Fachbericht: Im Cyberspace der Verzahnungsindustrie

Wenn sich der Erfolg eines Unternehmens in Mikrometern bemisst, dann kann es dennoch eines der ganz Großen sein: Die Klingelnberg Gruppe ist seit über 150 Jahren Herr über Ritzel, Tellerräder und Getriebe - und hebt den Standard der Zahnradproduktion unter dem Industrie 4.0-Gedanken in eine neue Ära.
Meilenstein: Die im Jahr 1923 gebaute Kegelrad-Wälzfräsmaschine kam mit einem auf verschiedene Kegelwinkel einstellbaren Fräskopf auf den Markt. – Bild: Klingelnberg GmbH

Sie kommen in Ozeanriesen zum Einsatz, bei Getreidemühlen oder Drahtwalzwerken, in Flugzeugen … und in jedem Automobil. Mit Größen von wenigen Millimetern bis zu einem Durchmesser von mehreren Metern – die Rede ist von Zahnrädern. Genauer gesagt: Stirnräder, Kegelräder, Schnecken und Rotoren. Gegründet 1863, hat sich Klingelnberg der Herstellung dieser wichtigen Getriebekomponenten verschrieben – und sich in dieser Zeit zu einem der weltweit führenden Unternehmen in der Verzahnungsindustrie entwickelt. Am Anfang stand die Produktion von Werkzeugen und Maschinenmessern in Remscheid. 1923 kam die erste gebaute Kegelrad-Wälzfräsmaschine gleich mit einer kleinen Revolution auf den Markt: mit einem auf verschiedene Kegelwinkel einstellbaren Fräskopf.

Innovativer Global Player

Heute verfügt der Global Player über drei Produktionsstandorte in Deutschland und ein weltweites Netz mit Vertriebs- und Serviceniederlassungen. Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr: Mit mehr als 200 erteilten Patenten setzte die Klingelnberg Gruppe in ihren Kernbereichen internationale Standards: in der Entwicklung und Fertigung von Maschinen (zur Kegel-rad- und Stirnradbearbeitung), von Präzisionsmesszentren (für Verzahnungen und rotationssymmetrische Bauteile) sowie in der Fertigung hochpräziser Antriebskomponenten. 1997 führte das Unternehmen beispielsweise den Trockenverzahnungsprozess für Spiralkegelräder ein, bietet eine der zurzeit besten Verzahnungsmesstechniken und hat über eigenprogrammierte Software eine maschinen- und softwareübergreifende Closed Loop-Fertigung in der Kegel- und Stirnradradproduktion realisiert: eine vollautomatische Verbindung von Fertigungsmaschinen unterschiedlicher Hersteller mit der Messtechnik von Klingelnberg. Die Maschinen-Einstellwerte werden automatisch so präzise an die Soll-Daten angepasst, dass die Abweichungen lediglich zwei bis drei µm betragen – ein Quantensprung in der Qualität.

Erfindergeist: die Gründer Julius und Ernst Klingelnberg des heutigen Global Players – Bild: Klingelnberg GmbH

Qualität und Effizienz dank Cyberspace

Klingelnberg ging schon früh den Weg, die physische Welt mit der digitalen zu verknüpfen. Das Unternehmen begann 1985 mit der Entwicklung der Auslegungssoftware ‚Klingelnberg Integrated Manufacturing of Spiral Bevel Gears‘ (KIMoS), sodass eine echte digitale Kopie des Meisterrades möglich war. Doch nicht nur die Soll-Daten des digitalen Zwillings steckten in dieser elektronischen Vorlage, sondern auch die ‚Bearbeitungsvorschrift‘ – also die exakte Geometrie des Verzahnwerkzeugs sowie die notwendige Bearbeitungsbewegung, um die Flanken herzustellen.

>>Die Abweichungen betragen lediglich zwei bis drei µm<<

Das Berechnungssystem bildet zusammen mit der Software Komet die Grundlage für die Closed Loop-Fertigung. Diese automatische Verbindung der Fertigungsmaschinen mit der Messtechnik sorgte für ein großes Plus sowohl in der Qualität als auch Transparenz. War diese Technologie bei Klingelnberg bislang den Kegelradmaschinen vorbehalten, lassen sich jetzt auch Stirnradmaschinen direkt mit einem Messgerät vernetzen. Diese automatisierte Maschinenkorrektur ist ein echter Meilenstein – und ein Zeichen für den folgerichtigen Weg in die Digitalisierung sowie die Umsetzung eines durchgängigen cyberphysischen Systems.

