Digitalisierung im Mittelstand – der Mensch im Mittelpunkt

Dreh- und Angelpunkt der Vollmer Digitalstrategie ist und bleibt der Mensch - zwar basiert die Digitalisierung auf IT-Technologien, indes kann die Transformation nur durch das aktive Gestalten des Menschen erreicht werden.
Dreh- und Angelpunkt der Vollmer Digitalstrategie ist und bleibt der Mensch – zwar basiert die Digitalisierung auf IT-Technologien, indes kann die Transformation nur durch das aktive Gestalten des Menschen erreicht werden. Bild: Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH

Internet of Things (IoT), Industrie 4.0 oder auch künstliche Intelligenz (KI) sind die Treiber der Digitalisierung und beschäftigen derzeit die Unternehmen weltweit – und keines kommt daran vorbei. Für mittelständische Firmen birgt dies neue Chancen, um im Konzert der Großen mitzuspielen, aber auch Fallstricke, sich bei der Digitalisierung zu verheddern. Ein Blick auf den Biberacher Schärfspezialisten Vollmer mit seinen rund 800 Mitarbeitenden veranschaulicht, wie ein solcher Weg aussehen kann und worauf der Mittelstand achten sollte.

„Im Mittelpunkt der Digitalstrategie von Vollmer steht der Mensch! Zwar basiert sie auf IT-Technologien, aber die Transformation lässt sich nur durch das aktive Gestalten der Menschen erreichen“, sagt Georg Kästle, CDO (Chief Digital Officer) und CIO (Chief Information Officer) der Vollmer Gruppe. „Bei Vollmer besteht deshalb das Digital-Team aus Mitarbeitenden aller Geschäftsbereiche: angefangen von Konstruktion, Vertrieb und Service über Finanzwesen und Beschaffung bis hin zu Logistik und Marketing.“

Prozesse und Geschäftsmodelle beachten

Georg Kästle weiß, wovon er spricht. Außer seiner Tätigkeit bei Vollmer hat er als Lehrbeauftragter an der Ravensburg-Weingarten University of Applied Sciences viele mittelständische Firmen beraten und auf ihrem Weg in die digitale Welt begleitet. Er weist darauf hin, dass eine digitale Strategie stets über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinweggehen muss, um auch die Prozesse der Kunden zu erfassen. Deshalb geht es bei dem Thema mehr um die Betrachtung der Prozesse als um den Einsatz neuer Technologien.

Die Vollmer Schleif- und Erodiermaschine VHybrid 260 ist mit einer V@dison
Booster-Lösung in der Lage, auch Diamant-Kleinwerkzeuge mit Durchmessern unter 1mm zu erodieren.
Die Vollmer Schleif- und Erodiermaschine VHybrid 260 ist mit einer V@dison Booster-Lösung in der Lage, auch Diamant-Kleinwerkzeuge mit Durchmessern unter 1mm zu erodieren. – Bild: Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH
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Bild: Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH

Zentrale Voraussetzung ist, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die eigene Firma zu erkennen und sie mit der zentralen DNA, dem Geschäftsmodell, zu vereinen. Langfristig verändern sich durch die Digitalisierung die Geschäftsmodelle grundsätzlich – und das benötigt Zeit. Deshalb gilt, den Nutzen IT-gestützter Angebote für Kunden transparent zu gestalten und vorab in einem begrenzten Markt anzubieten, um den echten Mehrwert zu bestimmen. Erweist sich ein Modell als erfolglos, sollte es frühzeitig gestoppt werden.

Interne und externe IT-Welten vernetzen

Im Fall von Vollmer erarbeitete das Digital-Team ein schlüssiges Gesamtkonzept und entwickelte daraus ‚Digital Solutions‘. Die Kernmarke ‚V@dison‘ bündelt die digitalen Services für Schärfmaschinen, mit denen sich Rotationswerkzeuge und Kreissägen bearbeiten lassen. Softwaregestützte Lösungen überwachen und optimieren Maschinenprozesse und können dank Booster-Paketen deren Funktionen erweitern. Des Weiteren bietet Vollmer über ‚Visual Support‘ weltweit webbasierte Wartung und Instandhaltung an.

„Zudem lassen sich über unser Kundenportal interaktive 3D-Modelle nutzen, um Schärfmaschinen Baugruppe für Baugruppe bis zum einzelnen Ersatzteil zu zerlegen und zu betrachten. Hierfür haben wir das Portal mit den Daten aus CAD-, ERP- und PLM-Systemen vernetzt“, erläutert Kästle. „Dank dieser V@dison Lösung wird unseren Kunden die Identifikation und Bestellung von Ersatzteilen wesentlich vereinfacht.“

Da der Mittelstand sehr heterogen ist, gibt es keine fertige Digitallösung von der Stange, sondern sie besteht stets aus einem individuell angepassten Konzept. Wer sich rein auf die Technologie verlässt, steht am Ende oft schlechter da als zu Beginn. Digitale und klassische Prozesse gilt es miteinander zu verbinden, was bei Vollmer zum ‚Orange-Vield-Ansatz‘ geführt hat: eine intelligente Kombination aus Green- und Brownfield-Ansatz. Es werden also nicht nur neue Maschinen digitalisiert, sondern auch solche, die sich bereits im Einsatz befinden. Das schützt bestehende Investitionen beim Kunden und bei Vollmer und modernisiert zugleich vorhandene Systeme und Prozesse.

Auf den digitalen Kern kommt es an

Fundament der IT bildet stets der digitale Kern, ohne den das Gesamtkonstrukt nicht funktioniert. Hierbei gilt es, von Beginn an auf eine Multi-Cloud-Strategie zu setzen. IT und Daten werden dabei auf mehrere Anbieter verteilt, um die Sicherheit zu erhöhen und die Abhängigkeit zu verringern. Anschließend geht es darum, welche Bereiche auf jeden Fall digitalisiert werden müssen, um die Transformation gewinnbringend umzusetzen.

Georg Kästle ist CDO (Chief Digital Officer) und CIO (Chief Information Officer) der Vollmer Gruppe: „Generell empfehle ich niederschwellige Zugänge für die ersten Schritte in die Digitalisierung.“
Georg Kästle ist CDO (Chief Digital Officer) und CIO (Chief Information Officer) der Vollmer Gruppe: „Generell empfehle ich niederschwellige Zugänge für die ersten Schritte in die Digitalisierung.“ – Bild: Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH

Hierbei digitalisierte Vollmer zuerst alle Prozesse der Produktentwicklung, um die relevanten Informationen allen im Unternehmen bereitzustellen. Für jede Komponente existiert ein digitaler Zwilling, der in die Prozesse von Fertigung, Buchhaltung, Vertrieb oder auch Marketing einfließen. Dieser digitale Zwilling ist sowohl Basis für das Kundenportal als auch zukünftig Ausgangspunkt für weitere Prozessoptimierungen, die Vollmer unter anderem mit KI erzielen will.

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