
Wie sehen Sie den Markt aus technologischer Sicht im Allgemeinen und mit Blick auf die AMB im Besonderen?
Alexander Blum: Fertigungsmesstechnik, wie wir sie herstellen, ist heute weit mehr als ein Mittel zur Qualitätssicherung im Prozess. Sie wird zunehmend als Werkzeug verstanden, das Automatisierung vorantreibt – und sie an vielen Stellen überhaupt erst möglich macht. Unsere Produkte sind heute nahtlos mit innovativen einfachen Schnittstellen, bis hin zu Plug&Play-Softwarebausteinen, in den Prozess eingebunden. Dabei kommt uns zugute, dass immer mehr Bearbeitungstechnologien direkt in die CNC-Maschine integriert werden. Ein gutes Beispiel ist das Schleifen, das von spezialisierten Schleifmaschinen in die Bearbeitungszentren wandert – was wiederum in vielen Fällen die Qualität steigert, weil das Umspannen entfällt.
Komplettanbieter für Sensorik, technische Partnerschaften und konsequentere Prozesse
Um diesem Trend gerecht zu werden, haben wir für unsere Lasermesssysteme die Funktion GrindingControl entwickelt. Sie ermöglicht die präzise Ermittlung der tatsächlichen Geometrie von Schleifwerkzeugen. Auf Basis der erfassten Messdaten bestimmt die Software mithilfe intelligenter Algorithmen ein optimiertes Bearbeitungsmaß und überträgt dieses automatisch in die Werkzeugtabelle. Diese Funktion der Mess- und Automatisierungssoftware LC-Vision bringt die dynamische Vermessung von Schleifscheiben auf ein bisher unerreichtes Niveau.
Welche Produkte und Technologien präsentieren Sie darüber hinaus auf der AMB?
Wir sind nicht nur auf unserem Stand vertreten, sondern auch bei Wohlhaupter und Schunk. Mit AutoBore von Wohlhaupter und den akkubetriebenen Spannmitteln von Schunk zeigen wir zwei neue Anwendungen auf Basis unserer BRC-Funktechnologie. Für Anwender mit bereits installierten Blum-Messsystemen ergibt sich ein besonderer Vorteil: Die Integration erfolgt einfach, der zusätzliche Installationsaufwand bleibt minimal und die Kosten werden reduziert.
Unsere Produkte sind auch in vielen Maschinen bekannter Hersteller zu sehen. Dabei zeigen wir Lösungen, die echte Messautomation ermöglichen – weg vom reinen Protokollieren und hin zu Prozessintegration und Automatisierung dank gesammelter Messdaten. Mithilfe unserer Software FormControl X werden Werkstücke nicht nur direkt nach jeder Bearbeitung gemessen, sondern die Ergebnisse dienen auch gleich beim nächsten Bauteil als Korrekturwert und Basis einer Optimierung.
Eine wichtige Rolle bei Ihrem AMB-Auftritt spielen auch das neue Mehrzweckmessgerät MG81 und LC54-Digilog …

Das Mehrzweckmessgerät MG81 wird ebenfalls direkt in den Fertigungsprozess integriert. Das kompakte System im Scheckkartenformat wurde speziell für die sensorbasierte Zustandsermittlung von Spannsystemen entwickelt. Die erfassten Daten werden kabellos in Echtzeit an die Maschinensteuerung übertragen und für Prozesskorrekturen genutzt. Typische Anwendungen sind die Temperaturmessung bei Werkstücken mit schwankender Eingangstemperatur, die Überwachung von Spannkräften sowie die automatische Vorpositionierung von Spannbacken mittels integrierter Wegmesssensoren. Das sorgt für maximale Prozesssicherheit und kurze Zykluszeiten.
Mit dem LC54-Digilog präsentieren wir dagegen den Nachfolger des LaserControl Nano NT. Dank der innovativen Digilog-Technologie verarbeitet das extrem kompakte System mehrere tausend Messwerte pro Sekunde und erreicht eine Wiederholgenauigkeit von 0,2µm (2). Rundlauffehler, beispielsweise durch Verschmutzungen an der Werkzeugaufnahme, werden automatisch erkannt. Für die präzise Vermessung von Kleinstwerkzeugen sorgt der automatisch aktivierte MicroTool-Modus mit nochmals gesteigerter Messgenauigkeit.
Welchen wichtigen technischen Trend sehen Sie übergeordnet für Blum in den nächsten Jahren?
Hier bewegt uns unter anderem das Thema ‚Ausschuss‘, denn heute gibt es in modernen Prozessen mit geschlossenen Prozessketten eigentlich keinen Grund mehr, fehlerhafte Teile zu produzieren. Veränderungen im Bearbeitungsprozess – etwa durch Temperaturdrift, Vibrationen oder Werkzeugverschleiß – lassen sich heute problemlos im Mikrometerbereich erfassen und in Echtzeit kompensieren… und das lange, bevor auch nur eine Toleranzgrenze erreicht wird. Mit unseren Messsystemen und Softwarelösungen können wir den Prozess zeit- und ortsnah am Bearbeitungspunkt überwachen und den Zerspanungsprozess auf ein Niveau bringen, bei dem es praktisch keinen Ausschuss mehr gibt. Ausschuss kann dann durch Fehler und plötzliche Ereignisse, beispielsweise einen Werkzeugbruch, entstehen, aber nicht mehr durch die unvermeidlichen Schwankungen innerhalb des Prozesses. Wir haben die Produkte dafür im Portfolio.
Wie setzen Sie das um?
Wir gehen noch konsequenter auf die Prozesse unserer Kunden ein und positionieren uns – unter anderem auf der AMB – als Komplettanbieter für Sensorik. Wir bieten nicht nur ein Stück Hardware, sondern komplette Prozessintegrationen auf den unterschiedlichen Technologiestufen, die man sinnvoll und wertschöpfend einsetzen kann.
















