannmittel rasch und kosteneffizient in bestehende Fertigungsprozesse integrieren. Markus Michelberger, Vertriebsleitung Spanntechnik bei H.-D. Schunk Spanntechnik in Mengen, nimmt zu einigen Fragen Stellung.

Markus Michelberger, Head of Sales Clamping Technology
Markus Michelberger, Head of Sales Clamping Technology Bild: SCHUNK SE & Co. KG

Herr Michelberger, inwieweit ist die Entwicklung elektromechanischer Spannmittel ein wichtiger Schritt in die Zukunft?

Markus Michelberger: Die Weiterentwicklung elektromechanischer Systeme ist die Grundlage für die Digitalisierung und Automation in der industriellen Fertigung. Die Produktion der Zukunft wird auf der intelligenten Verbindung von Mechanik, Software und Daten basieren – effizient, nachhaltig und prozessoptimiert. Dabei spielen die Erfassung und Analyse von Daten eine entscheidende Rolle. Auch in der Zerspanung wird es immer wichtiger, prozessrelevante Zustände und Informationen in Echtzeit zu überwachen, um den Bearbeitungsprozess zu optimieren.

Das Ergebnis: weniger Verschleiß, kürzere Rüstzeiten und höhere Produktivität – allesamt wirtschaftlich entscheidende Faktoren. Ein weiterer Aspekt ist der wachsende Trend, Druckluft und Hydraulik zu vermeiden, auch in der Spanntechnik. Hier bestand bisher das Problem, dass der Maschinentisch frei von Elektrik war. Mit unseren neuen akkubetriebenen Spannmitteln und der drahtlosen Kommunikation via Funktechnik bringen wir die Fertigung einen entscheidenden Schritt weiter in Richtung Zukunft.

Welche Erklärung gibt es für den Trend, zunehmend auf Druckluft und Hydraulik verzichten zu wollen?

Pneumatische und hydraulische Systeme sind zweifellos eine große Errungenschaft und in vielen Anwendungen unverzichtbar. Dennoch gehen sie mit einigen Nachteilen einher: Sie benötigen eine umfangreiche Peripherie – wie Kompressoren, Leitungen, Aufbereitungssysteme und Armaturen – was hohe Kosten und Komplexität bedeutet.

Beeindruckend leistungsfähig
Trotz der Umstellung auf Akkubetrieb müssen Anwender keine Kompromisse bei Spannkraft und Einzugskraft eingehen. Die neuen Spannmittel bieten die gleiche Performance wie pneumatische oder hydraulische Systeme! Auch sind keine zusätzlichen Störkonturen vorhanden, da Aktorik und Elektronik vollständig im Spannmittel integriert sind. Die Signalverarbeitung erfolgt direkt im Spannmodul, sodass lediglich die IO-Link-Schnittstelle eingebunden werden muss. Die Spannmittel sind sowohl leistungsstark als auch äußerst effizient: Pro Akkuladung sind bis zu 1.000 Spannzyklen durchführbar. Damit setzt Schunk den Weg in eine nachhaltige, ressourcenschonende und hochproduktive Fertigung der Zukunft fort.

Zudem bergen sie das Risiko unerwünschter Leckagen. Elektromechanische Alternativen bieten hier klare Vorteile. Ohne Druckluft oder Hydraulik entfällt nicht nur die teure Peripherie, sondern auch das Risiko von Verschmutzungen oder Umweltschäden. Das macht elektromechanische Spanntechnik zu einer zukunftsweisenden und nachhaltigeren Lösung.

Für welche Anwendungen und Branchen ist die neu vorgestellte Spannlösung besonders geeignet?

Unsere akkubetriebenen elektromechanischen Spannmittel eignen sich überall dort, wo Leckagen oder Verschmutzungen absolut unerwünscht sind – etwa in Reinräumen oder der Lebensmittelproduktion. Auch in industriellen Automatisierungsanwendungen und Werkzeugmaschinen, bei denen prozessrelevante Zustände überwacht werden sollen, bieten sie enorme Vorteile. Mit der Datenübertragung via IO-Link Wireless setzen wir neue Maßstäbe, was Flexibilität und Automatisierung in der Spanntechnik betrifft. Die neue Lösung ist somit ein entscheidender Schritt in Richtung automatisiertes und vernetztes Spannen.

Und wie funktioniert die drahtlose Datenübertragung mit IO-Link Wireless konkret?

IO-Link Wireless ermöglicht – im Gegensatz zum kabelgebundenen IO-Link – die drahtlose Übertragung von Maschinendaten zwischen IO-Link-Geräten wie Sensoren oder anderen Messsystemen und einem IO-Link-Wireless-Master. Dieser empfängt die Daten und leitet sie an die Maschinensteuerung weiter.

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