
Für Mapal treffen mehrere Entwicklungen gleichzeitig zusammen. Die Unternehmensgruppe ist stark in Deutschland und Europa verwurzelt, verfügt über eine bedeutende Position in der Automobilindustrie und begleitet ihre Kunden in hohem Maße bei langfristigen Investitionsprojekten. Gerade diese Bereiche standen in den vergangenen Jahren unter besonderem Druck.
Geschäftsbericht
„Wir erleben derzeit keine kurzfristige Marktschwäche, sondern tiefgreifende Veränderungen in vielen für uns relevanten Märkten“, erläutert Dr. Kress. „Das betrifft wirtschaftliche Rahmenbedingungen ebenso wie technologische Entwicklungen und geopolitische Einflüsse.“ Zusätzliche Unsicherheit entstehe seit dem zweiten Halbjahr 2025 auf den internationalen Rohstoffmärkten, insbesondere durch Exportbeschränkungen und Preissteigerungen bei Hartmetall-Vorprodukten. „Die Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten zeigen, wie wichtig resiliente Lieferketten und langfristige Partnerschaften sind. Versorgungssicherheit wird für die gesamte Branche zu einem noch wichtigeren Thema. Die Mapal Gruppe ist hier aktuell gut aufgestellt und dauerhaft lieferfähig“, betont Dr. Kress.

Vor dem Hintergrund dieser Marktveränderungen entsprach das Geschäftsjahr 2025 den Erwartungen. Die Mapal Gruppe erzielte einen Umsatz von 514 Millionen Euro und lag damit rund sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Während die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und in China verhalten blieb und die Automobilindustrie weiterhin von tiefgreifenden Veränderungen geprägt war, entwickelten sich einzelne Märkte in Nord- und Südamerika sowie in Asien robuster. Zum Jahresende 2025 beschäftigte die Mapal Gruppe weltweit rund 4.500 Personen.
Technische Neuheiten
In Aalen bekamen die Fachjournalisten zahlreiche Neuheiten zu sehen. Mit der neuen Generation des OptiMill-Tro-Uni entwickelt Mapal seinen Trochoidalfräser für die Anforderungen moderner Bearbeitungsstrategien weiter. Im Fokus stehen eine hohe Prozesssicherheit, reproduzierbar stabile Prozesse und ein hohes Zeitspanvolumen. Die zweite Generation des Trochoidalfräsers für die Bearbeitung von Stahl- und Gusswerkstoffen ist im Durchmesserbereich vier bis 25 mm und in Längenausführungen 2xD bis 5xD verfügbar.

Mit dem EA-Performance-System setzt Mapal einen neuen Benchmark in der Feinbearbeitung. Erstmals ist eine einfache Justierung mit nur noch einer Einstellschraube auch im anspruchsvollen Durchmesserbereich von 10 bis 19mm verfügbar. Das reduziert den Einstellaufwand bei enormer Präzision deutlich – rund 50 Prozent könne der Kunde einsparen, verspricht der Anbieter. Minimierter Korrekturaufwand, geringer Ausschuss und stabile Bearbeitungsprozesse sorgen für hohe Effizienz in Anwendungen wie hochpräzisen Pass- und Lagerbohrungen, etwa in Getriebegehäusen, Zylindern oder an Kurbel- und Nockenwellen. Das System wird bereits bei ausgewählten Kunden eingesetzt, wo sich das stabile Einstellverhalten sowie reproduzierbare Bearbeitungsergebnisse im laufenden Prozess bestätigt haben.
Für die Bearbeitung komplexer Innenkonturen in Statorgehäusen für Elektromotoren hat Mapal ein neues Aussteuerwerkzeug mit Sechsfachschieber entwickelt. Die Neuentwicklung erhöht die Zahl der simultan ansteuerbaren Schieber und erschließt damit ein deutliches Plus an Produktivität. Beim ersten Kundeneinsatz sank die Zykluszeit gegenüber der bisherigen Lösung um 70 Prozent.