Aktuelle Innovation: Messzeitverkürzung in der Verzahnungstechnologie mit der Lösung 
'Hispeed Optoscan'
Aktuelle Innovation: Messzeitverkürzung in der Verzahnungstechnologie mit der Lösung ‚Hispeed Optoscan‘Bild: Klingelnberg GmbH

Kegelrad, Stirnrad und Verzahnungsmesstechnik

Das vernetzte Produktionssystem können Kunden auch direkt in die eigenen Linien integrieren. Für jeden Schritt in der Prozesskette der Kegelradfertigung hält Klingelnberg unter dem Markennamen Oerlikon wirtschaftliche wie hochpräzise Maschinen vor: für die Werkzeugaufbereitung, das Fräsen, Messen, Schleifen oder Läppen sowie für das Testen. 1993 fusionierte Klingenberg mit Oerlikon Geartec in Zürich und baute die Kegelradtechnologie unter diesem Namen aus.

Softwarepakete sorgen dafür, dass alle Maschinen der Vor- und Feinbearbeitung parallel über die notwendigen Daten verfügen und im vollautomatischen Closed Loop-Verfahren arbeiten. Das Besondere an diesem geschlossenen Qualitätsregelkreis: Auch die Messtechnik steht in der Halle – dort, wo es rüttelt, vibriert und staubt. Die Präzisionsmesszentren halten das aus. Klingelnberg stellt in Sachen Messtechnik nicht umsonst den in der Verzahnungsindustrie am weitesten verbreiteten Standard, der auch als Referenz für Metrologie-Institute dient. Die Maschinen von Klingelnberg basieren auf einer Technologie, die bis zu sechs konventionelle Messgeräte ersetzt und damit branchenübergreifend einen Großteil aller denkbaren Messaufgaben abdeckt.

Seiten: 1 2Auf einer Seite lesen

Das könnte Sie auch Interessieren

Anzeige

Anzeige

Bild: EVO Informationssysteme GmbH
Bild: EVO Informationssysteme GmbH
Produktion und Logistik gemeinsam digitalisieren

Produktion und Logistik gemeinsam digitalisieren

EVO Informationssysteme kooperiert mit Keyence Deutschland: Nach umfangreichen Tests und dem praktischen Einsatz bei Kunden hat die Kombination der intuitiven EVO-Apps mit den leistungsfähigen Industrie-Scannern von Keyence überzeugt. Der Einsatz der nutzerfreundlichen EVO Apps und die Scanleistung unter widrigen Industriebedingungen gewährleisten die zuverlässige Identifizierung und Prozessdokumentation in Wareneingang, Produktion und Lager.

Bild: Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH – Nico Sauermann
Bild: Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH – Nico Sauermann
Aluminium prozesssicher zerspanen

Aluminium prozesssicher zerspanen

Bohren, Reiben, Stechen und Fräsen: Der Werkzeugspezialist Paul Horn aus Tübingen bietet ein breites Portfolio an optimierten Werkzeugen für die wirtschaftliche Zerspanung des Leichtmetalls Aluminium. Nach Stahlwerkstoffen ist Aluminium das meist verwendete Metall. In der zerspanenden Industrie zählen die Al-Legierungen zu den leicht zu bearbeitenden Werkstoffen. Nichtsdestotrotz ist es möglich, dass bei der Bearbeitung des weichen Metalls schnell ein ‚harter Brocken‘ entsteht: Verklebungen, Aufbauschneiden und Spänestau bis zum Werkzeugbruch kommen vor. Mit den richtigen Werkzeugen, Schneidstoffen, Schnittdaten sowie der passenden Menge und Art des Kühlschmierstoffes lassen sich Al-Legierungen prozesssicher zerspanen.

