Anwenderbericht: Wenn das Lösemittel allein nicht das Mittel zur Lösung ist

Aktuatoren kommen beispielsweise in Fahrzeugen zahlreich zum Einsatz - oft angetrieben durch Schrittmotoren, wie sie auch Johnson Electric International im schweizerischen Fertigungswerk in Murten produziert. Damit die Technologie später zuverlässig arbeitet, müssen die beiden Einzelteile des Schrittmotors perfekt entfettet sein. Hierbei unterstützt unter anderem das Unternehmen Richard Geiss, der Lösemittelspezialist aus dem bayerischen Offingen.
Pure Sauberkeit - die Einzelteile für die Schrittmotoren nach dem Entfettungsprozess.
Pure Sauberkeit – die Einzelteile für die Schrittmotoren nach dem Entfettungsprozess.Bild: Richard Geiss GmbH

Johnson Electric International gehört zur Johnson Electric Group mit weltweit 36.000 Beschäftigten in über 23 Ländern. Der Schweizer Standort in Murten ist laut der Unternehmensgruppe eines ihrer Innovations- und Produktentwicklungszentren und beschäftigt 400 Mitarbeiter. 75 Prozent der dort gefertigten Bauteile gehen in die weltweite Automobilindustrie, darunter auch die in drei Montagelinien produzierten Schrittmotoren. 36 Millionen Stück verlassen jedes Jahr das Werk.

Dreifach-Kompetenz für einen ausgezeichneten Entfettungsprozess (v.r.): Außendienst Manuel Huihui von Richard Geiss, José Landeira, Metal Part Manager bei Johnson Electric, sowie Bruno Wysser, Verkauf und Beratung bei Thommen-Furler.
Dreifach-Kompetenz für einen ausgezeichneten Entfettungsprozess (v.r.): Außendienst Manuel Huihui von Richard Geiss, José Landeira, Metal Part Manager bei Johnson Electric, sowie Bruno Wysser, Verkauf und Beratung bei Thommen-Furler.Bild: Richard Geiss GmbH

450.000 Teile pro Tag entfetten

„Jeden Tag laufen bei uns 450.000 Einzelteile für die Schrittmotoren durch die Produktion. Immer zwei Einzelteile ergeben einen Motor“, erklärt José Landeira, Metal Part Manager bei Johnson Electric International. Später im Auto verbaut, steuern sie beispielsweise die Klappen der Heizung und Klimaanlage. Bevor die beiden Einzelteile jedoch zu einem Schrittmotor zusammengesetzt werden, gilt es diese perfekt zu reinigen. Die Entfettung der Statoren übernehmen in Murten zwei Anlagen des Anbieters REK Reinigungstechnik. Beim Lösemittel vertraut Johnson Electric auf den modifizierten Alkohol RG Cleaner 63 der Firma Richard Geiss. Er befreit die Bauteile nicht nur effizient von polaren Stoffen wie Salzen, Staub oder Metallabrieb, sondern löst auch unpolare Stoffe wie Fette und Öle.

>>Die Profis von Richard Geiss standen uns von Problembeginn an zur Seite<<

„Die Ausreißkräfte unserer Schrittmotoren wurden aber mit der Zeit immer schwächer – und wir konnten uns nicht erklären warum. Schließlich haben wir die Einzelteile ja wie gewohnt in unseren Anlagen entfettet“, so Landeira. Die Schrittmotoren müssen Ausreißkräfte von 80Nm halten, um die strengen Anforderungen der internationalen Automobilindustrie zu erfüllen. Johnson Electric fährt die beiden REK-Dampfentfettungsanlagen im Dreischichtbetrieb, fünf Tage die Woche. „Zum Wochenbeginn waren die Messungen immer in Ordnung“, erklärt Landeira, „aber zum Ende der Woche hin wurden sie immer schlechter.“

Erster Gedanke: Es könnte am Öleintrag liegen, denn am Wochenende stehen die beiden Entfettungsanlagen still und das Lösemittel wird destilliert. Das hätte die besseren Prüfergebnisse am Wochenanfang erklärt. „Die Analysen in unserem Firmenlabor aber haben gezeigt, dass die beiden Lösemittelproben, die wir am Anfang und am Ende der Woche aus der Anlage entnommen hatten, keine großen Unterschiede aufwiesen. Im Gegenteil: Das Medium war sauber“, betont Manuel Huihui, Außendienstmitarbeiter im internationalen Vertrieb von Richard Geiss, der den Kunden auch vor Ort betreute.

