
„Wir erhalten schon seit längerem immer häufiger Anfragen nach umfangreichen Lösungen, die weit über ein einzelnes Spannprodukt hinausgehen“, berichtet Chris Vogel, Leiter Key Account Projekte International. „Vor allem durch ständig sinkende Losgrößen und gleichzeitig größere Teilevielfalt ist mehr Flexibilität gefordert, als ein einzelnes Spannelement alleine leisten kann“, ergänzt Projektleiter Thomas Kirchner. Da sind dann Zuhören, Prozessverständnis und Beratungskompetenz gefragt. Die wichtigste Voraussetzung dabei sei, dass ein beratender Anbieter technologieoffen denkt und berät.
Je nach Bedarf mehr oder weniger Komplexität
Nun mag man Anbietern durchaus redliche Absichten einräumen. Wirklich technologieoffen beraten kann jedoch wahrscheinlich nur ein Unternehmen, das auch über die gesamte Bandbreite der Spanntechnik verfügt. Da sollten dann durchaus mechanische, pneumatische und hydraulische Spannelemente zum Portfolio gehören, ebenso wie Nullpunktspanntechnik, Magnet- und Vakuumtechnik sowie Schnellspanner. Und genau dann, wenn die Standardware das Problem nicht lösen kann, schlägt die Stunde der individuellen Projektlöser.
Lösungsorientierte Anbieter denken technologieoffen
Als solch ein technologieoffen denkender Anbieter mit Rundumblick hat sich das 1890 gegründete Unternehmen AMF herauskristallisiert. Die Fellbacher sind als Komplettanbieter in der Spanntechnik auf dem Maschinentisch weltweit bekannt und gehören zu den Marktführern. „Wenn es um individuelle Lösungen mit Vorrichtungsbau geht, können wir uns durch große Expertise und Beratungskompetenz auszeichnen“, verspricht Vogel. Letzten Endes gehe es immer um den Engpassfaktor Zeit und die Beantwortung der Frage: Wie lassen sich bei sinkenden Losgrößen und wachsender Teilevielfalt mit kürzeren Abrufzeiten die Rüstzeiten in der Produktion senken und Spindellaufzeiten der Maschinen erhöhen?
Beispiel 1: weniger Komplexität für höhere Präzision
Um es anschaulicher zu gestalten, berichtet Vogel von einem Projekt für einen Hersteller von Hochleistungspumpen für Supersportwagen. Dafür werden vier komplexe Teile aus Aluminiumguss vollautomatisch und mannlos gefertigt. Hier hat AMF ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum (BAZ) mit einer Automation um vier neue Vorrichtungen ergänzt, die – auf Maschinenpaletten montiert – in wenigen Minuten in die Maschine eingewechselt werden und dank Nullpunktspanntechnik sofort positioniert sind. Die Herausforderung dabei ist die Fixierung der Rohteile aus Aluminium Sandguss.

In einem früheren Konzept eines anderen Anbieters wurden zwei Bauteile pro Vorrichtung gespannt und bearbeitet. Dabei schränkten jedoch etliche Störkonturen die Bearbeitung ein. „Unsere Vorrichtung spannt nur ein Rohteil“, beschreibt Chris Vogel. „Das hat die Komplexität reduziert und die Prozesssicherheit deutlich erhöht.“ Nun kann das BAZ mit horizontaler Spindellage und Schwenktisch das Werkstück nach Messung der Lage für jede notwendige Bearbeitung toleranzgenau positionieren.
Beispiel 2: mehr Komplexität beherrschen
Ein anderes Beispiel zeigt, wie hohe Komplexität mit großer Zerspanungspräzision XXL-Gussteile für Druckmaschinen auf flexiblen Vorrichtungen entstehen lässt. Für hauptzeitparalleles Rüsten auf insgesamt drei Paletten fertigte AMF modulare Spannvorrichtungen und griff bei den hydraulischen Spannelementen und der Nullpunktspanntechnik auf sein umfangreiches Standardportfolio zurück. Weil die Maschine über keine eigene Spannhydraulik verfügt, steuerte AMF auch das Hydraulikaggregat aus seinem Sortiment bei. Die Fixierung der riesigen Gussteile in der ersten und zweiten Aufspannung realisiert eine Kombination aus hydraulischen Niederzugspannern und anschwimmenden Unterstützungselementen, damit die Teile perfekt eben werden.

Einmal gespannt werden die Gusshaut entfernt, die Kontur vorgefräst sowie Bohrungen und Gewinde eingebracht – darunter auch für die Nullpunktspannbolzen zur Werkstück-Direktspannung der nächsten Bearbeitung. Um 180° gewendet nehmen Nullpunktspannmodule die eingeschraubten Spannbolzen auf und fixieren die Bauteile direkt, verzugsfrei und rundum zugänglich für eine Fünfseitenbearbeitung. Ein Clou ist die Flexibilität der Aufspannvorrichtungen: Auf einer Grundplatte sind zwei verschiebbare Aufbauplatten montiert. Hydraulische Abstützelemente, die nur abgesteckt sind, sind einfach versetzbar. So können die Vorrichtungen nicht nur zwei paarweise zusammengehörige Seitenteile aufnehmen, die sich nach dem Wenden fünfseitig bearbeiten lassen. Es können auch alle vier Varianten der Bauteile in den jeweiligen Bearbeitungszuständen aufgespannt werden.

















