
„Das Statement vom vergangenen Jahr könnte ich an dieser Stelle wiederholen“, eröffnete Stefan Zecha, Vorsitzender VDMA Präzisionswerkzeuge, die Jahrespressekonferenz. „Auch 2025 verlief für die Präzisionswerkzeugindustrie enttäuschend. Die ohnehin schon gedämpften Erwartungen erfüllten sich nicht. Statt des erwarteten leichten Produktionsrückgangs verzeichnet die Branche ein deutliches Minus von circa 7 Prozent. Somit fiel der deutsche Produktionswert von Präzisionswerkzeugen 2025 klar unter die 9,1-Milliarden-Euro-Marke aus dem Vorjahr – voraussichtlich auf rund 8,5 Milliarden Euro.“
Märkte
Der Werkzeugabsatz im Inland blieb 2025 schwach und lag klar unter dem Vorjahr. Da rund ein Viertel der deutschen Produktion von Präzisionswerkzeugen im Inland verkauft wird, belastet die anhaltende Schwäche des deutschen Markts das Ergebnis der Hersteller erheblich. Hauptgrund ist die rückläufige Produktion im Maschinenbau und die weiterhin schwierige Transformation der Automobilindustrie. Diese beiden Branchen machen den Löwenanteil des Werkzeugbedarfs aus. Und ihre Zurückhaltung spürt der Markt deutlich. Die steigende Nachfrage aus der Luftfahrt und der Wehrtechnik ist zwar erfreulich, ersetzt aber nach wie vor nicht das in anderen Branchen wegfallende Volumen.
Die deutsche Präzisionswerkzeugproduktion verbucht für 2025 ein Minus von 7 Prozent.
Auch auf vielen Auslandsmärkten war die Situation schwierig. Insgesamt lagen die Exporte rund 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das Geschäft mit den Kunden auf dem europäischen Kontinent lag mit einem Minus von etwa 4 Prozent genau im Trend. China blieb in allen Teilbranchen hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Die Exportstatistik zeigt hier einen kräftigen Rückgang von 9 Prozent. Auf dem US-amerikanischen Absatzmarkt waren die einzelnen Teilbranchen im vergangenen Jahr unterschiedlich erfolgreich. Insgesamt stiegen die Lieferungen in die USA aber immerhin um knapp 2 Prozent.

Kundenbranchen
Für dieses Jahr erwartet die Automobilbranche eine Stagnation der Welt-Pkw-Produktion und in Deutschland einen Rückgang um 1 Prozent. Im Maschinenbau stieg die Produktion von Maschinen 2025 um 1 Prozent. Die deutsche Produktion blieb um 5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die Werkzeugnachfrage der Maschinenhersteller war entsprechend schwach. Immerhin erwartet die Branche 2026 ein Produktionsplus von 2 Prozent weltweit und in Deutschland von 1 Prozent. Die Luftfahrtindustrie hat ihre Produktion 2025 gesteigert. So konnte z.B. die Fertigung bei Airbus um 4 Prozent zulegen. Nach Krisen und Produktionsstopps 2024 erholte sich Boeing im vergangenen Jahr deutlich. Die Nachfrage nach Werkzeugen ist entsprechend erfreulich hoch. Auch im Bereich der Medizintechnik ist die Entwicklung positiv. Weltweit dürfte die Branche 2025 um circa 5 Prozent gewachsen sein, in Deutschland um 3 Prozent.
