Kräftiges Multitalent für präzise Zerspanung

Diese Antriebswelle für die Baumaschinenindustrie wird auf der Index B400 komplett bearbeitet, inklusive einer gefrästen Passfedernut und beidseitigem Gewinde.
Diese Antriebswelle für die Baumaschinenindustrie wird auf der Index B400 komplett bearbeitet, inklusive einer gefrästen Passfedernut und beidseitigem Gewinde.Bild: Index Werke GmbH & Co. KG Hahn + Tessky

Es sind schwierige Zeiten für Deutschlands produzierende Branchen. Große Unternehmen klagen über zurückgehenden Absatz, den kleinen Dienstleistern und Zulieferbetrieben mangelt es häufig an Aufträgen. EMB Zerspanungstechnik mit seinen 25 Beschäftigten geht es vergleichsweise gut. Dafür sorgt ein solider Sockel an Bestandskunden aus Branchen wie der Gießereitechnik, dem Maschinenbau sowie der Fitness-, Lager- oder Motorenindustrie – wenngleich eine gewisse Zurückhaltung mit Aufträgen zu spüren ist. Doch EMB ist ausgezeichnet vernetzt, sodass zahlreiche Anfragen eingehen. Einkaufs- und Vertriebsleiter Steffen Dittmann weist darauf hin, dass es jedoch großer Anstrengungen bedarf, damit aus den Anfragen Aufträge werden: „Da müssen Qualität, Lieferzeit und vor allem die Kosten stimmen.“

EMB startete vor 70 Jahren als Gießerei für den Herd- und Ofenbau, nahm bald danach die mechanische Bearbeitung zum Angebot hinzu und setzt bereits seit 40 Jahren auf CNC-Zerspanung. Zentraler Knowhow-Träger ist der geschäftsführende Gesellschafter Michael Runkel, der schon als Schüler oft in der Fertigung mit dabei war. Im Jahr 2000 trat er als Maschinenbauingenieur offiziell ins Unternehmen ein und übernahm fünf Jahre später die Geschäftsführung. Mit seinem Sohn Kevin Runkel stieg 2018 bereits die vierte Familiengeneration ins Geschäft ein. Der studierte Betriebswirt arbeitet derzeit als Assistent der Geschäftsleitung und entlastet seinen Vater bei diversen kaufmännischen Prozessen.

Die Index B400 ist eine ideale Ergänzung für die Drehbearbeitung bei EMB Zerspanungstechnik.
Die Index B400 ist eine ideale Ergänzung für die Drehbearbeitung bei EMB Zerspanungstechnik.Bild: Index Werke GmbH & Co. KG Hahn + Tessky

Um kaufmännische Aufgaben kümmert sich zudem Steffen Dittmann: 2012 stieg er als Assistent der Geschäftsleitung ein, mit dem Ziel ein Qualitätsmanagementsystem nach 9001 sowie ein Umweltmanagement nach 14001 einzuführen. Über die Jahre kamen die Bereiche Einkauf und Vertrieb hinzu, die er heute als Prokurist verantwortet. Michael Runkel bestätigt: „Wir sind ein gutes Führungsteam und haben erstklassige, gut ausgebildete Mitarbeiter, die den Grundstock für unseren Unternehmenserfolg legen.“

Maschinen nur vom Feinsten

Der zweite wichtige Faktor für den Gewinn neuer Aufträge ist ein zum Bauteilspektrum passender Maschinenpark. „Hier verfolgen wir eine klare Strategie“, erklärt Runkel. „Wir wollen möglichst wenige Partner haben, dafür mit zuverlässigen Produkten und einem guten, schnellen Service. Die Verfügbarkeit der Maschinen ist das A und O. Darum arbeiten wir im Bereich Drehen ausschließlich mit Index zusammen – und das seit 40 Jahren.“

Eine enge und erfolgreiche Partnerschaft: (v.l.) Index Marketingleiter Rainer Gondek mit EMB Einkaufs- und Vertriebsleiter Steffen Dittmann, Index Gebietsverkaufsleiter Carsten Zander sowie EMB-Chef Michael Runkel und Fertigungsleiter Stefan Schäfer, flan

