
dima Herr Westermeier, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Angebotsprozessen in der Zerspanung. Was brachte Sie ursprünglich dazu?
Dr. Markus Westermeier: Der Impuls kam direkt aus der Praxis: Nach meiner Promotion stieg ich in das Fertigungsunternehmen meiner Eltern ein und war dort für den Vertrieb verantwortlich. In kleineren und mittelgroßen Lohnfertigungsbetrieben laufen Anfragen und Angebotskalkulation oft in der Geschäftsleitung zusammen – und genau dort habe ich erlebt, wie aufwendig und ineffizient diese Prozesse für beide Seiten sein können.
Eine zentrale Herausforderung ist es, bestehendes Wissen digital zu sichern und systematisch im Prozess nutzbar zu machen.
Daraus entstand die Idee zu Spanflug und digitalen Lösungen, die den Beschaffungsprozess für Fertigungsteile sowohl für Kunden als auch Lieferanten einfacher und effizienter gestalten.
dima Auf welche Art hat sich die Angebotsarbeit verändert – und was kommt aktuell zusätzlich auf die Betriebe zu?
Die Anforderungen haben sich deutlich verändert: Mehr Varianten, kleinere Losgrößen, neue Kundensegmente treffen auf die Erwartung schneller, wettbewerbsfähiger Angebote – oft am selben Tag. Betriebe müssen mehr Angebote erstellen, bei sinkender Erfolgsquote. Der Druck, die Angebotsphase deshalb effizienter zu gestalten, steigt weiter an. Das für punktgenaue Angebote notwendige Fertigungswissen liegt häufig bei wenigen Personen. In einigen Betrieben ist diese Tatsache heute schon eine Herausforderung, wird sich aber angesichts von Fachkräftemangel und Generationenwechsel in den kommenden Jahren weiter verschärfen.
dima Und die Angebotskalkulation läuft in der Praxis wie genau ab?
Bei vielen Klein- und mittelständischen Unternehmen machen ein oder zwei Personen die gesamte Angebotskalkulation. Häufig obliegt die Aufgabe dem Seniorchef oder dem erfahrenen technischen Betriebsleiter – genau den Wissensträgern, die im eigentlichen Fertigungsbetrieb enorm gefordert sind.

Spätestens beim Generationenwechsel wird das kritisch. Die Angebotsphase wird zum Engpass, weil das Knowhow in wenigen Köpfen steckt oder ganz verloren geht.
dima Wie lässt sich das Expertenwissen in dem Betrieb nutzbar machen und welche Rolle spielt dabei Spanflug Make?
Eine zentrale Herausforderung ist es, bestehendes Wissen digital zu sichern und systematisch im Prozess nutzbar zu machen. Unsere Software kann genau das abbilden. Wir zeigen damit, wie leistungsfähig Spanflug Make mittlerweile ist, und eben viel mehr kann, als einen Angebotspreis zu kalkulieren und einen Arbeitsplan auszugeben.
Mit Spanflug Make kombinieren wir automatisierte, KI-gestützte Kalkulation mit dem spezifischen Wissen unserer Kunden – denn neben der Möglichkeit, sofort mit den Standard-Einstellungen loszukalkulieren, legen die Anwender mit wenigen Klicks eigene Maschinen an und speichern Maschinenparameter, Stundensätze, Schnittwerte und Kalkulationspräferenzen im Profil als Einstellungsvorlagen ab. Genau hier findet der Wissenstransfer statt. Einmal vom Senior-Kalkulator hinterlegt, stehen diese Vorlagen allen Nutzern der Organisation zur Verfügung und bilden die Grundlage für konsistente und nachvollziehbare Angebote – unabhängig davon, wer sie erstellt.
dima Die Zusammenarbeit in der Software kann man wie organisieren?
Ein zentraler Baustein dafür ist die klare Organisation von Rollen und Verantwortlichkeiten für alle Anwender im Unternehmen – vom Betriebsleiter bis zur Arbeitsvorbereitung. Mit dem Teamwork-Modul lässt sich die Zusammenarbeit strukturiert abbilden, ohne die Kontrolle zu verlieren.
dima Haben Sie ein Beispiel aus dem Alltag?
Ein typisches Szenario ist, dass ein weniger erfahrener Mitarbeiter ein Angebot kalkuliert und abspeichert – gestützt auf die hinterlegten Kalkulationsprofile. Rollenbasierte Workflows stellen sicher, dass Angebote gezielt geprüft und freigegeben werden. So kann der erfahrene Kalkulator sich auf die Freigabe fokussieren oder nur Bauteile prüfen, für die Spanflug Make Fertigungshinweise ausgegeben hat. Über das Rechtekonzept lässt sich zudem auch klar steuern, wer Zugriff auf Kunden- oder Bauteildaten erhält und wer welche Einstellungen anpassen darf.

So benötigt ein Vertriebsmitarbeiter z.B. keine Änderungsrechte für technische Parameter wie Schnittwerte. In der Arbeitsvorbereitung hingegen können Kundendaten eingesehen, aber nicht verändert werden. So bleibt die Verantwortung klar beim jeweiligen Ansprechpartner, während die operative Arbeit effizient organisiert wird. Der Wissenstransfer in die Kalkulations-Profile befähigt zu konsistenten, nachvollziehbaren Kalkulationen und entlastet alle am Prozess Beteiligten.
dima Was raten Sie Zerspanungsbetrieben mit Blick auf die nächsten Jahre?
Betriebe sollten die Angebotsphase stärker als strategischen Prozess verstehen.

















