Westlicher Maschinenbauer meistert globale Herausforderungen

Executive Chairman Stephan Nell: "Unsere Kunden erhalten das Beste aus zwei Welten: die Spezialisierung und Nähe einer starken Marke sowie die Ressourcen und Innovationskraft einer globalen Technologiegruppe."
Executive Chairman Stephan Nell: „Unsere Kunden erhalten das Beste aus zwei Welten: die Spezialisierung und Nähe einer starken Marke sowie die Ressourcen und Innovationskraft einer globalen Technologiegruppe.“ – Bild: United Machining Solutions Management AG

United Maching Solutions ist einer der wenigen westlichen Werkzeugmaschinenhersteller mit weit über 1 Milliarde Euro Umsatz, der nicht asiatisch ist. Das ist gleichermaßen bemerkenswert wie beunruhigend, zumindest für westliche Industrienationen.

dima Stephan Nell, mit welchen Mitteln haben Sie sich diese Position erarbeitet bzw. bewahrt?

Stephan Nell: Unser Erfolg basiert nicht auf einem einzelnen Faktor, sondern auf einer konsequent verfolgten Strategie über viele Jahre hinweg. Wir investieren kontinuierlich in Innovation, Technologieentwicklung und die internationale Präsenz unserer Marken. Gleichzeitig haben wir uns immer darauf konzentriert, echten Kundennutzen zu schaffen und nicht kurzfristigen Markttrends hinterherzulaufen. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist unsere breite technologische Aufstellung. Mit unseren 15 Marken decken wir zentrale Fertigungstechnologien vom Schleifen, Fräsen, Lasern und EDM bis hin zu Automation, Software und Digitalisierung ab. Damit können wir unseren Kunden ganzheitliche Lösungen anbieten und sind weniger abhängig von einzelnen Marktsegmenten.

Hinzu kommt unsere starke Unternehmenskultur. Wir denken langfristig, investieren auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten und pflegen eine große Nähe zu unseren Kunden. Diese Kombination aus technologischer Exzellenz, Kundennähe und unternehmerischer Kontinuität hat uns geholfen, unsere Position im internationalen Wettbewerb auszubauen.

dima Wie wichtig ist es Ihnen, die einzelnen Marken der Unternehmensgruppe in den Fokus zu stellen?

Unsere Marken sind das Fundament des Erfolgs. Viele von ihnen verfügen über jahrzehntelange Erfahrung, eine starke Marktposition und eine hohe Glaubwürdigkeit bei ihren Kunden. Diese Identität und technologische Kompetenz wollen wir bewusst erhalten und weiter stärken.

Mit seinen 15 Marken deckt der Global Player zentrale Fertigungstechnologien vom Schleifen, Fräsen, Lasern und EDM bis hin zu Automation, Software und Digitalisierung ab.
Mit seinen 15 Marken deckt der Global Player zentrale Fertigungstechnologien vom Schleifen, Fräsen, Lasern und EDM bis hin zu Automation, Software und Digitalisierung ab. – Bild: United Machining Solutions Management AG

Gleichzeitig profitieren die Marken heute mehr denn je von der Zugehörigkeit zu einer starken Gruppe. Forschung und Entwicklung, Digitalisierung, Automation, globale Vertriebsstrukturen oder Servicekompetenzen lassen sich gemeinsam nutzen. Unsere Kunden erhalten dadurch das Beste aus zwei Welten: die Spezialisierung und Nähe einer starken Marke sowie die Ressourcen und Innovationskraft einer globalen Technologiegruppe. Unser Ziel ist deshalb nicht, die Marken zu vereinheitlichen, sondern ihre individuellen Stärken gezielt weiterzuentwickeln und miteinander zu vernetzen.

dima Gibt es ‚Säulen‘, die dafür sorgen, dass Sie als Maschinenbauer über viele Jahre stabil durch den Markt kommen, z.B. kontinuierliche Entwicklungskosten, selbst hergestellte Teile oder gezielte Marketing-Aktivitäten?

Ja, wir verfügen über mehrere strategische Säulen. An erster Stelle steht die kontinuierliche Investition in Forschung und Entwicklung. Gerade in unserer Branche entstehen Wettbewerbsvorteile nicht kurzfristig, sondern durch konsequente Innovationsarbeit über viele Jahre hinweg. Eine weitere wichtige Säule ist unsere hohe Fertigungstiefe bei technologisch kritischen Komponenten. Dadurch sichern wir Knowhow, Qualität und Lieferfähigkeit und machen uns unabhängiger von externen Einflüssen.

„Europa und die westlichen Industrienationen verfügen über hervorragende Ingenieurskompetenz, Innovationskraft und hochqualifizierte Fachkräfte“, betont Nell. „Diese Stärken müssen wir konsequent nutzen und weiterentwickeln.“
„Europa und die westlichen Industrienationen verfügen über hervorragende Ingenieurskompetenz, Innovationskraft und hochqualifizierte Fachkräfte“, betont Nell. „Diese Stärken müssen wir konsequent nutzen und weiterentwickeln.“ – Bild: United Machining Solutions Management AG

Hinzu kommt unsere globale Aufstellung. Wir sind in den wichtigsten Industrieregionen der Welt präsent und können damit regionale Schwankungen besser ausgleichen. Gleichzeitig investieren wir gezielt in Digitalisierung, Automation und Serviceangebote, um unsere Kunden entlang des gesamten Lebenszyklus ihrer Maschinen zu begleiten. Nicht zuletzt spielt auch unsere starke Markenführung eine wichtige Rolle. Vertrauen entsteht über Jahre und oft über Generationen hinweg. Dieses Vertrauen ist ein wertvoller Wettbewerbsfaktor.

dima Die Geschäftsleitung ist zum Teil Investor innerhalb der Unternehmensgruppe: Hat dies Auswirkungen auf die Art der Führung?

Absolut. Wenn Führungskräfte gleichzeitig unternehmerisch beteiligt sind, entsteht eine andere Perspektive auf Entscheidungen. Man denkt langfristiger, übernimmt mehr Verantwortung und bewertet Investitionen nicht nur nach kurzfristigen Ergebnissen, sondern nach ihrem nachhaltigen Beitrag zum Erfolg.

Wir handeln unternehmerisch, treffen Entscheidungen mit Augenmaß und haben einen klaren Fokus auf die langfristige Entwicklung der Gruppe. Gleichzeitig stärkt dies die Identifikation mit dem Unternehmen und schafft eine hohe Kontinuität in der strategischen Ausrichtung.

dima Welchen Wunsch oder Tipp für die naheliegende Zukunft haben Sie, damit westliche Fertigungsunternehmen wieder an Fahrt gewinnen?

Wir sollten wieder mehr auf unsere eigenen Stärken vertrauen. Europa und die westlichen Industrienationen verfügen über hervorragende Ingenieurskompetenz, Innovationskraft und hochqualifizierte Fachkräfte. Diese Stärken müssen wir konsequent nutzen und weiterentwickeln. Dazu gehören Investitionen in Bildung, Forschung und moderne Produktionsstandorte ebenso wie der Mut, neue Technologien schneller in die industrielle Praxis zu überführen. Gleichzeitig benötigen Unternehmen verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, um langfristig investieren zu können.

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