Eine enge und erfolgreiche Partnerschaft: (v.l.) Index Marketingleiter Rainer Gondek mit EMB Einkaufs- und Vertriebsleiter Steffen Dittmann, Index Gebietsverkaufsleiter Carsten Zander sowie EMB-Chef Michael Runkel und Fertigungsleiter Stefan Schäfer, flankiert vom Index Bereichsleiter Vertrieb Deutschland Lars Herrmann. Bild: Index Werke GmbH & Co. KG Hahn + Tessky

EMB startete damals mit einem numerisch gesteuerten Drehautomaten Index GE65/200NC, der Bauteile bis zu 65mm von der Stange und 250mm im Spannfutter in kleinen Losgrößen bearbeiten konnte. In den Jahren darauf folgten Index Drehmaschinen der Typen GU800, GFG250, V250, V200 und einige mehr.

Zerspanung in vielfältiger Form
EMB Zerspanungstechnik
wurde 1955 von Karl Runkel als Eisen und- Metallgießerei Biedenkopf gegründet. Schon früh kam die mechanische Bearbeitung dazu, die nach Schließung der Gießerei 1973 zur Kernkompetenz wurde. Heute führt Michael Runkel in dritter Generation die Geschäfte des Familienunternehmens, das jährlich zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. EMB konzentriert sich auf die Dreh- und Fräsbearbeitung von Formguss und Rohmaterial aus verschiedenen metallischen Werkstoffen. Ein wichtiges Merkmal ist das Komplettangebot, das von der Materialbeschaffung, Zerspanung, Oberflächenbehandlung bis zur Montage reicht. Dabei zeichnet sich EMB durch die Einhaltung gewünschter Qualitätsparameter, Liefertreue und transparente Prozesse aus. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus der Gießereibranche, dem Maschinenbau, der Motorenindustrie, der Antriebstechnik, der Landtechnik und Fitnessindustrie.

Aktuell stehen in der Produktionshalle sieben Index Drehmaschinen, darunter eine generalüberholte G800C mit neuer Siemens-Steuerung. Für Michael Runkel ist diese Maschine nach wie vor ein Leistungsträger: „Sie ist nicht mehr neuester Bauart, aber ein genialer Maschinenbau. Ideal für die Gussbearbeitung, denn ihre Steifigkeit und die erreichbare Präzision sind selbst von Neumaschinen kaum zu übertreffen.“ Ähnliches Lob spricht er auch für die Vertikaldrehmaschinen Index V250 und V200 aus: „Die Index V200 ist bereits 30 Jahre alt und läuft immer noch sehr genau und für uns sorgenfrei. Mit diesen Maschinen erreichen wir bei Gussteilen schier unglaubliche Stückzeiten.“

Vielfältiges Produktprogramm

Heute produziert EMB vor allem Riemenscheiben, Lagergehäuse, Seitendeckel, Kolben, Tragarmkomponenten sowie Räder und Rollen jeglicher Bauweise – in den meisten Fällen aus Grauguss, aber auch aus Stahlwerkstoffen, Edelstählen und Aluminium. Meist liegen die Serien zwischen 1.000 und 50.000 Teile pro Jahr.

Typische auf der Index B400 bearbeitete Teile: oben eine Antriebswelle mit Passfedernut und beidseitigem Gewinde; links eine Kühlkokille für eine Aluminiumgießerei, die auf der Index G250 vorbearbeitet wird und dann auf der Index B400 mit Reitstockfunktion den Außendurchmesser komplett überdreht bekommt; in der Mitte ein Kolben für eine Vakuumpumpe (besonders anspruchsvoll wegen hoher Form- und Lagetoleranzen sowie innenliegender präziser Passung; unten rechts in OP10 und OP20 bearbeitete Gussteile für Tragarmsysteme.
Typische auf der Index B400 bearbeitete Teile: oben eine Antriebswelle mit Passfedernut und beidseitigem Gewinde; links eine Kühlkokille für eine Aluminiumgießerei, die auf der Index G250 vorbearbeitet wird und dann auf der Index B400 mit Reitstockfunktion den Außendurchmesser komplett überdreht bekommt; in der Mitte ein Kolben für eine Vakuumpumpe (besonders anspruchsvoll wegen hoher Form- und Lagetoleranzen sowie innenliegender präziser Passung; unten rechts in OP10 und OP20 bearbeitete Gussteile für Tragarmsysteme.Bild: Index Werke GmbH & Co. KG Hahn + Tessky