Nur noch die Hälfe an Lösemittel: Nach der Anlagennachjustierung und der Zugabe des Entschäumers Geiss Distil arbeitet die Entfettungsanlage jetzt besonders effizient.
Nur noch die Hälfe an Lösemittel: Nach der Anlagennachjustierung und der Zugabe des Entschäumers Geiss Distil arbeitet die Entfettungsanlage jetzt besonders effizient. Bild: Richard Geiss GmbH

Entfettungsproblem: Analyse deckt Ursachen auf

Zur Ursachenforschung untersuchten die Lösemittelspezialisten von Richard Geiss alle verschiedenen Prozessschritte. „Das ging weit über normale Serviceanalysen hinaus“, weiß José Landeira zu schätzen. Die umfassenden Analysen fanden im unternehmenseigenen Labor in Offingen statt. Neben dem Lösemittel wurde auch die gesamte Anlagentechnik überprüft. Das Ergebnis: Die Anlagen neigten unter den eingestellten Parametern zum Schäumen – und dieses Schäumen verschmutzte die Teile nach dem Reinigen wieder.

Zur Lösung des Entfettungsproblems wurden in Rücksprache mit einem auf die Anlagen spezialisierten Servicetechniker der Druckunterschied in den Anlagen verringert und weitere Parameter optimiert. Darüber hinaus nutzt Johnson Electric in den beiden Dampfentfettungsanlagen jetzt den Entschäumer Geiss Distil: Der ‚Schaumbrecher‘ verhindert die Schaumbildung in organischen Lösemitteln. „Diese Umstellung hat geholfen“, verdeutlicht Landeira. „Wir können jetzt wieder problemlos die strengen Anforderungen der Automobilindustrie erfüllen.“

50 Prozent weniger Lösemittel

Johnson Electric fährt in Murten jetzt nicht nur einen stabilen, sondern sogar einen optimierten Entfettungsprozess. Dank der Anlagennachjustierung und des Entschäumers Geiss Distil wird die Hälfte an Lösemittel im Vergleich zu vorher gespart. „Wo wir früher alle drei Monate fast 700 Liter Lösemittel austauschen mussten, kommen wir mit dem Lösemittel jetzt sechs bis acht Monate aus“, so Ladeira.

Seiten: 1 2Auf einer Seite lesen

Das könnte Sie auch Interessieren

Bild: Ingersoll Werkzeuge GmbH
Bild: Ingersoll Werkzeuge GmbH
Modulares Wechselkopfsystem

Modulares Wechselkopfsystem

Ingersoll präsentiert die neue FlexTurn-Familie modularer Köpfe und Halter für Swiss-Type Maschinen. Mit dieser modularen Serie lassen sich Rüstzeiten verkürzen und Kosten sparen. Generell kostet es Zeit, die Halter aus dem Werkzeughalter der Swiss-Type Drehmaschinen auszubauen, um die Wendeschneidplatten zu wechseln. Mit der modularen FlexTurn-Serie können Wendeschneidplatten außerhalb der Maschine ausgetauscht werden, indem nur der modulare Kopf ausgebaut wird und der Schaft im Werkzeughalter bleibt.

Bild: Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH - Nico Sauermann
Bild: Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH - Nico Sauermann
Fachbericht: Königsdisziplin Stechdrehen

Fachbericht: Königsdisziplin Stechdrehen

Als Paul Horn im Jahr 1972 die Wendeschneidplatte des Typs 312 der Öffentlichkeit vorstellte, war das im Prozess des Stechdrehens eine kleine Revolution. Als erster Hersteller überhaupt präsentierten die Tübinger ein dreischneidiges Werkzeugsystem mit stehender Hartmetall-Wendeschneidplatte für das Stechdrehen. Heute ist der Prozess Stechdrehen mit Wendeschneidplatten in der modernen Fertigung nicht mehr wegzudenken.

