
Die Spätschicht ist längst vorbei, doch in der Fertigung von Berger Frästechnik laufen die Maschinen weiter. Werkstücke werden automatisch an die Bearbeitungsmaschine übergeben, unterschiedliche Aufträge nacheinander abgearbeitet. Möglich macht das eine Spanntechnik-Lösung, die speziell auf die Anforderungen des Unternehmens abgestimmt ist.

Berger Frästechnik ist ein spezialisierter und hochqualifizierter Fertigungspartner mit Sitz im Schwarzwald – www.berger-fraestechnik.de. Geschäftsführer Marcel Berger führt den Betrieb gemeinsam mit seiner Partnerin, unterstützt von einem eingespielten Fachkräfteteam. Das Unternehmen fertigt Frästeile und erweitert aktuell sein Leistungsspektrum um die Drehbearbeitung. Darüber hinaus übernimmt BFT für seine Kunden die komplette Prozesskette von der Oberflächenbehandlung bis zur Montage über ein regionales Partnernetzwerk. BFT versteht sich als Fertigungs- und Entwicklungspartner, der bereits in der Planungsphase Optimierungspotenziale erkennt. Bauteile werden hinsichtlich ihrer Herstellbarkeit hinterfragt, um Fertigungskosten zu reduzieren oder Bearbeitungsabläufe zu vereinfachen. Gleichzeitig setzt BFT konsequent auf regionale Wertschöpfung und produziert ausschließlich in Deutschland.
Ein Ansprechpartner für nahezu alle Spannaufgaben
Für Marcel Berger liegt ein wesentlicher Vorteil der Partnerschaft mit Kipp in der Breite des verfügbaren Portfolios. Statt verschiedene Lieferanten koordinieren zu müssen, kann ein großer Teil der benötigten Spanntechnik aus einer Hand bezogen werden. „Für mich ist wichtig, möglichst viele Spannaufgaben über einen Ansprechpartner lösen zu können“, betont der Geschäftsführer. „Ob einzelne Komponenten oder komplette Spannsysteme – das Kipp-Portfolio deckt fast alles ab, was wir benötigen. Dazu kommt eine schnelle Verfügbarkeit und eine Betreuung, auf die ich mich verlassen kann.“
„Wir versuchen für jedes Problem eine Lösung zu finden“, erklärt Marcel Berger. „Wir fertigen nicht nur Teile, sondern denken auch konstruktionstechnisch mit. Und wenn sich ein Bauteil wirtschaftlicher herstellen lässt, sprechen wir das offen an.“
Zusammenarbeit in beide Richtungen
Die Verbindung zwischen BFT und Kipp entwickelte sich zunächst auf ungewöhnliche Weise. Berger Frästechnik fertigt seit 2024 Komponenten für Norm- und Bedienteile sowie für Spannmittel für das Heinrich Kipp Werk. Anfang 2025 entstand daraus das erste einer Reihe von Projekten im Hause BFT, bei denen Spanntechnik aus dem Kipp-Portfolio zum Einsatz kommt.

Diese wechselseitige Zusammenarbeit schafft kurze Kommunikationswege und gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Anforderungen. Gerade bei individuellen Spannaufgaben erleichtert das die Abstimmung erheblich. „Wir kennen die vorhandenen Maschinendaten, das Nullpunktspannsystem bei BFT und die bereits eingesetzten Spannmittel“, erläutert Daniel Böhm aus dem Technischen Vertrieb bei Kipp. „Dadurch können wir neue Aufgaben sehr schnell bewerten und eine passende Lösung auslegen.“
Spanntechnik für die automatisierte Fertigung
Im Mittelpunkt der aktuellen Zusammenarbeit stand die Ausstattung einer neuen Bearbeitungsmaschine von POS, die BFT im Rahmen seiner Automatisierungsstrategie angeschafft hat. Ziel war es, Werkstücke nicht mehr einzeln in die Maschine einzuspannen, sondern komplette Schraubstöcke automatisiert zu wechseln. Ein Greifersystem entnimmt die vorbereiteten Schraubstöcke aus einem Magazin und setzt sie auf das Nullpunktspannsystem der Maschine. Grundlage dafür bilden 5-Achs-Zentrierspanner SolidGrip von HWR Spanntechnik, einem Unternehmen der Kipp Group.

