Gepaarte schwäbische Präzision

Mit der Vollmer Schleifmaschine VGrind 360S und dem Palettenmagazin HP 170 fertigt das Unternehmen Myonic mannlos und rund um die Uhr seine Hartmetallwerkzeuge für den Eigenbedarf.
Mit der Vollmer Schleifmaschine VGrind 360S und dem Palettenmagazin HP 170 fertigt das Unternehmen Myonic mannlos und rund um die Uhr seine Hartmetallwerkzeuge für den Eigenbedarf. Bild: Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH

„Unseren Produkten hat wohl jeder schon mal ,auf den Zahn gefühlt‘ – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir entwickeln hochpräzise Kugellager für Zahnarzthand- und winkelstücke“, sagt Myonic-Geschäftsführer Christoph von Appen mit einem Schmunzeln. „Wir sind weltweit führend im Dentalbereich und machen rund ein Drittel unseres Umsatzes mit Dentallager. Zudem entwickeln wir Kugel- und Wälzlager, die unter anderem in Röntgengeräten, Werkzeugmaschinen oder Systemen der Luft- und Raumfahrt für den richtigen Dreh sorgen.“ Myonic verfügt über zwei Standorte im schwäbischen Leutkirch und ein Montagewerk in Rožnov in Tschechien mit insgesamt knapp 550 Mitarbeitenden. Das Unternehmen gehört zur japanischen MinebeaMitsumi Gruppe.

Yannick Geisinger, Sales Manager bei Vollmer (links), überreichte im November 2024 die Schleifmaschine VGrind 360S an das Myonic Team (Mitte), das Martin Haug (r.) als Manager Mechanical & Tool-Service verantwortet.
Yannick Geisinger, Sales Manager bei Vollmer (links), überreichte im November 2024 die Schleifmaschine VGrind 360S an das Myonic Team (Mitte), das Martin Haug (r.) als Manager Mechanical & Tool-Service verantwortet. Bild: Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH

„Damit wir unsere Kugellager präzise fertigen können, benötigen wir für die Metallzerspanung maßgeschneiderte Werkzeuge von höchster Qualität, deren Durchmesser von wenigen Millimetern bis hin zu einigen Zentimetern reichen“, erläutert Christoph von Appen. „Um die extrem dünnen Werkzeuge für den Dentalbereich selbst herzustellen, haben wir uns 2024 für eine VGrind 360S entschieden.“

Weltmarkführer aus Schwaben

Weniger als 50km Anfahrt hatte der Biberacher Schärfspezialist Vollmer, um die Schleifmaschine VGrind 360S anzuliefern. Die Nähe der beiden schwäbischen Weltmarktführer war mit ein Grund, sich für die VGrind 360S zu entscheiden. Hinzu kommen die ausgereifte Technologie gepaart mit einer einfachen Bedienung.

70 Prozent automatisierte Laufzeit geplant
„Die VGrind 360S setzen wir zur Fertigung von internen Hartmetallwerkzeugen, jedoch auch zum Herstellen von Sonderteilen für die Fertigung ein. Für das kommende Jahr planen wir hier bis zu 8.500 Teile und Werkzeuge, welche auf der Maschine gefertigt werden sollen – dies mit einer mannlosen, automatisierten Laufzeit von rund 70 Prozent!“, betont Martin Haug, Manager Mechanical & Tool-Service bei Myonic. „Der geringe Wartungs- und Instandhaltungsaufwand der Maschine sichert uns Produktionszeit und somit eine hohe Wirtschaftlichkeit.“

Fundament der exakten Schärfprozesse der Maschine sind zwei vertikal angeordnete Schleifspindeln, die eine effiziente Mehr-Ebenen-Bearbeitung gestatten und damit die ansonsten bei Maschinen typische Fest- und Loslagerproblematik vermeidet. Des Weiteren gewährleisten der Schleifscheibensatz im Drehpunkt der C-Achse sowie die verschleißfreien Linearmotoren an der X-, Y und Z-Achse eine stets wiederholbare und stabile Werkzeugfertigung. Kombiniert mit dem Palettenmagazin HP 170, in dem bis zu 900 Rohlinge Platz finden, lässt sich die VGrind 360S im mannlosen Betrieb rund um die Uhr einsetzen.

Enormen Belastungen standhalten

Gerade kleine Bohrer und Fräser mit Sonderkonturen, die Myonic für die Produktion seiner Dentallager benötigt, gibt es auf dem globalen Markt selten zu kaufen. Mit der VGrind 360S lassen sich indes Hartmetallwerkzeuge mit weniger als einem Millimeter Durchmesser exakt und anwendungsspezifisch herstellen.

Die Durchmesser der Bohrer und Fräser, die Myonic mit der Vollmer Grind 360S 
fertigt, liegen zwischen 1mm und 32mm. Sie kommen vor allem für die Fertigung von Kugellagern im Dentalbereich zum Einsatz.
Die Durchmesser der Bohrer und Fräser, die Myonic mit der Vollmer Grind 360S fertigt, liegen zwischen 1mm und 32mm. Sie kommen vor allem für die Fertigung von Kugellagern im Dentalbereich zum Einsatz. – Bild: Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH

Eine derartige Präzision ist unabdingbar, denn Dentallager müssen wiederum auf engstem Bauraum enormen Belastungen standhalten. Wenn der Zahnarzt seinen Bohrer ansetzt, sind die filigranen Kugellager von wenigen Millimeter Durchmessern extremen Drehzahlen von bis zu 500.000 Umdrehungen pro Minute ausgesetzt. Außer hohen Vibrationen müssen sie auch Angriffen durch Heißdampf und verschiedenen Reinigungsmedien widerstehen. Hinzukommt, dass die Spezialkugellager von Myonic vor eindringenden Verschmutzungen wie Blut oder Zahnstaub hermetisch abgeriegelt sein müssen.

Kugellager von Myonic fliegen bis zum Mars

Die von Myonic entwickelten Wälzlager kommen unter anderem in Röntgenröhren zur Anwendung. Sie gewährleisten bei enormen Kräften und Temperaturen bis zu 550°C einen hochgenauen, verlustarmen und schwingungsfreien Lauf in jeder Positionsrichtung. Insgesamt reicht die Bandbreite an Kugel- und Wälzlagern der Schwaben bis hin zu Branchen wie der Luft- und Raumfahrt, dem Maschinenbau oder auch dem Energiesektor. Bei Sonderanfertigungen von Schwungradenergiespeichern, Elektrofahrzeugen, Energierückgewinnungssystemen oder Rundtischsystemen können die Durchmesser der Wälzlager weit über einem Meter liegen. In der Luft- und Raumfahrt werden die Kugellager nicht nur in Flugzeugen eingesetzt, sondern auch in den Tiefen des Weltalls – etwa in Satelliten und Sonden, die die Erde und das gesamte Sonnensystem erforschen oder auch im Nasa Mars-Rover ‚Curiosity‘, der seit nunmehr 13 Jahren auf dem Roten Planeten seine Runden dreht.

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