Bild: Lehmann-UMT GmbH
Bild: Lehmann-UMT GmbH
Feinstfiltersystem auf der GrindTec und Intec

Feinstfiltersystem auf der GrindTec und Intec

Mit dem StingR Feinstfiltersystem schafft das vogtländische Unternehmen Lehmann-UMT eine universelle Lösung zur energieeffizienten und passgenauen Aufbereitung von Fluiden beim Werkzeugschleifen für verlängerte Standzeiten und hohe Werkzeugqualität. Erstmals im vergangenen Jahr vor großem Publikum auf der GrindTec präsentiert, wurde das Feinstfiltersystem mit automatischer pneumatischer Rückspülung erfolgreich am Markt platziert.

Bild: MPDV Mikrolab GmbH
Bild: MPDV Mikrolab GmbH
Optimistischer Start ins Jahr 2023

Optimistischer Start ins Jahr 2023

Viele Produktionsunternehmen erkannten im zurückliegenden Jahr, dass Investitionen in den Bereichen Digitalisierung und smarte Fabrik eine positive Auswirkung auf die gestiegene Komplexität und die vielfältigen Herausforderungen am Markt nehmen können. So konnte die MPDV Gruppe mit Sitz in Mosbach zahlreiche Projekte mit Bestandskunden realisieren und Neukunden von ihren markterprobten Lösungen überzeugen.

Bild: Schott Systeme GmbH
Bild: Schott Systeme GmbH
Vollautomatisierte Bearbeitung auf der Intec 2023

Vollautomatisierte Bearbeitung auf der Intec 2023

Auf der Intec 2023 in Leipzig vom 7. bis zum 10. März demonstriert der deutsche Softwarehersteller Schott Systeme die signifikanten Leistungserweiterungen der Version 3.10 seiner Pictures by PC-CAD/CAM-Software. Diese Version baut auf fast 40 Jahre Softwareentwicklung des Anbieters auf, der mit seiner universellen CAD/CAM-Software Pictures by PC (Preis unter 10.000€) eine kostengünstige Lösung für alle Aspekte der Konstruktion und Fertigung bereitstellt – von der Lohnfertigung, dem Sondermaschinenbau bis hin zum Werkzeug- und Formenbau.

Bild: Mahr GmbH
Bild: Mahr GmbH
Messdaten bequem sichern

Messdaten bequem sichern

Bedienung per Touch, ein ergonomisches Handling und vielfältige Auswertemöglichkeiten: Dafür steht das Höhenmessgerät Digimar 817 CLT, das in den drei Messbereichen 350, 600 und 1.000mm zur Verfügung steht. Ein schwenkbares Touchdisplay sorgt dafür, dass sich das Messgerät von Mahr aus Göttingen so komfortabel bedienen lässt wie ein Tablet: Große Schaltflächen, übersichtlich gegliederte Menüs und selbsterklärende Icons gestatten schnelle flüssige Abläufe und beschleunigen somit den Messablauf.

Bild: Airbus
Bild: Airbus
Success-Story: Rauch und Feinstaub weg

Success-Story: Rauch und Feinstaub weg

Die Bearbeitung von Grauguss auf spanenden Werkzeugmaschinen stellt besondere Anforderungen an die Luftreinhaltung. Der hohe Kohlenstoffgehalt des Materials lässt große Mengen an Feinstaub und Rauch entstehen – vor allem bei Großmaschinen und beim Schruppen mit großer Zustellung. Spezielle Abscheider beispielsweise von Rentschler Reven schützen Mensch und Maschine.

Bild: Schaeffler Technologies AG & Co. KG
Bild: Schaeffler Technologies AG & Co. KG
Neuer Leiter Industrial Europa

Neuer Leiter Industrial Europa

Christian Zeidlhack (45) hat die Leitung für das Industriegeschäft in Europa sowie die Gesamtleitung der Subregion Zentral- und Osteuropa beim global tätigen Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler übernommen. In dieser Position verantwortet er das Direktkunden- und Vertriebspartnergeschäft der Sparte Industrial in der gesamten Region Europa sowie das gesamte Geschäft des Unternehmens in der Subregion.