Die Einführung war allerdings nicht selbstverständlich. Der Maschinenhersteller favorisierte ursprünglich ein anderes Spannsystem. Gemeinsam mit Kipp arbeitete BFT daran, die Freigabe für die eingesetzte Lösung zu erhalten. „Bei meiner Entscheidung für die Spannmittel von Kipp war am Ende nicht nur der reine Einkaufspreis ausschlaggebend, sondern das Gesamtpaket inklusive Beratung und Service“, betont Berger. „Die Betreuung passt einfach und ich habe einen Ansprechpartner, der die gesamte Aufgabenstellung versteht.“
Mit dem neuen System lassen sich bis zu 30 Schraubstöcke im Magazin bevorraten. Jeder davon kann mit einem anderen Werkstück bestückt werden. Damit lassen sich unterschiedlichste Aufträge nacheinander automatisch abarbeiten, ohne dass ein Mitarbeiter anwesend sein muss. Gerade für kleinere Lohnfertiger ist dieser Schritt von großer Bedeutung. Fachkräfte sind nach wie vor schwer zu finden, gleichzeitig steigen die Anforderungen an kurze Lieferzeiten und wirtschaftliche Fertigungsprozesse.
Kurzprofil
Das Heinrich Kipp Werk ist Hersteller im Bereich Spanntechnik, Normelemente sowie Bedienteile – und produziert am Standort Deutschland mit einem großen Maschinenpark. Das Produktprogramm umfasst mehr als 90.000 Teile, die über das Logistikzentrum schnell verfügbar sind. Kipp ist somit ein zuverlässiger Partner für Industrie, Anlagen- und Maschinenbau. Seine Produkte entwickelt Kipp komplett im Haus und prüft sie in der Qualitätssicherung. Aufgrund der hohen Fertigungstiefe sind Standardelemente, Baugruppen sowie Sonderlösungen realisierbar. Bei der Entwicklung von Kipp-Bedienteilen wird besonders auf Ergonomie und Stabilität geachtet. Das Heinrich Kipp Werk besteht seit 1919 und legt seit 1950 den Schwerpunkt auf selbst entwickelte Spannwerkzeuge wie den klassischen Kipp Klemmhebel. Das Unternehmen beschäftigt über 530 Mitarbeitende weltweit und ist in mehr als 50 Ländern präsent.
„Eine Maschine bringt mir nur dann wirtschaftlichen Nutzen, wenn sie möglichst lange läuft“, weiß Marcel Berger. „Mit den Zentrierspannern können wir je nach Bearbeitungszeit komplette Aufträge über Nacht fertigen. Gleichzeitig nutzen wir nachts oder am Wochenende günstigere Stromtarife.“ Der automatisierte Spannmittelwechsel erhöht darüber hinaus die Flexibilität. Unterschiedliche Werkstücke lassen sich vorbereitet aufspannen und anschließend ohne manuellen Eingriff nacheinander bearbeiten. Dadurch werden Rüstzeiten aus der Maschinenlaufzeit herausgelöst.
Zusammenarbeit mit großer Bandbreite
Die Kooperation zwischen BFT und Kipp umfasst bislang drei unterschiedliche Anwendungen, die jeweils verschiedene Anforderungen abdecken.
Projekt 1 – Mehrfachspannsystem: Den Einstieg bildete eine Mehrfachspannleiste für die Serienfertigung kleiner Werkstücke. Mehrere Bauteile lassen sich gleichzeitig aufspannen und in einem Bearbeitungsdurchgang fertigen. Infolgedessen werden Maschinenlaufzeiten besser genutzt und wiederkehrende Serien wirtschaftlich produziert. Inzwischen befindet sich bereits eine zweite Spannleiste von Kipp bei BFT im Einsatz.
Projekt 2 – 5-Achs-Zentrierspanner SolidGrip: Im zweiten oben beschriebenen Projekt kommen 5-Achs-Zentrierspanner SolidGrip von HWR Spanntechnik zur Anwendung. Sie bilden die Grundlage für die automatisierte Werkstückversorgung der neuen Bearbeitungsmaschine von POS. Vorgerüstete Schraubstöcke werden automatisch gewechselt und gestatten die mannlose Bearbeitung unterschiedlichster Werkstücke über viele Stunden hinweg.

Projekt 3 – Formspannsystem mit Spannzangen: Bereits in Vorbereitung befindet sich ein drittes Projekt. Dabei geht es um ein Formspannsystem mit Spannzangen, das Marcel Berger künftig in seine Produktion integrieren möchte. Die Lösung eignet sich zum Innenkontur- oder Durchmesserspannen und erweitert die vorhandenen Spannmöglichkeiten um eine weitere flexible Variante. Damit lassen sich künftig zusätzliche Bauteilgeometrien wirtschaftlich bearbeiten.
Digitale Auslegung spart Zeit
Ein weiterer positiver Aspekt der Zusammenarbeit zwischen BFT und Kipp ist die Möglichkeit, neue Spannlösungen auf der Basis vorhandener Daten zügig umzusetzen.