Bild: Zentralverband Oberflächentechnik e.V.
Bild: Zentralverband Oberflächentechnik e.V.
ZVO-Jahresbericht 2021

ZVO-Jahresbericht 2021

Der Zentralverband Oberflächentechnik e.V. bringt seinen Jahresbericht 2021 heraus. Mit der aktuellen Publikation berichtet der ZVO erneut über seine Arbeit und die Entwicklung im abgelaufenen Kalenderjahr. Der Bericht dokumentiert die vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten des ZVO und der Branche, insbesondere der wirtschafts-, umwelt-, energie- und bildungspolitischen Interessenvertretung sowie die Branchenentwicklung. 

Bild: Sodick Deutschland GmbH
Bild: Sodick Deutschland GmbH
Metav 2022 als Heimspiel für EDM-Spezialist

Metav 2022 als Heimspiel für EDM-Spezialist

EDM-Spezialist Sodick ist vom 21. bis zum 24. Juni auf der Metav 2022 in Düsseldorf mit von der Partie. In Halle 16 am Stand F38 kann mit drei Maschinen ein kleiner Ausschnitt aus dem breiten Sortiment an Erodiermaschinen präsentiert werden: eine Drahterodiermaschine VL400Q, eine Senkerodiermaschine AD35L (im Bild ist eine AD55L zu sehen) und eine K1C für das Hochgeschwindigkeits-Startlochbohren

Bild: Klingelnberg GmbH
Bild: Klingelnberg GmbH
Fachbericht: Modified Crowning

Fachbericht: Modified Crowning

Was soll sich schon bei einem Achsgetriebe ändern, wenn statt eines Verbrennungsmotors ein elektrischer Antrieb mit gleicher Nennleistung eingebaut ist? Auf den ersten Blick sind keine Änderung im Lastenheft des Achsgetriebes zu vermuten – wäre da nicht das Energiemanagement eines elektrischen Antriebsstranges. Klingelnberg kennt sich mit dem Thema bestens aus.

Bild: Laserhub GmbH
Bild: Laserhub GmbH
Beschaffungsplattform für industrielle Metallteile

Beschaffungsplattform für industrielle Metallteile

Die Firma Laserhub, Betreiber der gleichnamigen Online-Plattform für die Beschaffung maßgeschneiderter Blech- und Drehteile, gibt den erfolgreichen Abschluss ihrer Series-B-Finanzierungsrunde bekannt. Als erster internationaler Investor führt Evli Growth Partners aus Finnland die Runde an. Als Co-Investoren schlossen sich mit Fuse Venture Partners aus dem Vereinigten Königreich und FJ Labs aus den USA zwei weitere internationale Fonds an.

Bild: ACE Stoßdämpfer GmbH
Bild: ACE Stoßdämpfer GmbH
Selbsteinstellende Industriestoßdämpfer in Edelstahl

Selbsteinstellende Industriestoßdämpfer in Edelstahl

ACE Stoßdämpfer erweitert die erfolgreiche Magnum-Serie und präsentiert damit eine konstruktionstechnische Besonderheit: Das Unternehmen aus Langenfeld im Rheinland bietet jetzt erstmals selbsteinstellende Industriestoßdämpfer mit Gewinde M64 und einem Hub von 150mm serienmäßig in einer Edelstahlausführung an, deren Hauptkomponenten komplett in Deutschland entwickelt und gefertigt werden.

Bild: Schaeffler Technologies AG & Co. KG
Bild: Schaeffler Technologies AG & Co. KG
Geschäftsfeld wegen Neuausrichtung umbenannt

Geschäftsfeld wegen Neuausrichtung umbenannt

Aus Industrie 4.0 wird Schaeffler Lifetime Solutions: Die Umbenennung erfolgt aufgrund der Neuausrichtung des Leistungsportfolios, das in den vergangenen Jahren sukzessive von reinen Produktlösungen hin zu ganzheitlichen Dienstleistungen erweitert wurde. Der neue Name ‚Schaeffler Lifetime Solutions‘ sowie der Subclaim ‚Keep your machines rolling‘ symbolisiert dabei den Anspruch, Wünsche und Bedürfnisse von Instandhaltungs- und Werksleitern über die gesamte Lebensdauer einer Maschine hinweg zu bedienen.

Anzeige

Anzeige

Anzeige