Herausforderungen
Die drei größten Herausforderungen für die Branche sind: Bürokratie, weltpolitische Unsicherheit und leidende heimische Kundenbranchen. „Auf echte und tiefgreifende Reformen der politischen Rahmenbedingungen hierzulande warten wir bereits viel zu lange“, mahnt Zecha. „Sie wären zwingend erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie wieder herzustellen. Was heißt das konkret? Wir brauchen dringend vereinfachte Verfahren. Und zwar auf breiter Front. Ob Genehmigungen, Fördermittelanträge für Forschungs- und Innovationsförderung oder regelmäßig wechselnde Vorgaben bei der Lohnabrechnung: Vieles ist heute immer noch so konzipiert, dass es Unternehmen bremst, anstatt sie zu unterstützen. Wenn wir schneller und stärker werden wollen, müssen diese Hürden abgebaut und die Verfahren so gestaltet werden, dass sie verlässlich, schlank und praxistauglich sind.“

Umso wichtiger in dieser Situation ist, dass der europäische Binnenmarkt möglichst verlässlich und reibungslos funktioniert. Außerdem benötigt Europa eine resilienzfördernde Digitalisierungsstrategie, die dafür sorgt, dass die Abhängigkeit von US-Anbietern sinkt. „Wir müssen uns in Europa auf unsere wirtschaftliche Stärke mit 500 Millionen Menschen besinnen“, betont Zecha. „Deshalb appelliere ich an die Politik in Europa: ‚Kümmern Sie sich darum, dass die Wirtschaft in Europa eine Zukunft hat!‘ Ein wesentliches Instrument hierfür sind Freihandelsabkommen. Sie geben den Unternehmen Orientierung und Planungssicherheit. Und das sind aktuell sehr wertvolle Währungen.“
Die Hersteller gehen davon aus, dass die Talsohle erreicht ist und hoffen das Produktionsniveau 2026 halten zu können.
Ein Freihandelsabkommen der EU mit Indien beispielsweise könnte die Präzisionswerkzeugindustrie auch direkt voranbringen. Schon heute ist Indien unter den TOP-15 Märkten für deutsche Präzisionswerkzeuge und die Exporte stiegen im letzten Jahr gegen den Trend um 5 Prozent. „Die Unternehmen bringen selbst alles mit, was man für den Erfolg auf dem Weltmarkt braucht“, finalisert Zecha. „Jetzt ist es an der Zeit, sie von bürokratischen Fesseln zu befreien!“
ZERSPANWERKZEUGE
Gerhard Knienieder, Stellvertretender Vorsitzender des VDMA Präzisionswerkzeuge und Vorsitzender der Fachabteilung Gewindewerkzeuge, nahm zur Situation der Zerspanwerkzeuge Stellung: „Die deutschen Hersteller von Zerspanwerkzeugen hatten 2025 kein leichtes Jahr. Kurz zusammengefasst haben wir gleichzeitig mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten, schwierigen Standortbedingungen und rückläufigen Märkten gekämpft. Daher mussten viele Unternehmen einen Umsatzrückgang im niedrigen, einstelligen Bereich hinnehmen. Leider gab es auch Betriebe mit etwas höheren Umsatzverlusten. Die erhoffte Stabilisierung des Umsatzniveaus blieb aus.“

Die Lieferungen in die USA lagen in den ersten 10 Monaten des Jahres immerhin nur um 1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Damit blieben die Vereinigten Staaten der größte ausländische Einzelmarkt. Nachdem sich der Export nach Indien lange Zeit sehr erfreulich entwickelt hatte, gab es 2025 eine kleine Verschnaufpause. Bei dem leichten Minus von 2? Prozent ist davon auszugehen, dass es sich eher um ein kurzes Atemholen handelt, denn um einen Richtungswechsel. Langfristig wird dieser Markt voraussichtlich wieder an Fahrt aufnehmen.
Der Absatz von Zerspanwerkzeugen auf dem europäischen Kontinent blieb 2025 schwach. Die Lieferungen gingen sowohl an die EU-Partnerländer als auch in die weiteren europäischen Märkte um jeweils 6 Prozent zurück.
Kritische Rohstoffe
Ein weiteres wichtiges Thema ist die weltweite Konkurrenz um kritische Rohstoffe, insbesondere derzeit Wolfram. „Seit China Anfang 2025 Exportrestriktionen eingeführt hat, ist der Markt für Wolfram aus dem Gleichgewicht geraten“, erklärte Knienieder, „denn über 80 Prozent der weltweiten Gewinnung und Aufbereitung sind in China konzentriert. Die starke Abhängigkeit hat sofort durchgeschlagen: Knappheit, extreme Preissprünge und große Unsicherheit für 2026.“
Allmähliche Besserung erwartet
„Der Blick in die Glaskugel ist eher ernüchternd, denn die industrielle Produktionstätigkeit bleibt in diesem Jahr aller Voraussicht nach überall schwach“, so Knienieder. Die Auftragsbücher der Zerspanwerkzeughersteller geben derzeit nur wenig Hoffnung auf eine schnelle Wendung. Immerhin erwarten die Unternehmen aber eine allmähliche Besserung im Jahresverlauf, sodass das Jahr 2026 endlich wieder mit einem kleinen Umsatzwachstum abschließen könnte.
