dima-Interview: Mehr Effizienz in der Fertigung

Timo Rüb, Vice President bei Valantic ERP Consulting, verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als SAP Consultant: "Durch Sammlung und Analyse von Echtzeitdaten können Hersteller die Produktionsprozesse überwachen, optimieren und vorhersagen, wann Wartungsarbeiten durchzuführen sind."
Timo Rüb, Vice President bei Valantic ERP Consulting, verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung als SAP Consultant: – Bild: valantic GmbH

Timo Rüb besitzt mehr als 20 Jahre Erfahrung als SAP Consultant. Seit 2016 leitet er Projekte rund um die SAP BTP.

dima Inwiefern kann die Fertigung konkret von Low-Code-/No-Code-Ansätzen profitieren?

Timo Rüb: Der Einsatz solcher Lösungen erlaubt es Unternehmen Anwendungen zu entwickeln, die ihren spezifischen Anforderungen entsprechen, ohne dass umfangreiche Softwareentwicklungskenntnisse erforderlich sind. Insbesondere Fertigungsunternehmen können damit Geschäftsprozesse optimieren, die Effizienz steigern und ihre Qualität verbessern. Das führt letztendlich in aller Regel zu einer erhöhten Wettbewerbsfähigkeit.

Beispielsweise gestatten Low-Code-/No-Code-Plattformen eine nahtlose Integration von IoT-Technologien in die Fertigung. Somit können Unternehmen Daten aus vernetzten Geräten und Sensoren sammeln und nutzen, um Prozesse zu überwachen, Wartungsbedarf vorherzusagen und Echtzeitinformationen zu erhalten.

dima Wie schaffen es Low-Code-/No-Code-Ansätze im Vergleich zu klassischen Softwareentwicklungsumgebungen, eine raschere Markteinführung mit hohen Effizienzgewinnen zu realisieren?

Low-Code-/No-Code-Plattformen bieten visuelle Drag-and-Drop-Tools und vorgefertigte Bausteine, mit denen sich Anwendungen ohne die Notwendigkeit umfangreichen Codings entwickeln lassen. Infolgedessen beschleunigt sich der Entwicklungsprozess, da viele komplexe Schritte und Syntaxdetails wegfallen. Die Plattformen nutzen häufig Automatisierungstools, um bestimmte Aufgaben zu vereinfachen oder zu eliminieren. Dies kann den Entwicklungsprozess optimieren und die Entwicklungszeit verkürzen. Mit Low-Code-/No-Code-Plattformen können Anwendungen einfach angepasst und iterativ verbessert werden. Dies erlaubt es Firmen, rasch auf geänderte Business-Anforderungen zu reagieren, ohne langwierige Entwicklungszyklen zu durchlaufen.

Bei der Auswahl solcher Lösungen sollten Unternehmen ihre Anwendungsstrategie allerdings im Blick behalten. Ein Wildwuchs von Low-Code-/No-Code-Lösungen gilt es zu verhindern. Hier ist die IT gefordert, einen entsprechenden Rahmen zu schaffen.

Für SAP-fokussierte Anwendungslandschaften kann SAP Build eine gute Wahl sein. Auf dieser Plattform lassen sich SAP-Applikationen und Anwendungen von Drittanbietern integrieren sowie Datenflüsse orchestrieren. Dafür bietet die BTP den Nutzern über den API-Hub eine ganze Reihe vorkonfigurierter Verknüpfungen. Zudem können Automatisierungen und RPA-Bots aktiviert werden, die wiederholende menschliche Aufgaben auf der Grundlage von Process-Mining-Erkenntnissen übernehmen und die datengesteuerte Prozessverbesserung im Betrieb beschleunigen.

Ausgebildete Anwendungsentwickler sind besonders nachgefragt: Sogenannte Citizen-Developer  - User von Low-Code-/No-Code-Lösungen aus den Fachabteilungen - 
entlasten sie bei ihren Entwicklungsaufgaben.
Ausgebildete Anwendungsentwickler sind besonders nachgefragt: Sogenannte Citizen-Developer – User von Low-Code-/No-Code-Lösungen aus den Fachabteilungen – entlasten sie bei ihren Entwicklungsaufgaben.Bild: ©3dkombinat/stock.adobe.com

Dessen ungeachtet stellen Low-Code-/ No-Code-Ansätze kein Allheilmittel dar. Sie eignen sich beispielsweise oft nicht für komplexere Anwendungen. In diesen Fällen ist es dann erforderlich, auf traditionelle Entwicklungsressourcen zurückzugreifen. Dennoch bieten diese Ansätze insgesamt eine leistungsfähige Möglichkeit, die Entwicklung und damit z.B. eine Markteinführung zu beschleunigen – insbesondere in Umgebungen mit sich häufig ändernden Anforderungen oder begrenzten Ressourcen.

dima Welche Low-Code-/No-Code-Automatisierungslösungen kommen speziell für die Fertigung infrage?

An erster Stelle stehen IoT- und Industrie 4.0-Technologien: Sie bieten die Vernetzung von Maschinen und Anlagen in der Fabrik. Durch Sammlung und Analyse von Echtzeitdaten können Hersteller die Produktionsprozesse überwachen, optimieren und vorhersagen, wann Wartungsarbeiten durchzuführen sind. Industrie 4.0-Konzepte integrieren IoT, künstliche Intelligenz und Big Data, um die Fertigung noch intelligenter und effizienter zu gestalten.

Ein Beispiel für eine Internet of Things-Low-Code-Anwendung sind IoT-Analytics und Datenvisualisierung etwa eines Greifroboters.
Ein Beispiel für eine Internet of Things-Low-Code-Anwendung sind IoT-Analytics und Datenvisualisierung etwa eines Greifroboters.Bild: ©1st footage/stock.adobe.com

Eine Schlüsselrolle übernimmt hier das Thema Integration, da die IoT-Geräte noch mit anderen Unternehmensanwendungen und IT-Services verknüpft werden müssen. Für SAP-Anwender kommt hier wieder die SAP BTP ins Spiel, die mit der Komponente ‚Integration Suite‘ eine leistungsfähige Cloud-Integrationsplattform enthält. Darüber hinaus gibt es noch Low-Code-Integrationsplattformen, die das Einbinden von IoT-Geräten vereinfachen sowie Datenquellen und Sensoren mit anderen Unternehmensanwendungen und Cloud-Services verknüpfen. Durch visuelles Mapping und Konfiguration können Entwickler Verbindungen zwischen den Komponenten herstellen, ohne umfangreiche Codes zu schreiben.

dima Gibt es weitere Gründe für Fertiger, auf Low-Code-/No-Code-Ansätze zurückzugreifen?

Low-Code-/No-Code-Angebote versetzen Betriebe in die Lage, mehr Entwicklungsressourcen in der eigenen Organisation zu aktivieren. Insbesondere an der Schnittstelle zwischen IT und Business gibt es aktuell einen massiven Engpass.

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