Mit der zweiten Generation des Mega-Deep-Drill-Alu setzt der Werkzeugspezialist neue Maßstäbe in der Aluminiumbearbeitung. Das Werkzeug ist darauf ausgelegt, bei gleichzeitig hoher Flexibilität im Werkstoffeinsatz die typischen Herausforderungen großer Bohrtiefen – stabile Prozesse, sichere Spanabfuhr und hohe Vorschübe – zuverlässig zu beherrschen. Grundlage ist ein neu entwickeltes Gesamtkonzept aus Schneidengeometrie, Kühlung und Schneidstoff. Die neue Geometrie deckt ein breites Anwendungsspektrum von Knetlegierungen bis hin zu hochsiliziumhaltigen Gusslegierungen ab. Die gerade Hauptschneide sorgt für ruhige, vibrationsarme Prozesse und reduziert Ausbrüche sowie Gratbildung insbesondere bei anspruchsvollen Anwendungen wie Querbohrungen oder schrägen Austritten. Eine doppelte Ausspitzung und optimierte Spannuten sorgen für einen verbesserten Spanabtransport. Der angepasste Kernverlauf erhöht zugleich die Werkzeugstabilität und steigert damit die Prozesssicherheit bei großen Bohrtiefen.

Ein neuartiger Bohrer für CFK steigert deutlich Standzeiten und Schnittgeschwindigkeiten (bis zu 50 Prozent) bei der Bearbeitung dieses anspruchsvollen Materials, das vor allem in der Luft- und Raumfahrt eine wichtige Rolle spielt. Der Clou des neuen Mega-Drill-Composite-MD-EdgePro: Das Werkzeug schärft sich beim Bohren selbst.
Hydrodehnspanntechnik
Mit dem Uniq Dream Chuck mit 4,5°-Kontur wird das Hydrodehnspannprogramm von Mapal um die Spanndurchmesser 3 bis 5mm erweitert (siehe Innentitelbild). Damit steht Anwendern erstmals auch für kleine Werkzeugdurchmesser eine Lösung zur Verfügung, die die Vorteile der Hydrodehnspanntechnik mit der Kontur eines Warmschrumpffutters verbindet. Ohne zusätzliche Komponenten und ohne thermische Prozesse stehen Uniq Hydrodehnspannfutter für einfache und schnelle Werkzeugwechsel und erhöhen so die Effizienz im täglichen Einsatz.
VIDEOS
– Trochoidalfräser OptiMill-Tro-Uni von Mapal
– Hydrodehnspannfutter Uniq Dream Chuck mit 4,5° Kontur von Mapal
Ein zentrales Merkmal der neuen Lösung ist die durchgängige Kühlmittelzufuhr für innengekühlte Werkzeuge. Ohne Reduzierhülse gelangt das Kühlmittel stabil und verlustarm bis an die Schneide. Gerade bei kleinen und bruchempfindlichen Werkzeugen ist dies ein wichtiger Beitrag zur Prozesssicherheit. Die hohe Systemdichtigkeit sorgt für stabile Kühl- und Druckbedingungen und unterstützt gleichbleibende Bearbeitungsergebnisse.
PcBN-Schneidstoffe
Zum Zerspanen von gehärtetem Stahl führt kaum ein Weg an PcBN vorbei. Das gilt umso mehr für anspruchsvolle Bauteile wie homokinetische Gelenke. Als langjähriger Partner der Hersteller von Antriebsgelenken verfügt Mapal in diesem Bereich über tiefes Knowhow und steigert 2026 mit der gezielten Entwicklung neuer Schneidstoffsorten sowie Optimierungen des Werkzeugdesigns die Effizienz in der Produktion dieser Schlüsselkomponenten signifikant weiter.
Ausblick
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet das Unternehmen einen ähnlichen Umsatz wie im Vorjahr. Dennoch sieht Mapal die Voraussetzungen geschaffen, Marktchancen künftig schneller und konsequenter nutzen zu können.















