„Industrie kann auf Expertise von Forschenden zählen“

Übergabe des Steuerruders von Prof. Michael Zäh (rechts) an den neuen Präsidenten Prof. Jürgen Fleischer.
Übergabe des Steuerruders von Prof. Michael Zäh (rechts) an den neuen Präsidenten Prof. Jürgen Fleischer. Bild: Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik e.V. – WGP

Fleischer, der 2026 Prof. Michael Zäh vom iwb München turnusgemäß ablöste, hat vor seiner Tätigkeit an der Universität Karlsruhe elf Jahre lang in der Industrie gearbeitet: „Wir verfügen nicht nur über geballtes wissenschaftliches Knowhow über das gesamte Spektrum der Fertigungstechnik, sondern bringen auch viel Industrieerfahrung mit ein. Wir kennen die Herausforderungen produzierender Unternehmen – und wir können und wollen ihnen helfen.“

In der WGP haben sich über 70 führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammengeschlossen. „Produzierende Unternehmen können sich das einmalige Knowhow der WGP zu allen Bereichen der Produktionstechnik – bis hin zu Zukunftsthemen wie Quantentechnologien – zunutze machen und gemeinsam mit uns passgenaue Lösungen für ihre spezifischen Anliegen entwickeln“, berichtet Fleischer. Im Verbund können zukunftsfähige Technologien entwickelt und wettbewerbsfähige Produktionssysteme konzipiert werden.

WGP arbeitet an Produktion von morgen

Die insgesamt 46 international renommierten Universitäts- und Fraunhofer-Institute der Mitglieder verfügen in ihren jeweiligen Themenfeldern über Labore auf höchstem technischem Stand, die sich als reale Experimentierfelder nutzen lassen. So können neue Ansätze etwa zu Digitalisierung, Automation oder Nachhaltigkeit erarbeitet werden. Die Karlsruher beispielsweise entwickelten für einen Maschinen- und Anlagenbauer einen 3D-Drucker für Faserverbundbauteile. Eine andere Firma unterstützten sie bei der Einführung von KI-gestützter optischer Qualitätskontrolle von im Sekundentakt gestanzten Biegeteilen. Aber auch mit Konsortien größerer Unternehmen arbeiten die Forschenden zusammen und schufen beispielsweise die weltweit erste hochflexible Produktionsanlage für Batteriezellen (AgiloBat).

WGP-Institute in Anspruch nehmen
„Das tiefe Verständnis von Fertigungssystemen in Deutschland und die Fähigkeit, innovative Entwicklungen für den Weltmarkt bereitzustellen, verschafft uns einen Vorsprung, den wir mit Blick auf die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie dringlicher denn je nutzen müssen“, mahnt der neue WGP-Präsident. Die Herausforderungen der neuen Technologien sind gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wichtig, um sich zukunftsfähig zu machen. „Die WGP-Institute bieten ihnen hierfür hervorragende Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.“

Insbesondere Künstliche Intelligenz wird die Produktion radikal verändern. „Doch gerade kleine und mittelständische Unternehmen – das Rückgrat unseres Wohlstands – haben oft nicht die notwendigen personellen und finanziellen Mittel für die Transformation“, gibt der Karlsruher Wissenschaftler zu bedenken. Die WGP hat daher das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt ProKI im Januar 2025 unter ihrem Dach verstetigt und bietet seither Workshops, Beratungen, Seminare und Demonstratoren an – eine niedrigschwellige Unterstützung, die allen zugutekommt.

Tempo von den Chinesen lernen

Fleischer ist seit über zehn Jahren auch Advisory Professor an der Tongji Universität in Shanghai, wo er ein Technologiezentrum für „Advanced Manufacturing“ aufgebaut hat. „China ist und bleibt ein wichtiger Markt für uns“, betont er. „Früher war ich unter anderem dort, um deutsche Unternehmen zu unterstützen. Heute bin ich dort, um von den Chinesen zu lernen, wie man in einer derart erstaunlichen Geschwindigkeit und Effizienz den Maschinen- und Anlagenbau vorantreiben kann. Das müssen wir uns abgucken, wenn wir nicht auf dem Weltmarkt ins Hintertreffen geraten wollen.“

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