Ausgezeichnete Werkzeugmaschine erhält neuen Anstrich

Weltpremiere: Heller CEO Dr. Thorsten Schmidt bei der offiziellen Enthüllung des Heller Tokn auf der AMB 2024 in Stuttgart.
Weltpremiere: Heller CEO Dr. Thorsten Schmidt bei der offiziellen Enthüllung des Heller Tokn auf der AMB 2024 in Stuttgart.Bild: Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH

Marcus Kurringer, Leiter Marketing bei der Gebr. Heller Maschinenfabrik in Nürtingen, und Tim R. Wichmann von der Designagentur Kaikai aus München erläutern den gemeinsamen Weg von der Idee bis zur finalen Umsetzung.

dima Mit welcher Absicht gibt Heller dem CNC ProfiTrainer ein neues Design?

Marcus Kurringer: Zuallererst möchte ich die Geschichte des Konzeptes erläutern. Fachkräfte bestimmen den Erfolg und somit die Wirtschaftlichkeit von Produktionssystemen. Qualifizierte Fachkräfte für die Serienproduktion zu finden ist eine große Herausforderung. Ein Lösungsansatz lautet: handlungsorientiert und zielgerichtet selbst ausbilden. Im Hause Heller wurde schon früh der Bedarf an unterschiedlich qualifizierten Fachkräften erkannt. Um das Wissen der NC-Technik besser darstellen und vermitteln zu können, wurde bereits Anfang der 1980er Jahre ein völlig neues Lehr- und Übungsgerät entwickelt: der CNC ProfiTrainer. Dieses System ist eine echte CNC-gesteuerte Werkzeugmaschine, mit der sowohl die Erstausbildung als auch die Anpassungsausbildung durchgeführt werden kann. CNC-Maschinen müssen von fachkundigem Personal programmiert, bedient und gewartet werden. Auch der Kunde erwartet eine entsprechende Ausbildung, damit er die Leistungsfähigkeit der Maschine voll nutzen kann. Damals wie heute gilt diese Anforderung. In der Heller Ausbildung wurden zahlreiche junge Menschen auf diesen Geräten für die Berufspraxis qualifiziert. Im Schulungszentrum der Heller Academy haben unterschiedliche Anwender sowohl aus dem eigenen Haus als auch von unseren Kunden die Vorzüge dieses Trainingssystems persönlich kennengelernt.

Um die Identifikation, die Akzeptanz sowie die Bedienbarkeit entscheidend zu verbessern, haben wir uns entschieden, dem platzsparenden und mobilen Gerät im Rahmen eines Design-Facelifts ein modernes Erscheinungsbild zu geben. Und wir haben uns entschieden, mit diesem weiteren Entwicklungsschritt ‚dem Kind‘ auch einen neuen Namen zu geben – Heller Tokn.

dima Was sind die Vorteile des Heller Tokn?

Kurringer: Das originalgetreue 5-achsige Modell einer Werkzeugmaschine ist nicht nur eine mehrfach ausgezeichnete Bildungsmaschine, die durch zahlreiche Vorteile bei der Qualifizierung von Fachkräften überzeugt. Das neu designte Modell verkörpert auch all die Leidenschaften, die wir bei Heller pflegen – als Botschafter unseres Engagements für unsere Kunden und unserer technologischen Exzellenz für maßgeschneiderte Lösungen.

Der Tokn ist sowohl das Werkzeug als auch die damit zu bauende Maschine. Dieses kleine Pendant einer großen CNC-gesteuerten Heller Werkzeugmaschine bietet die gleichen Funktionalitäten, hat aber darüber hinaus weitere Vorteile bei der Qualifizierung von Fachkräften – bei Heller übrigens wie schon erwähnt seit nunmehr über 30 Jahren.

Die Vorteile des Tokn:

Das Gerät schließt die Lücke zwischen gedruckten Unterlagen für das Selbststudium, virtuellen Trainingskursen und der realen Produktionsserienmaschine.
Das Gerät schließt die Lücke zwischen gedruckten Unterlagen für das Selbststudium, virtuellen Trainingskursen und der realen Produktionsserienmaschine. Bild: Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH
  • echte Zerspanung bei voller Maschinenkonfiguration
  • originale Industriekomponenten in der Anwendung
  • Abbildung der Realität im originalgetreuen Modell
  • Maschine toleriert Bedienfehler
  • sichere, gefahrreduzierte Bedienung
  • räumlich ungebundene, fahrbare Einheit (mobil)
  • ‚Kleinformat‘ motiviert zum Ausprobieren