FOKUS EUROPA

Markus Horn, Vorsitzender der Fachabteilung Wendeschneidplatten und Past President der ECTA, ging näher auf die europäischen Länder ein: „Wenn wir auf Europa blicken, dann unterscheidet sich die wirtschaftliche Situation in manch anderen ECTA Mitgliedsländern kaum von dem, was wir soeben für die Zerspanung gehört haben. In Gesprächen mit meinen europäischen Kollegen wurde deutlich, dass 2025 für die meisten von uns ein schwaches Jahr war. Viele Industrienationen deindustrialisieren zunehmend, insbesondere durch den Strukturbruch in der Automobilindustrie. Erschwerend kommen beispielsweise hohe Energiepreise, Produktivitäts- und Wachstumsprobleme, der demografische Wandel und wankende Lieferketten hinzu. Gleichzeitig kamen aus Bereichen wie Luftfahrt, Medizintechnik oder der Verteidigungsindustrie stabilisierende Nachfrageimpulse, die in manchen Regionen für Entlastung sorgten.“
In ‚Italien‘ zeichnete sich ein ambivalentes Bild ab. In der ‚Schweiz‘ blieb die Situation 2025 angespannt. Wieder ein anderes Bild ergibt sich für ‚Spanien‘. Im außergewöhnlich starken Jahr 2024 wurden Rekordumsätze erzielt. Die rückläufigen Auftragseingänge aus 2024 wirkten dadurch erst zeitverzögert in das Jahr 2025 hinein. Gleichzeitig blieb der Bereich der Metallzerspanung auf einem hohen Niveau stabil. In ‚Frankreich‘ war die Lage 2025 turbulent. Der Maschinenbau schwächelte. Hoffnung gaben lediglich staatlich geförderte Großprojekte in der Batterieproduktion und Halbleiterindustrie. Diese schlugen sich auch in Investitionen in Präzisionswerkzeuge nieder. ‚Österreich‘ wiederum zeigte ein ähnliches Muster wie die Schweiz und Deutschland. ‚Großbritannien‘ wies leichte Erholungstendenzen auf.
European Cutting Tools Conference
Die ECTA (European Cutting Tools Association)-Konferenz ist die wichtigste Konferenz für die Hersteller von Zerspanwerkzeugen und Spannzeugen in Europa (European Cutting Tools Conference – ECTC). Vom 7. bis zum 9. Mai 2026 trifft sich die Branche in Graz, Österreich. Die Veranstaltung bietet hochkarätige Vorträge führender Experten aus Industrie, Forschung und Praxis – und sie steht für Entscheider aus ganz Europa sowie Gäste aus aller Welt.
Insgesamt ergibt sich für die Präzisionswerkzeugindustrie in Europa ein Jahr, in dem die Nachfrage zunehmend branchenspezifischen Mustern folgte: Dort, wo Zukunftstechnologien, Energieprojekte oder international wettbewerbsfähige Produktionscluster wuchsen, blieben die Werkzeugbedarfe stabil. In klassischen Industriezweigen hingegen dominierten Kostendruck und Unsicherheit.
SPANNTECHNIK
„Auch 2025 war für die Spanntechnik wieder ein schwieriges Jahr. Die Umsätze gingen spürbar zurück. Deshalb rechnen wir in der Spanntechnik mit einem hohen einstelligen Umsatzminus“, ergänzte Philipp Ehrhardt, Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge. Weder das Geschäft im Inland noch der Export entwickelten sich 2025 positiv. Das Auslandsgeschäft zeigte auf breiter Front negative Vorzeichen, die Lieferungen lagen bis Oktober insgesamt 8 Prozent im Minus. Und die bisher zehn wichtigsten Exportmärkte waren allesamt rückläufig.

