Wie Fertigungswissen im Angebotsprozess systematisch nutzbar wird

Dr. Markus Westermeier, CEO und Mitgründer von Spanflug, kennt die Herausforderungen der Angebots- und Beschaffungsprozesse aus eigener Erfahrung im elterlichen Fertigungsbetrieb. Daraus entstand die Idee, diese Prozesse digital zu vereinfachen.
Dr. Markus Westermeier, CEO und Mitgründer von Spanflug, kennt die Herausforderungen der Angebots- und Beschaffungsprozesse aus eigener Erfahrung im elterlichen Fertigungsbetrieb. Daraus entstand die Idee, diese Prozesse digital zu vereinfachen. Bild: Spanflug Technologies GmbH

Dr. Markus Westermeier: Der Impuls kam direkt aus der Praxis: Nach meiner Promotion stieg ich in das Fertigungsunternehmen meiner Eltern ein und war dort für den Vertrieb verantwortlich. In kleineren und mittelgroßen Lohnfertigungsbetrieben laufen Anfragen und Angebotskalkulation oft in der Geschäftsleitung zusammen – und genau dort habe ich erlebt, wie aufwendig und ineffizient diese Prozesse für beide Seiten sein können.

Daraus entstand die Idee zu Spanflug und digitalen Lösungen, die den Beschaffungsprozess für Fertigungsteile sowohl für Kunden als auch Lieferanten einfacher und effizienter gestalten.

Die Anforderungen haben sich deutlich verändert: Mehr Varianten, kleinere Losgrößen, neue Kundensegmente treffen auf die Erwartung schneller, wettbewerbsfähiger Angebote – oft am selben Tag. Betriebe müssen mehr Angebote erstellen, bei sinkender Erfolgsquote. Der Druck, die Angebotsphase deshalb effizienter zu gestalten, steigt weiter an. Das für punktgenaue Angebote notwendige Fertigungswissen liegt häufig bei wenigen Personen. In einigen Betrieben ist diese Tatsache heute schon eine Herausforderung, wird sich aber angesichts von Fachkräftemangel und Generationenwechsel in den kommenden Jahren weiter verschärfen.

Bei vielen Klein- und mittelständischen Unternehmen machen ein oder zwei Personen die gesamte Angebotskalkulation. Häufig obliegt die Aufgabe dem Seniorchef oder dem erfahrenen technischen Betriebsleiter – genau den Wissensträgern, die im eigentlichen Fertigungsbetrieb enorm gefordert sind.

Das Teamwork-Modul in Spanflug Make: Klare Rollen und 
definierte Zuständigkeiten bringen Struktur in Angebotskalkulation und Arbeitsvorbereitung.
Das Teamwork-Modul in Spanflug Make: Klare Rollen und definierte Zuständigkeiten bringen Struktur in Angebotskalkulation und Arbeitsvorbereitung.Bild: ©Westend61 Daniel Ingold/Spanflug Technologies GmbH

Spätestens beim Generationenwechsel wird das kritisch. Die Angebotsphase wird zum Engpass, weil das Knowhow in wenigen Köpfen steckt oder ganz verloren geht.

Eine zentrale Herausforderung ist es, bestehendes Wissen digital zu sichern und systematisch im Prozess nutzbar zu machen. Unsere Software kann genau das abbilden. Wir zeigen damit, wie leistungsfähig Spanflug Make mittlerweile ist, und eben viel mehr kann, als einen Angebotspreis zu kalkulieren und einen Arbeitsplan auszugeben.

Mit Spanflug Make kombinieren wir automatisierte, KI-gestützte Kalkulation mit dem spezifischen Wissen unserer Kunden – denn neben der Möglichkeit, sofort mit den Standard-Einstellungen loszukalkulieren, legen die Anwender mit wenigen Klicks eigene Maschinen an und speichern Maschinenparameter, Stundensätze, Schnittwerte und Kalkulationspräferenzen im Profil als Einstellungsvorlagen ab. Genau hier findet der Wissenstransfer statt. Einmal vom Senior-Kalkulator hinterlegt, stehen diese Vorlagen allen Nutzern der Organisation zur Verfügung und bilden die Grundlage für konsistente und nachvollziehbare Angebote – unabhängig davon, wer sie erstellt.

Ein zentraler Baustein dafür ist die klare Organisation von Rollen und Verantwortlichkeiten für alle Anwender im Unternehmen – vom Betriebsleiter bis zur Arbeitsvorbereitung. Mit dem Teamwork-Modul lässt sich die Zusammenarbeit strukturiert abbilden, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Ein typisches Szenario ist, dass ein weniger erfahrener Mitarbeiter ein Angebot kalkuliert und abspeichert – gestützt auf die hinterlegten Kalkulationsprofile. Rollenbasierte Workflows stellen sicher, dass Angebote gezielt geprüft und freigegeben werden. So kann der erfahrene Kalkulator sich auf die Freigabe fokussieren oder nur Bauteile prüfen, für die Spanflug Make Fertigungshinweise ausgegeben hat. Über das Rechtekonzept lässt sich zudem auch klar steuern, wer Zugriff auf Kunden- oder Bauteildaten erhält und wer welche Einstellungen anpassen darf.

Informationen zu Werkzeugmaschinen und Kalkulationseinstellungen werden in Spanflug Make als digitales Betriebswissen hinterlegt - zentral nutzbar, geschützt vor Änderungen und Basis für reproduzierbare Ergebnisse.
Informationen zu Werkzeugmaschinen und Kalkulationseinstellungen werden in Spanflug Make als digitales Betriebswissen hinterlegt – zentral nutzbar, geschützt vor Änderungen und Basis für reproduzierbare Ergebnisse.Bild: Spanflug Technologies GmbH

So benötigt ein Vertriebsmitarbeiter z.B. keine Änderungsrechte für technische Parameter wie Schnittwerte. In der Arbeitsvorbereitung hingegen können Kundendaten eingesehen, aber nicht verändert werden. So bleibt die Verantwortung klar beim jeweiligen Ansprechpartner, während die operative Arbeit effizient organisiert wird. Der Wissenstransfer in die Kalkulations-Profile befähigt zu konsistenten, nachvollziehbaren Kalkulationen und entlastet alle am Prozess Beteiligten.

Betriebe sollten die Angebotsphase stärker als strategischen Prozess verstehen.

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