Der Tokn ist für den handlungsorientierten Praxiseinsatz und eine schulungsgerechte Bedienung hervorragend geeignet. Außerdem ist er portabel und kann – ganz im Gegensatz zur Original Heller Werkzeugmaschine und anderen Trainingssystemen – zum Bediener und dessen Arbeitsplatz transportiert werden. Entwickelt, gefertigt und in Betrieb genommen wird der Tokn von den Auszubildenden der Gebr. Heller Maschinenfabrik in Nürtingen. Die linearen Achsen bewegen das Werkzeug, rotatorische Achsen die Werkstücke. Steuerung und Schaltschrank sind wie die Bearbeitungszentren der aktuellen Modellbaureihen mit realen Steuerungskomponenten bestückt. Der Tokn ist mit der neuesten CNC-Steuerung von Siemens (Sinumerik One) ausgestattet – kombiniert mit einer intuitiven Benutzeroberfläche, die es den Auszubildenden gestattet, von Beginn an mit Hochleistungsmaschinen zu arbeiten.

Mit dem Tokn können nicht nur Bedienung und Programmierung geschult werden. Programme lassen sich auf dem Trainingsgerät wie auf den Originalmaschinen testen und ausführen. Auf beiden Systemen sind Bauteile real zerspanbar. Originalbauteile helfen bei Kursen der mechanischen und elektrischen Instandhaltung, reale Fehlersituationen nachzustellen und zu lösen. Alle Bedienfunktionen der Heller Maschinen sind integriert. Nicht ausführbare Maschinenfunktionen werden während der Laufzeit in der Steuerung simuliert. Ein zusätzliches Touch-Panel-Anzeigegerät erweitert den Bedienkomfort des Systems und seiner peripheren Geräte. Seine adaptiven Lernsysteme passen sich dem individuellen Lerntempo jedes Nutzers an, was zu einer maßgeschneiderten Entwicklung und Förderung der individuellen Stärken befähigt, während gleichzeitig Schwächen gezielt verbessert werden.

Fazit: Mit dem Einsatz von CNC-Trainingssystemen lassen sich Fachkräfte zielgerichtet, handlungs- und praxisorientiert qualifizieren. Mit dem System werden sie im gefahrlosen Bedienen von Bearbeitungszentren trainiert und können bei voller Maschinenkonfiguration echte Zerspanung realisieren. Da viele Menschen vor kleinen Dingen oft weniger Hemmungen als vor großen Originalen haben, hilft das Konzept, Vorbehalte und Schwellenängste abzubauen. Das Gerät schließt die Lücke zwischen gedruckten Unterlagen für das Selbststudium, virtuellen Trainingskursen und der realen Produktionsserienmaschine. Experten fallen nicht vom Himmel, sondern müssen regelmäßig qualifiziert werden. Je intensiver dies erfolgt, desto wirtschaftlicher arbeitet ihr Produktionssystem.

dima Was waren die ausschlaggebenden Argumente, für das Projekt die Firma Kaikai ins Boot zu holen?

Kurringer: Mit Kaikai haben wir einen Dienstleister eingebunden, der uns nicht nur professionell in der Designentwicklung und -umsetzung begleitet und den bisherigen Status quo kritisch hinterfragt hat. Vor allem vermittelte er durch seine große Erfahrung in der Designentwicklung vieler weiterer Produkte und mit innovativen Ansätzen für uns entscheidende Impulse.

‚Passion for Production‘: Mit dem Tokn lassen sich sowohl die Fähigkeiten junger Ingenieure und Facharbeiter fördern als auch ihre Leidenschaft für die Produktionstechnologie entflammen.
‚Passion for Production‘: Mit dem Tokn lassen sich sowohl die Fähigkeiten junger Ingenieure und Facharbeiter fördern als auch ihre Leidenschaft für die Produktionstechnologie entflammen.Bild: Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH

Tim R. Wichmann: In den mehr als fünfzehn Jahren, in denen wir über 500 Maschinen designt und teilweise mitentwickelten, stand Heller immer ganz oben auf unserer ‚Wunschliste‘ aufgrund seiner beeindruckenden Qualität und vor allem seiner Geschichte sowie Tradition. Dass Heller das erste Maschinenbau-Unternehmen war, das 1913 eine eigene Ausbildungsabteilung gründete, ist ein in heutigen Tagen starkes Statement. Stellvertretend dafür steht in unseren Augen das Projekt ‚ProfiTrainer‘. Die Idee dahinter finden wir von Kaikai faszinierend. Umso mehr freuten wir uns über die Anfrage und die Offenheit für unsere neuen Ideen.