„Selbst die USA – sonst ein verlässlicher Wachstumstreiber – schwächelten nach den starken Vorjahren. Die Lieferungen lagen um 6 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum“, berichtete Ehrhardt, „und trotzdem blieben die Vereinigten Staaten unser wichtigster Einzelmarkt für Spanntechnik. Noch härter traf es unser Chinageschäft. Dort fehlten Investitionen – vielerorts wegen großer Überkapazitäten. Die Folge: Ein Rückgang der Exporte um 14 Prozent innerhalb der ersten zehn Monate. Auch Europa konnte 2025 keinen Rückenwind liefern. Es gab aber auch einen kleinen Lichtblick: Indien. Hier legte die Nachfrage nach deutscher Spanntechnik um 10 Prozent zu. Und damit ersetzte Indien im Länderranking Spanien und liegt jetzt auf Platz zehn.“
„Den Ausführungen von Herrn Zecha hinsichtlich der Herausforderungen kann ich mich für die Spanntechnik vorbehaltslos anschließen“, führte Ehrhardt weiter aus. „Ich komme aus einem typischen familiengeführten Unternehmen. Wir hängen sehr am Standort Deutschland und sind uns unserer Verantwortung für unsere Mitarbeitenden extrem bewusst. Deshalb schmerzt es uns umso mehr, wenn wir sehen, dass die notwendigen Veränderungen hinsichtlich der wesentlichen Standortfaktoren nicht in dem Maße und der Geschwindigkeit vorankommen, wie es nötig wäre. Denn für viele Unternehmen entlang der Wertschöpfungsketten ist die aktuelle Situation bereits lebensbedrohlich. Wenn wir uns die Weltlage ansehen, ist es um unsere Resilienz aktuell nicht so gut bestellt. Nehmen wir z.B. das Thema Digitalisierung. Von allen Seiten – und erstmals auch von bisherigen Freunden – steht Europa mittlerweile unter politischem Druck. Umso wichtiger ist es, die eigene Digitalisierungsstrategie zielstrebig voranzutreiben, um unsere Abhängigkeit von wenigen großen Anbietern zu reduzieren. Insbesondere, was Cloud-Dienste angeht. Hier haben US-Unternehmen nahezu jegliche Datenhoheit… über unsere Daten! Gleichzeitig zeigen aktuelle geopolitische Spannungen, wie schnell sich technische Abhängigkeiten in politische oder wirtschaftliche Verwundbarkeiten verwandeln. Wer die Kontrolle über kritische digitale Infrastrukturen aus der Hand gibt, verliert langfristig auch Gestaltungsspielräume in anderen Politikfeldern. Deshalb ist digitale Souveränität kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Voraussetzung für Resilienz, Sicherheitsinteressen und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit Europas.“
WERKZEUGBAU

Abschließend berichtete Alfred Graf Zedtwitz, Referent VDMA Werkzeugbau, in Vertretung des Vorsitzenden der Fachabteilung Werkzeugbau Daniel Käfer: „Die Branche kämpft ums Überleben. Insolvenzen häufen sich. Wie schon im Vorjahr, sank die deutsche Produktion von Formen, Stanzwerkzeugen und Vorrichtungen auch 2025 deutlich um rund 8 Prozent. Im Inland blieb die Nachfrage auf breiter Front nach wie vor schwach und eine Trendwende in wichtigen Kundenbrachen wie der Automobilindustrie war nicht in Sicht. Zusätzlich drängten chinesische Werkzeugbauten verstärkt auf den deutschen Markt. Das Knowhow der deutschen Werkzeugbauer ist in speziellen Anwendungen aber nach wie vor weltweit gefragt. Dadurch blieb immerhin das Exportgeschäft für die deutschen Werkzeugbauer stabil. Insgesamt erreichten die Lieferungen von Stanzwerkzeugen, Formen und Vorrichtungen ins Ausland in den ersten 3 Quartalen 2025 wieder das Volumen aus dem Vergleichszeitraum 2024. Im wichtigen USA Geschäft konnte trotz aller Widrigkeiten gar eine weitere Steigerung um 11 Prozent verzeichnet werden. Der zweitgrößte Markt China drehte dagegen 2025 kräftig ins Minus. Die Lieferungen in das Reich der Mitte lagen um 12 Prozent unter dem Vorjahresvergleichswert. Die europäischen Absatzmärkte zeigten sich 2025 insgesamt mit einer positiven Grundtendenz.“

















