
Nach einem vielversprechenden Start blieb die erwartete Erholung wichtiger Märkte im abgelaufenen Geschäftsjahr aus. Vor allem die Nachfrage in China und Europa stagnierte. „Dennoch hat die Plansee Group in diesem herausfordernden Umfeld Stärke und Resilienz bewiesen und sich stabil gehalten“, fasst Karlheinz Wex (Bild), Vorstandsvorsitzender der Plansee Group, die Entwicklung des Geschäftsjahres 2023/24 zusammen. Der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr ging im Vergleich zum Vorjahr um knapp drei Prozent zurück auf 2,28 Milliarden Euro. Die Absatzmenge war zwar ebenfalls rückläufig – vor allem aber aufgrund eines veränderten Produktmixes mit weniger Volumen und höherer Wertschöpfung. Steigende Kosten konnten durch Preisanpassungen weitgehend kompensiert werden. Insbesondere auf dem chinesischen Markt sei ein hoher Preisdruck zu spüren gewesen.
Während die Umsatzanteile der Plansee Group im Maschinenbau und in der Automobilindustrie rückläufig waren, stieg der Anteil der Luft- und Raumfahrt, der Energietechnik sowie in einigen Sparten der Halbleiterindustrie. Die Eigenkapitalquote stieg aufgrund des erwirtschafteten Jahresüberschusses und des Abbaus von Working Capital auf 57 Prozent.
Hoher Neuproduktanteil
Anlass für Optimismus sieht Karlheinz Wex in der Positionierung des Unternehmens. Angesichts zunehmender Abschottungs- und Deglobalisierungstendenzen sei man mit einem Vertriebs- und Produktionsnetz in allen wichtigen Weltregionen gut aufgestellt. „Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, in allen unseren Märkten neue Anwendungen für unsere Werkstoffe Wolfram und Molybdän zu erschließen, oft an der Grenze des technisch-physikalisch Machbaren“, betont Wex. Eine Schlüsselkennzahl dafür sei der Neuproduktanteil – er beschreibt den Anteil neuer Produkte am Umsatz im Kerngeschäft, die fünf Jahre oder jünger sind. Der Neuproduktanteil lag im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 38 Prozent nahe des Zielwerts von 40 Prozent. So wurden Werkzeuge für den Flugzeugbau, Komponenten für die Halbleitertechnik und die Stromübertragung, Drähte für medizinische Operationsroboter oder Hartmetalleinsätze für die Landwirtschaftstechnik entwickelt und auf den Markt gebracht.
Hohe Investitionen
Das Investitions- und Innovationsvolumen der Plansee Group stieg im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent auf 297 Millionen Euro. Zu den Investitionsschwerpunkten gehörten Kapazitätserweiterungen bei den Produktionswerken in Polen und Bulgarien und der Kauf von Gewerbegrund in Indien für den Ausbau der Fertigung. In Franklin, Massachusetts, USA, wurde ein neuer Reinraum für die Fertigung von Bauteilen für die Halbleiterindustrie gebaut. Für den geplanten Großelektrolyseur wurde in Reutte, Österreich, die Infrastruktur vorbereitet. Mit diesem soll Wasserstoff mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen produziert werden.
Von wachsender Bedeutung ist eine leistungsfähige IT-Infrastruktur – insbesondere zur Unterstützung von Automatisierung und Digitalisierung der Vertriebs- und Produktionsprozesse. Auch hier hat die Plansee Group im abgelaufenen Geschäftsjahr investiert. Weitere Investitionen flossen in neue Maschinen und Anlagen sowie in Produkt- und Technologieentwicklungen.
Werkzeuggeschäft gestärkt
Mit der Übernahme von zwei Unternehmen in China und den USA verstärkte die Plansee Group ihre Werkzeugsparte. Über das Tochterunternehmen Ceratizit wurde die Xceliron Corp. übernommen. Das US-amerikanische Unternehmen fertigt Spezialwerkzeuge aus Vollhartmetall für die Luft- und Raumfahrt und die Automobilindustrie. Über das Joint-Venture-Unternehmen CB-Ceratizit wurden 70 Prozent der Anteile an der Changzhou CW Toolmaker Inc. in China übernommen. Das Privatunternehmen ist auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Hartmetall-Schneidwerkzeugen für die Elektronikindustrie und einer Reihe anderer Industrien spezialisiert.
Bereits nah dran an Klimaneutralität
Für das vergangene Geschäftsjahr hat die Plansee Group erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. „Im Fokus unserer Bemühungen stehen derzeit die Reduzierung unseres CO2-Fußabdrucks und das Recycling unserer wertvollen Werkstoffe Molybdän und Wolfram“, so Karlheinz Wex. Im vergangenen Jahr hat die Plansee Group 90 Prozent recycliertes Wolfram in der Produktion eingesetzt. Mit dem Einkauf von Strom aus regenerativen Quellen und Maßnahmen zur Energieeinsparung konnte der CO2-Fußabdruck der Gruppe (Corporate Carbon Footprint) im Vergleich zum Basisjahr 2020/21 um 21 Prozent auf 305.000 Tonnen CO2e gesenkt werden. Der Anteil von Strom aus regenerativen Quellen beträgt inzwischen gruppenweit 92 Prozent. Mit der Installation eines Großelektrolyseurs, dem Recycling von Wasserstoff oder der Dekarbonisierung des Standorts Towanda sind wichtige Maßnahmen in Umsetzung, die in den nächsten Jahren dazu beitragen werden, das Ziel Klimaneutralität zu großen Teilen aus eigener Kraft zu erreichen.

