Gutes Design entsteht nicht nur durch gute Designer, sondern auch mit denjenigen, die es umsetzen. Hier sind wir bei Heller auf eine unfassbare interne Motivation gestoßen. In all den Jahren haben wir noch keine so schnelle und qualitativ hochwertige Umsetzung des ersten Prototypen in house erlebt. Mit Sicherheit lag es daran, dass aufgrund des Zeitmangels so gut wie alles intern umgesetzt wurde – in Nachtschichten und an Wochenenden. Das hat uns extrem begeistert.

dima Was hat es mit den YouTube Episoden auf sich und wo kann man diese anschauen?

Wichmann: Unsere Idee war es, nicht nur im ‚stillen Kämmerlein‘ ein Design zu entwickeln, welches dann auf einer Messe als Weltpremiere präsentiert wird. Dieser Moment verfliegt viel zu schnell und die ganze Arbeit, die in die Entwicklung sowie Umsetzung geflossen ist, sieht man nicht. Über die EPISODEN möchten wir genau hier das Publikum – bestehend aus Mitarbeitenden, Kunden, zukünftigen Auszubildenden und potenziellen Kunden – an die Hand nehmen und Werte sowie Missionen und Visionen des Unternehmens Heller modern und nachhaltig kommunizieren. Der Maschinenbau tut viel Gutes, erzählt aber nichts darüber. Das wollen wir ändern.

dima Für was steht der Tokn? Welche Gedanken stecken dahinter?

Kurringer: Der Tokn steht nicht nur für unsere technologische Exzellenz und die maßgeschneiderten Lösungen, die Heller auszeichnen. Viel mehr repräsentiert er eine neue Ära in der Ausbildung und beruflichen Entwicklung innerhalb der Fertigungsindustrie. Mit dem Tokn können wir nicht nur die Fähigkeiten junger Ingenieure und Facharbeiter fördern, sondern auch ihre Leidenschaft für die Produktionstechnologie entflammen. Er ist ein kraftvolles Symbol für unser Engagement, tiefgreifendes Wissen und essenzielle Fähigkeiten zu vermitteln, die unsere Branche vorantreiben und die Herausforderungen von morgen meistern helfen.

Jeder Schritt in der Entwicklung des Tokn wurde von unserer Leidenschaft für Technologie und Ausbildung geleitet. Diese Leidenschaft manifestiert sich in der Anfangsphase der Nutzung des Tokn durch jeden Lernenden, charakterisiert durch Neugier und das Streben nach Wissen. Hier kommt unser Motto ‚Passion for Production‘ voll zum Tragen. Der Tokn ist speziell dafür entwickelt, diese anfängliche Neugier zu nähren und in eine tiefe sowie dauerhafte Leidenschaft für den Maschinenbau zu verwandeln. Der Tokn ist auch ein Beweis für unsere berufliche Hingabe. Er ist das Ergebnis jahrelanger Forschung, Entwicklung und der Zusammenarbeit zwischen unseren erfahrensten Ingenieuren und den visionärsten Designern. Er setzt ein klares Zeichen für unser Engagement, die Fachkräfte von morgen optimal auszubilden und vorzubereiten.

dima Wie sehen die weiteren Schritte aus?

Kurringer: Die offizielle Enthüllung und damit die Premiere des Heller Tokn fand auf unserem Messestand auf der AMB 2024 in Stuttgart statt. Seither haben wir bereits zahlreiche Anfragen für den Tokn erhalten – und das aus aller Welt. Um die Vorzüge und das Konzept auch zukünftig weiter zu vermitteln, haben wir die Aktion ‚Tokn on tour‘ gestartet, mit der wir den Tokn auf zahlreichen Fachmessen und Ausbildungsveranstaltungen präsentieren und erläutern. Ebenso haben wir eine US-Version erstellt, die wir unserer US-amerikanischen Heller Tochter zur Verfügung stellen werden. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir mit dem German Design Award 2025 in der Kategorie ‚Excellent Product Design – Industry für herausragende Designqualität‘ ausgezeichnet worden sind.

„Mit dem Tokn lancieren wir nicht nur neue Wege in der technischen Ausbildung, sondern fördern auch die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen, Industrieunternehmen und Technologieanbietern“, betont Heller Marketingleiter Marcus Kurringer. „Diese Partnerschaften sind entscheidend, um den Anforderungen der modernen Produktionsumgebungen gerecht zu werden und sicherzustellen, dass unsere Ausbildungsprogramme aktuell und relevant bleiben.“

Kaikai Design