Die Anforderungen sind sehr unterschiedlich – doch in jedem Fall suchen die EMB-Zerspaner nach einer Möglichkeit zur Komplettbearbeitung. Dementsprechend investierten sie in den vergangenen Jahren in die Dreh-Fräszentren G250 und G200, ausgestattet mit zwei Spindeln, zwei Revolvern und Y/B-Achse. „Da sich die Werkzeugträger der G-Maschinen auch mit angetriebenen Werkzeugen bestücken und simultan an Haupt- und Gegenspindel einsetzen lassen, sind diese beiden Maschinen hochproduktiv“, urteilt Geschäftsführer Runkel.

Universaldrehmaschine schafft Spielräume

Kapazitätsengpässe führten 2023 schließlich zum Kauf einer neuen Index Universaldrehmaschine B400. „Wir haben diverse Bauteile, die nur eine sehr kurze Bearbeitungszeit auf der Gegenspindel benötigen. Diese auf der G250 zu bearbeiten, ist ungeschickt, denn die zweite Spindel steht die meiste Zeit“, erklärt Michael Runkel. „So war unsere Überlegung, eine weitere Maschine anzuschaffen mit Haupt- und Gegenspindel, aber nur einem Revolver und niedrigerem Invest.“ EMB legte bei der Auswahl Wert auf die typisch hohe Index-Stabilität, auf ein Spannfutter mit 315mm Durchmesser und eine Gegenspindel. Diese sollte jedoch auch eine Reitstockfunktion übernehmen können, um ursprünglich auf der GU 800 gefertigte Teile zu übernehmen.

Fertigungsleiter Stefan Schäfer schätzt die einfache Bedienbarkeit der Index Drehmaschinen.
Fertigungsleiter Stefan Schäfer schätzt die einfache Bedienbarkeit der Index Drehmaschinen. Bild: Index Werke GmbH & Co. KG Hahn + Tessky

„Die Index B400 passt für unsere Zwecke genau“, bestätigt Runkel. „Durch die zweite Spindel eignet sie sich zur Komplettbearbeitung und ist vom Maschinenstundensatz noch in einem günstigen Rahmen, sodass wir bei den erwähnten Bauteilen die Rückseitenbearbeitung einfach hinten dranhängen können und trotzdem wirtschaftlich sind.“

Einfach zu rüsten und zu bedienen

Die Index B400 ist zwar nicht so schnell wie das Dreh-Fräszentrum G250, das mit zwei Revolvern parallel an Haupt- und Gegenspindel zerspanen kann. Aber durch die zwei Spindeln und die präzise Übergabe ist die B400 durchaus in der Lage, Werkstücke in hoher Qualität komplett zu bearbeiten. Ihr Maschinenaufbau macht die Universaldrehmaschine vielseitig einsetzbar. Sie eignet sich für kleine und große Futter- sowie Wellenteile in jeglicher Stückzahl, auch aus schwer zerspanbaren Werkstoffen. „Wir sind zwar ein Serienfertiger“, sagt Fertigungsleiter Stefan Schäfer, „haben aber auch kleine Losgrößen und Teile, die nur fünf Minuten laufen. Da ist einfaches Umrüsten wichtiger als kürzeste Bearbeitungszeiten. Die Index B400 ist super zugänglich und ermöglicht uns durch die W-Verzahnung ein sehr schnelles Werkzeugrüsten.“ Index Vertriebsleiter Lars Herrmann ergänzt: „Diese W-Verzahnung ist ein von uns patentiertes System, das eine Wiederholgenauigkeit von kleiner gleich 4µm garantiert. Zudem erhöhen sich durch die hohe Präzision die Werkzeugstandzeiten.“

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