
„Damals war es ein kalkuliertes Risiko“, erinnert sich John Inglis. „Rückblickend war es eine Entscheidung, die den weiteren Weg unseres Unternehmens maßgeblich geprägt hat.“ Die Geschichte von Exactaform beginnt 1979 im englischen Coventry. Mit technischem Knowhow, Unternehmergeist und dem Anspruch, komplexe Werkzeuglösungen für seine Kunden zu entwickeln, legte Inglis den Grundstein. Doch die entscheidende Weichenstellung für die Zukunft erfolgte zur Jahrtausendwende – mit dem Einstieg in die Bearbeitung von polykristallinem Diamant (PKD).

Startschuss in eine neue Ära
Vor der Investition in die erste Vollmer-Drahterodiermaschine war Exactaform vor allem auf Hartmetallwerkzeuge für die Automobilindustrie spezialisiert. Mit der QWD 760 erschloss sich das Unternehmen erstmals die Möglichkeit, PKD-Werkzeuge wirtschaftlich und in hoher Präzision zu fertigen. Damit eröffnete sich ein Markt mit deutlich höheren technologischen Anforderungen, aber auch mit erheblichen Wachstumschancen.
Knowhow und Qualität
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von Exactaform liegt auch im Engineering-Knowhow. Rund 80 Prozent aller gefertigten Werkzeuge sind individuelle Sonderlösungen. Häufig liefern Kunden lediglich die Zeichnung eines Bauteils – die komplette Entwicklung der optimalen Werkzeuglösung übernimmt Exactaform. Jedes Werkzeug wird dabei umfassend vermessen und geprüft. Dieser hohe Qualitätsanspruch hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Unternehmen in Branchen etablieren konnte, in denen selbst kleinste Abweichungen nicht toleriert werden.
Die neue Fertigungstechnologie veränderte das Unternehmen grundlegend. Aus einem Werkzeughersteller mit Fokus auf konventionelle Anwendungen entwickelte sich Schritt für Schritt ein Spezialist für hochleistungsfähige PKD-Präzisionswerkzeuge. Was mit einer einzigen Maschine begann, wuchs über die Jahre zu einem modernen Maschinenpark mit insgesamt 21 Vollmer-Anlagen. „Unsere erste Vollmer QWD 760 ist noch immer im Einsatz und war der Startpunkt unserer PKD-Erfolgsgeschichte“, weiß Inglis zu schätzen. Heute produziert Exactaform monatlich rund 7.000 PKD-Werkzeuge.

Technologie öffnet Tür zur Luftfahrtindustrie
Besonders deutlich zeigte sich die strategische Bedeutung der PKD-Technologie beim Eintritt in die Luft- und Raumfahrtindustrie. Als Flugzeughersteller zunehmend auf kohlefaserverstärkte Kunststoffe und andere Verbundwerkstoffe setzten, stiegen die Anforderungen an die Zerspanungswerkzeuge erheblich. Herkömmliche Werkzeuge stießen bei der Bearbeitung dieser Materialien schnell an ihre Grenzen.
Dank der mit Vollmer-Technologie aufgebauten PKD-Kompetenz konnte Exactaform frühzeitig Lösungen für diese anspruchsvollen Anwendungen entwickeln. Die Ingenieure des Unternehmens konstruierten spezielle Werkzeuggeometrien, die Delaminationen minimieren, Schnittkräfte verringern und eine präzise Bearbeitung der empfindlichen Verbundwerkstoffe zulassen. Damit gelang Exactaform der Zugang zu einer der technologisch anspruchsvollsten Industrien überhaupt. Heute stammen rund 40 Prozent des Geschäfts aus der Luft- und Raumfahrtbranche. Zu den Kunden zählen führende OEMs und Tier-1-Zulieferer, die höchste Anforderungen an Genauigkeit, Prozesssicherheit und Werkzeugstandzeiten stellen.
Automation und Partnerschaft als Wachstumsmotoren
Parallel zum Ausbau der PKD-Kompetenz investierte Exactaform konsequent in Automatisierung. Die verschiedenen Vollmer-Technologien – von Erodiermaschinen der QWD- und QXD-Serie oder VPulse 500 über VGrind-Schleifmaschinen bis hin zu Hybridlösungen wie der VHybrid 260 – befähigen zu einer hochproduktiven Fertigung mit langen mannlosen Laufzeiten.
Moderner Maschinenpark mit 21 Vollmer-Anlagen
Teilweise laufen die Anlagen bis zu 160 Stunden pro Woche mit minimalen Stillstandszeiten. Ein einzelner Mitarbeiter kann mehrere Maschinen gleichzeitig überwachen. Infolgedessen konnte Exactaform die Produktionskapazitäten kontinuierlich steigern und gleichzeitig die hohe Qualität seiner Werkzeuge sicherstellen.














