Spaltmessung neu definiert

Die erfassten Daten vom 'GapMaster' werden in Echtzeit auf einem Tablet-PC visualisiert und gewährleisten so eine unmittelbare Analyse und Dokumentation der Messergebnisse. Dies erlaubt eine Prozessoptimierung und Qualitätssicherung in der Praxis bei vielen Anwendungen.
Die erfassten Daten vom ‚GapMaster‘ werden in Echtzeit auf einem Tablet-PC visualisiert und gewährleisten so eine unmittelbare Analyse und Dokumentation der Messergebnisse. Dies erlaubt eine Prozessoptimierung und Qualitätssicherung in der Praxis bei vielen Anwendungen.Bild: MFP Messtechnik und Fertigungstechnologie GmbH

Unzureichende Spaltmessungen können zu Produktionsfehlern, erhöhtem Materialverschleiß und ineffizienten Fertigungsprozessen führen. Dies betrifft beispielsweise die Justage von Türen und Klappen, die Kontrolle von Werkzeug- und Formenabständen sowie die Luftspaltmessung in Turbinen oder Elektromotoren. Mit fortschreitender Automatisierung und der steigenden Nachfrage nach Präzision in der Produktion gewinnt die Spaltmessung weiter an Bedeutung.

Mit der gezielten Anwendung moderner Messtechnik können Unternehmen nicht nur Ausschuss reduzieren, sondern auch die Montageprozesse verbessern und die Lebensdauer ihrer Produkte verlängern. Nachfolgend werden die verschiedenen Messverfahren zur Spaltmessung analysiert sowie ihre Vor- und Nachteile aufgezeigt, um den richtigen Einsatz zur Prozessoptimierung und Qualitätssicherung in der Praxis zu gewährleisten.

Stand der Technik

Das Einschieben kalibrierter Fühlerlehren in den Spalt, lässt sich als mechanisches Verfahren zum Bestimmen der Spaltbreite einordnen. Es ist materialunabhängig und liefert Messergebnisse, jedoch mit geringer Auflösung, großen Abweichungen und hohem manuellen Aufwand. ‚Spione‘ sind Kugel- oder andere Lehren, die in den Spalt eingeführt werden. Sie sind einfach anwendbar, bieten jedoch lediglich eine Gut/Schlecht-Aussage und liefern keine Informationen über den Fertigungsprozess. Keil- und Kegelmessverfahren nutzen konische Messkörper, die in den Spalt eingeführt werden. Die Eindringtiefe gibt die Spaltbreite an. Diese Technik eignet sich für größere Spaltmaße, ist allerdings deutlich von der Geometrie des Prüfobjekts abhängig und bietet eine begrenzte Auflösung und Ablesbarkeit.

Das Messverfahren umfasst die Einführung eines flexiblen Spaltsensors über eine biegsame Lanze in den zu messenden Spalt. Der Sensor befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Spaltwandung und ermöglicht eine präzise Messung der Spaltbreite auch im Spaltinne
Das Messverfahren umfasst die Einführung eines flexiblen Spaltsensors über eine biegsame Lanze in den zu messenden Spalt. Der Sensor befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Spaltwandung und ermöglicht eine präzise Messung der Spaltbreite auch im Spaltinneren. – Bild: MFP Messtechnik und Fertigungstechnologie GmbH

Laserbasierte Spaltmesssysteme nutzen optische Triangulation oder Interferometrie zur präzisen Abstandsmessung. Sie bieten eine berührungslose Messung mit hoher Auflösung und Materialunabhängigkeit. Nichtsdestotrotz sind sie empfindlich gegenüber Oberflächenbeschaffenheit und Krümmungen, was ihre Anwendung in komplexen Geometrien limitiert. Messungen im Spaltinneren sind nicht möglich. Zu guter Letzt messen kapazitive Sensoren Änderungen im elektrischen Feld zwischen zwei Elektroden und erlauben so das Ermitteln von Spaltabständen. Sie eignen sich für dünne Spalte, sind aber wesentlich sowohl von Materialeigenschaften als auch Umgebungseinflüssen abhängig, was ihre universelle Anwendbarkeit einschränkt.

Problemanalyse

Konventionelle Spaltmessverfahren weisen erhebliche Einschränkungen auf. Mechanische Methoden, wie Fühlerlehren oder Messkeile, sind mit einer gewissen Ungenauigkeit behaftet. Zudem ist ihre Anwendung in hohem Maße an die Expertise des Anwenders geknüpft und sie erweisen sich für komplexe Geometrien als suboptimal. Auch der Einsatz von Spionen liefert nur indirekte Werte, die keine Rückschlüsse auf die Fertigung zulassen. Berührungslose Verfahren, wie sie mit Lasern realisiert werden, bieten hohe Auflösungen, sind aber empfindlich gegenüber spiegelnden oder strukturierten Oberflächen. Die industrielle Anwendung kapazitiver Sensoren wird durch ihre Empfindlichkeit gegenüber Materialeigenschaften und Umwelteinflüssen begrenzt. Diese Herausforderungen erfordern innovative Messtechnologien, die unabhängig von Material und Geometrie präzise, prozesssichere und automatisierbare Ergebnisse liefern.

Neue Entwicklungen: taktile Widerstandsmesstechnik

Die beschriebenen Einschränkungen konventioneller Spaltmessverfahren verdeutlichen den Bedarf an einer innovativen Lösung, die eine material- und oberflächenunabhängige, hochpräzise sowie prozessintegrierbare Spaltmessung gestattet. Das optimierte Messverfahren sollte eine hohe Auflösung bei gleichzeitiger mechanischer Robustheit bieten und sich sowohl für kleinste als auch für größere Spaltmaße eignen.

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