
Seit dem 1. Juni 2024 verfügt Kritzner Metalltechnik mit Hauptsitz in Schweinfurt über einen zweiten Produktionsstandort südlich von Ulm. Ausgangspunkt war die Insolvenz des 50 Jahre alten schwäbischen Fachbetriebs kurz vor Ostern. Über einen gemeinsamen Großkunden erfuhr der Schweinfurter Firmeninhaber und Geschäftsführer Thomas Kritzner (Bild) Mitte des Monats Mai von der Situation des württembergischen Mitbewerbers. Der erste Eindruck vor Ort war positiv, die Chemie stimmte und Kritzner erkannte die Chancen, die in der Übernahme lagen. „Schwaben ticken ähnlich wie wir Franken“, sagt Thomas Kritzner. Mit der Familie Lambacher verstand er sich auf Anhieb sehr gut, ebenso mit der 25-köpfigen Belegschaft. Ein wesentlicher Aspekt für die Übernahme sei die strategisch gute Lage in der industriestarken Region Ulm, ein weiterer der bestehende Stamm namhafter Kunden, auf dem sich eine erfolgreiche Zukunft aufbauen lasse.
Effizienter produzieren
Letztlich ging alles sehr schnell. Anfang Juni war der Deal perfekt. Kritzner erwarb das Anlage- und Umlaufvermögen von Lambacher und übernahm den bestehenden Mietvertrag für die Immobilie mit 1.200qm Produktions- und Lagerflächen und 200qm Außenlager. Nun geht es darum, beide Standorte inhaltlich zusammenzuführen sowie IT und Maschinenpark auf Kritzner-Niveau zu heben. Aus Schweinfurt bringt Kritzner moderne Arbeitsweisen und Knowhow mit. „IT-made statt handmade“ soll in Kürze auch in Dietenheim gearbeitet werden. So wird aktuell dort die EDV aus dem Stammhaus installiert und damit werden bis Jahresende auch alle Kunden angebunden sein. Ab 2025 plant Thomas Kritzner die Anschaffung neuer Maschinen, ähnlich denen, die in Schweinfurt mittlerweile eine spürbar effizientere Produktion liefern. Auf etwa 1,5 Millionen Euro schätzt er den Investitionsbedarf.
Weiterentwicklung statt Abwicklung
Thomas Kritzner freut sich auf die anstehenden Herausforderungen. Im Zusammenwirken beider Standorte sieht er gute Perspektiven, etwa die Option, Auftragsspitzen besser abfedern zu können. Zudem besitzt das Unternehmen nun Kapazitäten für die Annahme größerer Aufträge als bisher. Der Deal sieht ganz nach einer Win-win-Situation aus. In vielen solcher Fälle wird der Betrieb geschlossen, aufgelöst und abgewickelt. Hier ist es erfreulich anders. Ob daraus eine langfristige Erfolgsgeschichte wird, liegt laut Thomas Kritzner nicht unwesentlich daran, wie sich die deutsche Wirtschaft und ihre Rahmenbedingungen entwickeln. Der Schweinfurter ist sich dessen bewusst, doch er ist bekennender Optimist. Mit der ungeplanten Übernahme haben sich jedenfalls seine Ziele geändert. „Eigentlich wollte ich mit meiner Firma etwas kleiner werden, dafür effizienter. Nun heißt das Ziel, die Kapazitäten des derzeitigen Personalstands an beiden Standorten mit vernünftigen Aufträgen auszufüllen“, formuliert Thomas Kritzner die neue Zielrichtung.

















